Deutschland und Indien: Partner in Bildung und Forschung

Die gute Zusammenarbeit in Forschung und Bildung gewinnt immer mehr an Fahrt. Das zeigten auch die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen.

Taj Mahal in Agra
Taj Mahal in Agra © Thinkstock

Nach einigen Jahren mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum, hat die wirtschaftliche Entwicklung seit 2014 wieder an Fahrt aufgenommen und Indien drängt zurück in den Fokus des weltweiten Interesses. Die herausgehobene Bedeutung von Bildung und Forschung zur Erschließung seines enormen Potentials ist Indien bewusst und entsprechend strebt das Land ehrgeizig einen Rang unter den führenden Wissenschaftsnationen an. Deutschland steht seit vielen Jahren als zuverlässiger Partner an der Seite Indiens. Dies entspricht dem strategischen Ziel der Bundesregierung, die Zusammenarbeit gezielt mit Wachstumsmärkten zu stärken, die ihre Kompetenzen in Bildung und Forschung ausbauen.

Dialog als Grundlage

Die Schwerpunkte der deutsch-indischen Zusammenarbeit werden in regelmäßigen Gesprächen auf Regierungsebene festgelegt. Traditionell sind Bildung und Forschung wichtiger Bestandteil dieser deutsch-indischen Regierungskonsultationen. Bei den dritten Konsultationen im Oktober 2015 in Delhi wurden zum Beispiel Vereinbarungen zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung, zur Intensivierung der Kooperation zwischen Hochschulen aus beiden Ländern sowie eine Verlängerung und ein Ausbau des „Indo-German Science and Technology Centre" (IGSTC) unterzeichnet.

Details der Zusammenarbeit werden während der regelmäßigen Treffen des Deutsch-Indischen Komitees für Wissenschaft und Technologie sowie in den parallelen Arbeitsgruppen für berufliche Bildung und universitäre Bildung unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und seinen indischen Partnerministerien festgelegt. Das letzte Treffen des Komitees für Wissenschaft und Technologie fand im November 2014 in Neu-Delhi statt.

Ein breites Spektrum der Zusammenarbeit

Der Austausch von Studierenden sowie junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So hat sich seit 2003 die Anzahl indischer Studierender in Deutschland verdoppelt, so dass Indien mit 7255 Studierenden mittlerweile Platz 4 in der Rangliste der Bildungsausländer in Deutschland belegt (Stand 2013). Um die Kooperation weiter auszubauen, wurde während der letzten Regierungskonsultationen eine „Deutsch-indische Partnerschaft in der Hochschulbildung“ beschlossen. Neben der Forschungszusammenarbeit werden hierdurch auch Maßnahmen auf der Ebene der Studierenden und Promovierenden unterstützt.

Die gemeinsame Förderung  von Forschungsprojekten ist eine weitere wichtige Säule der deutsch-indischen Zusammenarbeit. Thematisch liegen Schwerpunkte derzeit bei den Materialwissenschaften, Biotechnologie, Gesundheitsforschung, Nachhaltigkeitsforschung, Produktionstechnologie und der zivilen Sicherheitsforschung. Idealerweise werden solche Projekte gefördert, die anwendungsnah sind und aus denen neue Innovationen entstehen sollen, die sowohl Deutschland als auch Indien nützen.

Weitere Förderung kommt aus den Fachprogrammen des Forschungsministeriums sowie über das indisch-europäische Netzwerk INNO INDIGO, an dem sich das BMBF beteiligt. Hinzu  kommen zahlreiche Aktivitäten der großen deutschen Forschungsorganisationen, welche dieses unmittelbar mit ihren indischen Partnern betreiben.

Die dritte Säule der Forschungskooperation bildet die Vernetzung deutscher und indischer Wissenschaft über sogenannte Mobilitätsprojekte. Hier werden z.B. Workshops, Konferenzen oder Fachdelegationsreisen unterstützt. Die Förderung dient u.a. der Planung gemeinsamer Forschungsprojekte.

Hinzu kommt eine intensive Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Indien hat auf diesem Gebiet große Bedarfe hat und sieht Deutschland als  wichtigen Partner bei der Reform seines Berufsbildungssystems. Gemeinsam werden zum Beispiel passende Angebote des deutschen Berufsbildungsexportes identifiziert und an den indischen Markt angepasst. Ein wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, die unter anderem durch die Außenstelle von iMOVE (International Marketing on Vocational Training) vor Ort in Neu-Delhi noch weiter ausgebaut  wird.

Bilaterale Innovationspartnerschaften

Im Jahr 2010 wurde das „Indo-German Science and Technology Centre" (IGSTC) in Gurgaon, nahe Neu-Delhi, eröffnet. Das Zentrum fördert anwendungsorientierte, innovative deutsch-indische Projekte unter Beteiligung exzellenter Forschungseinrichtungen sowie kleiner und mittlerer Unternehmen aus beiden Ländern. Zudem unterstützt es die Vernetzung deutscher und indischer Wissenschaftler durch Workshops und Symposien. Das IGSTC ist in der internationalen Zusammenarbeit die einzige Einrichtung dieser Art für Deutschland und somit ein herausragendes Beispiel für die gemeinsame Erschließung von Innovationspotentialen.

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche deutsch-indische Zusammenarbeit ist das „Indo-German Center for Sustainability“ (IGCS), welches am Indian Institute of Technology Madras in Chennai angesiedelt ist. Hier forschen deutsche und indische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam zu den Themen Wassermanagement, Landnutzung, Abfallmanagement und Energie.