Deutschland und Indien: Partner in Bildung und Forschung

Seit Jahrzehnten arbeiten Deutschland und Indien in Bildung und Forschung zusammen. Vor allem in den letzten Jahren wurde die Partnerschaft sichtbar ausgebaut.

Taj Mahal in Agra
Taj Mahal in Agra © Thinkstock

Nach einigen Jahren mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum, hat die wirtschaftliche Entwicklung seit 2014 wieder an Fahrt aufgenommen und Indien drängt zurück in den Fokus des weltweiten Interesses. Die herausgehobene Bedeutung von Bildung und Forschung zur Erschließung seines enormen Potentials ist Indien bewusst und entsprechend strebt das Land ehrgeizig einen Rang unter den führenden Wissenschaftsnationen an. Deutschland steht seit vielen Jahren als zuverlässiger Partner an der Seite Indiens. Dies entspricht dem strategischen Ziel der Bundesregierung, die Zusammenarbeit gezielt mit Wachstumsmärkten zu stärken, die ihre Kompetenzen in Bildung und Forschung ausbauen.

Dialog als Grundlage

Die Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit werden in regelmäßigen Gesprächen auf Regierungsebene festgelegt. Traditionell sind Bildung und Forschung wichtiger Bestandteil der deutsch-indischen Regierungskonsultationen. Das vierte Treffen fand Ende Mai 2017 in Berlin statt.

Details der Zusammenarbeit werden während der regelmäßigen Treffen des Deutsch-Indischen Komitees für Wissenschaft und Technologie sowie in den parallelen Arbeitsgruppen für berufliche Bildung und universitäre Bildung unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und seinen indischen Partnerministerien festgelegt. Das bereits elfte Treffen des Komitees für Wissenschaft und Technologie fand ebenfalls im Mai 2017 in Berlin statt.

Ein breites Spektrum der Zusammenarbeit

Der Austausch von Studierenden sowie junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So hat sich seit 2006 die Anzahl indischer Studierender in Deutschland fast vervierfacht, so dass Indien mit 13.537 Studierenden mittlerweile Platz 2 in der Rangliste der Bildungsausländer in Deutschland belegt (Stand 2016). Um die Kooperation weiter auszubauen, wurde während der dritten Regierungskonsultationen eine „Deutsch-indische Partnerschaft in der Hochschulbildung“ beschlossen. Neben der Forschungszusammenarbeit werden hierdurch auch Maßnahmen auf der Ebene der Studierenden und Promovierenden unterstützt.

Die bilaterale Förderung von Forschungsprojekten ist eine weitere wichtige Säule der deutsch-indischen Zusammenarbeit. Thematisch liegen die Schwerpunkte der vom BMBF unterstützten Projekte derzeit bei den Materialwissenschaften, Biotechnologie, Gesundheitsforschung, Nachhaltigkeitsforschung, Produktionstechnologie, der zivilen Sicherheitsforschung und der Zukunftsstadt. Vielfach werden Projekte gefördert, die anwendungsnah sind und aus denen neue Innovationen entstehen sollen, die sowohl Deutschland als auch Indien nützen.

Hinzu kommen zahlreiche Aktivitäten der großen deutschen Forschungsorganisationen, welche dieses unmittelbar mit ihren indischen Partnern betreiben.

Die dritte Säule der Kooperation bildet die Vernetzung deutscher und indischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen durch Workshops, Konferenzen oder Fachdelegationsreisen. Die Förderung dient unter anderem der Planung gemeinsamer Forschungsprojekte.

Hinzu kommt eine intensive Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Indien hat auf diesem Gebiet große Bedarfe hat und sieht Deutschland als  wichtigen Partner bei der Reform seines Berufsbildungssystems. Gemeinsam werden zum Beispiel passende Angebote des deutschen Berufsbildungsexportes identifiziert und an den indischen Markt angepasst. Ein wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, die unter anderem durch die Außenstelle von iMOVE (International Marketing on Vocational Training) vor Ort in Neu-Delhi noch weiter ausgebaut  wird.

Bilaterale Innovationspartnerschaften

Im Jahr 2010 wurde das „Indo-German Science and Technology Centre" (IGSTC) in Gurgaon, nahe Neu-Delhi, eröffnet. Das Zentrum fördert anwendungsorientierte, innovative deutsch-indische Projekte unter Beteiligung exzellenter Forschungseinrichtungen sowie vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen aus beiden Ländern. Zudem unterstützt es die Vernetzung deutscher und indischer Wissenschaftler durch Workshops und Symposien. Das IGSTC ist in der internationalen Zusammenarbeit die einzige Einrichtung dieser Art für Deutschland und somit ein herausragendes Beispiel für die gemeinsame Erschließung von Innovationspotentialen.

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche deutsch-indische Zusammenarbeit ist das „Indo-German Center for Sustainability“ (IGCS), welches am Indian Institute of Technology Madras in Chennai angesiedelt ist. Hier forschen deutsche und indische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam zu den Themen Wassermanagement, Landnutzung, Abfallmanagement und Energie.