Deutschlandstipendium: "Talent trifft Förderung"

Namensbeitrag von Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, in der Zeitschrift "Der freie Beruf", Ausgabe November 2015

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Um freiberuflich tätig zu sein, braucht es ein hohes Maß an Eigeninitiative und viel Verantwortungsgefühl. Dank dieser Eigenschaften sind Freiberufler oftmals Impulsgeber für Innovationen in den verschiedensten Lebensbereichen. Um dieses Potenzial auch in Zukunft weiter ausschöpfen können, lohnt es sich, schon heute in die Fachkräfte von morgen zu investieren. Seit dem Jahr 2011 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Studierende mit dem Deutschlandstipendium. Es ist das bis heute größte öffentlich-private Stipendienprogramm. Junge Persönlichkeiten an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen erhalten unabhängig von ihrem Einkommen ein Stipendium von 300 Euro im Monat. Das Besondere: 150 Euro tragen private Förderer, wie Unternehmen, Privatpersonen oder Stiftungen. 150 Euro steuert der Bund bei. So ermöglichen Staat und Gesellschaft gemeinsam Bildungs- und Aufstiegschancen für junge Menschen. Mit Erfolg: Im letzten Jahr haben 22.500 Studierende ein Stipendium erhalten. Dafür haben die rund 6.700 Förderer 24 Millionen Euro aufgebracht. Seit dem Start des Programms flossen bereits über 60 Millionen Euro an privaten Mitteln in konkrete Stipendien. Für mich ist damit der Grundstein für eine neue Stipendienkultur in Deutschland gelegt.

Was mir besonders wichtig ist: Deutschlandstipendien werden auf Grundlage eines Leistungsbegriffs vergeben, dem nicht nur Noten zugrunde liegen, sondern auch soziales Engagement und die Überwindung biografischer Hürden. Wenn ich an Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten denke, sehe ich junge Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, dies selbst zugewandert oder geflohen sind, Bildungsaufsteiger, die sich ihren Weg an die Hochschule oft erkämpft haben, Frauen, die Studium und Familie unter einen Hut bringen, Studierende, die nebenher noch im elterlichen Betrieb mitarbeiten oder jene starke Persönlichkeiten, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen ein Studium aufgenommen haben. Kurzum: Beeindruckende junge Menschen, die bereit sind, etwas zu leisten. Ich finde, ihnen sollten Staat und Gesellschaft zeigen, dass sie dies sehen und zu würdigen wissen. Denn ein Gemeinwesen, das vom Engagement und der Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme seiner Bürgerinnen und Bürger lebt, sollte sich trauen, auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens Vorbilder zu haben und sie zu stärken. Genau das tun wir mit dem Deutschlandstipendium.

Viele Förderer haben mir bestätigt, dass sie in ihren Stipendiatinnen und Stipendiaten mehr als nur zukünftige Fach- und Führungskräfte erkennen. Ihnen bietet das Deutschlandstipendium die Möglichkeit, junge Menschen kennenzulernen, die ein hohes Maß an Fleiß, Zielstrebigkeit und Verantwortungsbereitschaft mitbringen. Sie profitieren auch ganz persönlich von diesem Austausch. Ein Berliner Unternehmensberater berichtete mir zum Beispiel, dass er durch den Austausch mit seiner Stipendiatin selbst viel lerne und sich dadurch sein Blick auf die eigenen Projekte und im Grunde das ganze Leben erweitert hat. Eine Privatdozentin aus Düsseldorf erzählte mir, dass sie und ihre Stipendiatin die Leidenschaften für den Sport und die Naturwissenschaften teilen.

Mit dem Deutschlandstipendium eröffnen wir den Stipendiatinnen und Stipendiaten finanzielle und zeitliche Freiräume. Diese investieren sie in ihr Studium oder nutzen sie, um sich in ihrer freien Zeit zu engagieren. Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten unterstützen zahlreiche ehrenamtliche Aktivitäten, Projekten und Initiativen, oder haben sie selbst ins Leben gerufen. Es handelt sich um Initiativen zur Integration von Asylsuchenden, Nachhilfeangebote oder Mentoring-Programme für Schülerinnen und Schüler aus nicht-akademischen Elternhäusern. Dies sind nur einige von vielen Beispielen für Leistungsbereitschaft und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein junger Menschen. Ich wünsche mir, dass es noch mehr werden und wir mit dem Deutschlandstipendium noch viele Macher und Vordenker der Zukunft unterstützen können.