Die eigenen Stärken als Sprungbrett nutzen

Vom Handwerk über die Industrie in die Wissenschaft: Das ist der Bildungsweg von Stefanie Schneider. Sie realisierte ihn dank des Aufstiegsstipendiums des BMBF, das Berufserfahrene im Hochschulstudium unterstützt – und dies seit nun zehn Jahren.

Keramikhandwerk und Produktgestaltung an der Hochschule: Auf den ersten Blick scheinen dies zwei weit auseinanderliegende Welten. Aber in der Bildungsbiografie von Stefanie Schneider verbinden sie sich auf einander bereichernde Weise. Es war eine lange Strecke, die sie vom Beginn der Ausbildung zur Keramikerin im Jahr 1999 bis zu ihrer aktuellen Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd zurücklegte – aber es war eine lohnenswerte. Ihren Weg vom Handwerk und Industrie in die Wissenschaft konnte Schneider auch dank eines Aufstiegsstipendiums gehen.

Im Rahmen des Jubiläumsfestaktes zum zehnjährigen Bestehen des Aufstiegsstipendiums stellte Stefanie Schneider ihre Bachelor-Arbeit vor. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Meister besuchte den Festakt und schaute sich auch Stefanie Schneiders Projekt an. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

So sehr sie ihr Beruf im Keramikbereich faszinierte, so klar sah sie nach etlichen Berufsjahren die Grenzen dieses Tätigkeitsfeldes. „Die Branche ist überschaubar“, so Stefanie Schneider. Sie wollte jedoch über den Tellerrand der Keramik hinwegschauen, Neues lernen. Da bot ihr ein Studium der Produktgestaltung die Chance, den Blick auf neue Horizonte zu lenken. Dank des Stipendiums sei ihr der Übergang aus dem Beruf in die Hochschule erleichtert worden. „Das Stipendium hat mir die Möglichkeit gegeben, mich stark auf das Studium zu konzentrieren.“ Die ideellen Angebote im Rahmen des Stipendiums halfen zusätzlich: Die Stipendiaten können an Fachtagungen und Seminaren teilnehmen und hier zum Beispiel Schreibtechniken erlernen. Außerdem bieten sich über eine Kommunikationsplattform und regionale Stipendiatengruppen Möglichkeiten zur Vernetzung. Schon in ihren früheren Berufsjahren seien Zusammenarbeit mit den Kollegen und Teamatmosphäre für Stefanie Schneider wichtig gewesen. Deshalb konnte ihr der Austausch mit Gleichgesinnten in der Stipendiatengruppe während des Studiums einen zusätzlichen Haltepunkt bieten.

Der Übergang zwischen Beruf und Studium hat sich auch deshalb fließend für sie gestaltet, weil sie nicht ganz auf das Arbeitsleben verzichten musste. Denn in das Studium war eine halbjährige Praxisphase eingebaut. Und mit der Zeit sei sie immer mehr in die Wissenschaft hineingewachsen: „Man steigert sich im Laufe der Semester.“ Der Blick auf Stefanie Schneiders Studienweg belegt ihre Aussage mit Fakten: Denn sie hat der Reiz der Wissenschaft schließlich so stark gepackt, dass sie nach ihrem Bachelorstudium gleich in die Forschung an der Hochschule ging.

Wissenschaftlich Arbeiten, um konkreten Nutzen für die Menschen zu schaffen

Heute arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zur nachhaltigen Raumgestaltung mit. „Es ist schön, dass ich mit dem Forschungsprojekt die Möglichkeit habe, in die Tiefe zu gehen und mich ganz anders mit Themen auseinanderzusetzen.“ Zusammen mit einem Kollegen sucht sie unter anderem Lösungen für eine nachhaltige Raumgestaltung im Kontext Schule. Hier ist themenübergreifendes und vernetztes Arbeiten gefragt. Es gelte, neue pädagogische Konzepte, die Besonderheiten der öffentlichen Beschaffung und Nachhaltigkeit auf verschiedenen Eben miteinander zu vereinen. Das geht nur, wenn man alle Beteiligten mit ins Boot holt. Deshalb bauen Stefanie Schneider und ihr Kollege auf die Zusammenarbeit mit Experten aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen und mit Möbelherstellern.

Es mache den Reiz der Forschung aus, verschiedene Standpunkte zu betrachten und Ansätze zu verknüpfen, so Stefanie Schneider. Sie hat dabei eine klare Antriebsfeder: „Es ist eine tolle Perspektive, dass hier handfeste Resultate entstehen.“ Dann ergänzt sie: „Ich komme eben aus dem Handwerk.“

Und da scheint dann plötzlich wieder ihre Nähe und Neigung zum handwerklichen Arbeiten hervor. Auch in der Keramikbranche geht es darum, am Ende ein möglichst gutes und passendes Produkt zu schaffen. Ein ähnlich fokussiertes Denken kommt ihr heute, im wissenschaftlichen Arbeiten, zugute. Denn sie legt in ihrer Forschung Wert darauf, dass ihre Ideen und Entwicklungen alltagsdienlich sind. Ihr Ziel ist es, Dinge so zu gestalten, dass sie ganz konkret helfen und nachhaltig wirken. „Irgendwann kommt der Punkt, an dem man Modelle bauen muss, an dem Ideen konkret umgesetzt werden müssen.“ Dieser Fokus helfe, sich selber zu erden und aus dem Abstrakten des wissenschaftlichen Denkens wegzukommen.

Großer Erfahrungsschatz durch die Berufstätigkeit in der Keramikbranche

Diese Grundhaltung bildet heute die Basis ihres erfolgreichen Arbeitens an der Hochschule. Dazu kommen ein großer Erfahrungsschatz und Kompetenzen, die sie sich im Laufe der Berufsjahre angeeignet hat. Ihr Weg in der Keramikbranche führte sie über die Ausbildung zur Keramikerin und Weiterbildung zur Keramikgestalterin in verantwortliche Positionen in verschiedenen Unternehmen. Unter anderem arbeitete sie in der keramischen Entwicklung an Produkten von der ersten Idee bis zur gestalterischen Umsetzung oder kümmerte sich um Sonderanfragen in einer Manufaktur, die zum Beispiel Mosaike anfertigte.

Kommunikation, Teamarbeit, Vernetzung in organisatorischer Hinsicht und das Finden von kreativen Wegen und Lösungen für Herausforderungen auf inhaltlicher Ebene – immer verknüpft mit Offenheit für Neues und Gestaltungsfreude. All dies prägte sich im Laufe der Jahre aus und all dies sind Fähigkeiten, die Stefanie Schneider heute in ihrer wissenschaftlichen Arbeit dienlich sind.

Der Bildungsweg von Stefanie Schneider zeigt: Handwerk, Industrie und Wissenschaft sind verschiedene Welten. Doch es gibt Aspekte, die in all diesen Welten wichtig sind, die sich miteinander ergänzen und bereichern und die vereint zu spannenden Bildungs- und Berufsbiografien führen. Und Stefanie Schneiders Weg zeigt auch, dass es sich lohnt, sich auf lebenslanges Lernen und Weiterqualifikation einzulassen.

Das Aufstiegsstipendium

Mit dem Aufstiegsstipendium fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit zehn Jahren Berufserfahrene bei einem ersten akademischen Hochschulstudium. Wer nach einer Berufsausbildung und mehreren Jahren im Beruf studieren möchte, kann sich dafür bewerben. Jährlich werden ca. 1000 Aufstiegsstipendien vergeben. 60 Prozent der Stipendiaten studieren an einer Fachhochschule. 40 Prozent nutzen die nur bei diesem Förderprogramm bestehende Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren. Und zwei Drittel studieren „ohne Abitur“, haben sich also die Berechtigung, zu studieren, während oder nach der Ausbildung, erarbeitet. Seit der Einführung des Programms 2008 hat das BMBF für das Programm mehr als 190 Millionen Euro aufgewendet.