Deutschland und Frankreich: Forschung für die Zukunft Europas

Für Frankreich und Deutschland als wissensbasierte Volkswirtschaften sind Bildung, Forschung und Innovation besonders wichtig. Innovationen sind die treibende Kraft des Wohlstandes und der Lebensqualität.

© Thinkstock / camij

Um gemeinsam handeln zu können, tauschen sich beide Länder zu den jeweiligen nationalen Forschungs- und Innovationsstrategien aus. Mit der bilateralen Zusammenarbeit leisten sie einen nachhaltigen Beitrag für ein zukunftsfähiges Europa. Sie sehen sich darüber hinaus als Treiber und Impulsgeber für einen exzellenzbasierten und international ausstrahlenden Europäischen Forschungsraum (EFR).

Regelmäßige Gespräche

Die Kooperation in Bildung, Forschung und Innovation hat auch bei den deutsch-französischen Ministerräten eine zentrale Stellung. Zum Ministerrat kommen beide Forschungsminister beziehungsweise Forschungsministerinnen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, die abwechselnd in Deutschland und Frankreich stattfindet. Für jeden Ministerrat werden Schwerpunktthemen festgelegt, die in beiden Ländern für die Kooperation von Bedeutung sind. Initiativen, die bei einem Ministerrat auf den Weg gebracht werden, haben eine europäische Dimension und dienen dazu, die Zusammenarbeit auf höchster politischer Ebene effektiv zu koordinieren.

Von herausragender Bedeutung für die Zusammenarbeit sind die seit 2002 regelmäßig stattfindenden Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation. Ziel der Foren ist es, sich auf hochrangiger Ebene über forschungs- und innovationspolitische Strategien abzustimmen. Nach den Foren in Paris (2002), Potsdam (2005), Paris (2008) und Berlin (2011) fand das 5. Forum am 8. Dezember 2014 in Paris statt. Dort wurden Prioritäten der bilateralen Zusammenarbeit festgelegt: Informations- und Kommunikationstechnologien, Geistes- und Sozialwissenschaften und Energieforschung. Das für 2018 in Deutschland geplante Forschungsforum entwickelt unter anderem diese gemeinsamen Maßnahmen weiter. Auf europäischer Ebene liegen Schwerpunkte der Zusammenarbeit bei der Klimaforschung und im Bereich der nichtenergetischen Rohstoffe sowie bei der Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes.

Klima schützen und Energiesystem gemeinsam zukunftsfähig machen

Deutschland und Frankreich spielen eine entscheidende Rolle bei der Ausgestaltung der Energiewende in Europa. Beide Länder stehen dabei vor der großen Herausforderung, ihr Energiesystem grundlegend umzubauen. Das Ziel einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung kann nur durch länderübergreifende Anstrengungen erreicht werden. Daher steht zum Beispiel der Netzausbau ebenso wie die gemeinsame Entwicklung neuer Materialien auf dem gemeinsamen Forschungsprogramm.

Forschung für innovative und resiliente Gesellschaften

In der zivilen Sicherheitsforschung bestehen seit Jahren erfolgreiche Kooperationen beider Länder. Die Erforschung und Entwicklung neuer IT-Sicherheitslösungen ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit beider Länder und auf europäischer Ebene ein strategisch wichtiges Feld. Deutschland und Frankreich wollen hier verstärkt zusammenarbeiten, auch um die europäische Souveränität bei zentralen Schlüsseltechnologien, bei der Fähigkeit zur Sicherheitsanalyse und bei der Entwicklung verlässlicher Software-intensiver Systeme sicherzustellen.

Technologische Entwicklung und soziale Innovation gehen Hand in Hand. Bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen leisten deswegen die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften mit belastbaren Empfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einen wichtigen Beitrag und werden durch deutsch-französische Maßnahmen gezielt gefördert.

Gesundheit weltweit unterstützen

Infektionskrankheiten zählen zu den zentralen globalen Herausforderungen, für die die Forschung Lösungen anbieten will. Mit dem Kooperationsschwerpunkt der Infektionsforschung arbeiten Deutschland und Frankreich gemeinsam gegen die weltweite Bedrohung durch Infektionskrankheiten und flankieren Maßnahmen auf europäischer und multilateraler Ebene.

Austausch in der beruflichen Bildung

Bereits seit 1980 bestehen die Deutsch-Französische Expertenkommission für die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung und das Deutsch-Französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung (DFS), dem größten bilateralen Austauschprogramm des Bundesbildungsministeriums mit bislang mehr als 100.000 Teilnehmenden aus 50 verschiedenen Berufen.

Das Gruppenaustauschprogramm ermöglicht den Auszubildenden und den Lernenden in der Weiterbildung, einen Teil ihrer Ausbildung im Partnerland zu machen und somit andere Bildungsangebote in einem neuen soziokulturellen Umfeld wahrzunehmen. Über die gemeinsame Arbeit werden sprachliche Barrieren überwunden, so dass deutsche und französische Jugendliche und Erwachsene Kontakte knüpfen können. Von dem Erfahrungsaustausch profitieren auch die beteiligten Einrichtungen und Betriebe.

Deutsch-Französische Hochschule

Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) mit Sitz in Saarbrücken wurde 1997 durch die Regierungen beider Länder mit dem Weimarer Abkommen (Accord de Weimar) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die deutsch-französische Zusammenarbeit im Hochschul- und Forschungsbereich zu stärken. Das DFH-Netzwerk besteht aus rund 190 Partnerhochschulen in beiden Ländern, die binationale integrierte Studiengänge mit Doppelabschluss anbieten. Die DFH unterstützt außerdem die gemeinsame Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden und die Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seit ihrer Gründung zählt die DFH rund 16.000 Absolventinnen und Absolventen.

Centre Marc Bloch e.V.

Das deutsch-französische Forschungszentrum für Sozialwissenschaften Centre Marc Bloch wurde 1992 gegründet, um den Austausch der Wissenschaftskulturen beider Länder zu fördern. Heute ist es eine binational finanzierte Forschungseinrichtung mit gemeinsamer Organisationsstruktur. Das Zentrum betreibt interdisziplinär ausgerichtete Forschung und Nachwuchsförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein besonderes Merkmal ist die europäische Ausrichtung: Der deutsch-französische Kern dient als Basis für die Kooperation mit anderen Ländern, insbesondere mit Mittel- und Osteuropa. Dies drückt sich sowohl in den Themen als auch in der Auswahl der Forschenden sowie der Doktorandinnen und Doktoranden aus.