Deutschland und die Tschechische Republik: Ein starkes Tandem

Deutschland und die Tschechische Republik blicken beide auf eine lange Wissenschaftstradition von über 600 Jahren. Wirtschaftlich setzen beide Länder seit langem auf industrielle Branchen, vor allem den Maschinen- und Automobilbau.

© BMBF

Deutschland und die Tschechische Republik verbindet ihre jeweils längste gemeinsame Grenze. Beide Länder ähneln sich weiterhin in ihrer Wissenschaftsgeschichte und in ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung. So gehen die Gründungen der Prager Karls-Universität und der Heidelberger Universität als früheste Hochschulen in das 14. Jahrhundert zurück.

Für die heutigen Industrieländer Deutschland und die Tschechische Republik sind Spitzenforschung und Innovation wichtige Wettbewerbsfaktoren. Die Tschechische Republik hat in den letzten Jahren, insbesondere seit 2011, deutlich mehr Geld in die Förderung von Forschung und Innnovation investiert. Mit etwa zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung hat sie inzwischen zum EU-Durchschnitt aufgeschlossen. Mit ihren gemeinsamen Stärken in Wissenschaft und Wirtschaft wollen Deutschland und die Tschechische Republik auch die Kooperation im Europäischen Forschungsraum weiter intensivieren.

Forschungsanlagen gemeinsam nutzen

In der Tschechischen Republik entstehen seit gut fünf Jahren hochmoderne Forschungszentren. Zudem wurden ungefähr 40 bestehende Forschungseinrichtungen von Grund auf modernisiert. Diese neuen Infrastrukturen sollen künftig stärker von deutschen Einrichtungen mit ihren tschechischen Partnern genutzt werden. Zur Erreichung dieses Ziels haben Anfang 2015 die für Forschung zuständigen Ministerien aus Deutschland und der Tschechischen Republik in Prag eine gemeinsame Konferenz veranstaltet.

Im Prager Palais Liechtenstein tauschten sich über 100 Fachleute aus beiden Ländern über Lasergroßanlagen, Rechnertechnik und Umweltthemen aus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das tschechische Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MŠMT) stellten europäische und nationale Fördermöglichkeiten vor. Die Fachleute vereinbarten eine Reihe vielversprechender erster Initiativen und Projektideen. Deutschland und die Tschechische Republik haben mit dieser Konferenz einen Auftakt für eine intensivere Zusammenarbeit gesetzt. Es sollen weitere Konferenzen etwa zur Gesundheits- oder Werkstoffforschung folgen. Diese Konferenzreihe leistet auch einen bilateral initiierten Beitrag zur Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums. Darüber hinaus unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit verschiedenen Förderbekanntmachungen die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit tschechischen Partnern. Durchgehend geöffnet ist die Bekanntmachung „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“.

Maschinenbaustandort mit überregionaler Ausstrahlung

In Brünn findet seit den 1950er Jahren eine internationale Maschinenbaumesse statt. Diese Messe – kurz MSV – besitzt Ausstrahlung nach ganz Mittel- und Osteuropa. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2011 erstmalig einen Gemeinschaftsstand auf der MSV organisiert. Hochrangige tschechische Regierungsvertreter haben den Stand besucht. 2014 fand die vierte Messebeteiligung mit deutschen Forschungsvertretern statt. Seit 2011 haben mehr als 30 verschiedene Hochschulen, Institute, Netzwerke und Unternehmen ihre Forschungsarbeiten und -ergebnisse auf der MSV vorgestellt. Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK) hatte dazu jeweils im Vorfeld mögliche tschechische Partnereinrichtungen eingeladen. Aus den Gesprächen sind viele neue, längerfristige Kooperationen zwischen deutschen und tschechischen Einrichtungen hervorgegangen.

Enge politische Zusammenarbeit

Deutschland und die Tschechische Republik haben als Rahmen der künftigen engen Zusammenarbeit einen Strategischen Dialog begonnen. Wissenschaft und Forschung sind wichtige Pfeiler der Kooperation. Beide Länder sind an einer besseren Vernetzung zwischen Spitzenforschung und Wirtschaft zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit interessiert. Aus Sicht der Bundesregierung besteht ferner Interesse, deutsche Institutionen und Forscher in Kooperationsmöglichkeiten mit Forschern und Infrastrukturen in den mittelosteuropäischen Ländern einzubinden (zum Beispiel gemeinsame Projekte im europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020).