Die Exzellenzstrategie

Die Exzellenzstrategie stärkt die universitäre Spitzenforschung. Sie umfasst die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Zum ersten Mal nutzen Bund und Länder den verfassungsrechtlichen Spielraum, den der neue Artikel 91b GG bietet.

Für die besten Universitäten des Landes: Mit der Exzellenzstrategie werden Hochschulen mit jährlich 533 Millionen Euro gefördert. Anders als ihre Vorgängerin, die Exzellenzinitiative, ist sie nicht befristet, sondern auf Dauer angelegt. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die „Exzellenzstrategie“ ist auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Das Gesamtprogramm ist im Jahr 2017 mit 80 Millionen Euro sowie ab 2018 mit jährlich insgesamt 533 Millionen Euro dotiert. Die Mittel sollen vom Bund und den jeweiligen Sitzländern im Verhältnis 75:25 getragen werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat führen das wissenschaftsgeleitete Begutachtungs- und Auswahlverfahren durch.

Die gemeinsame Förderung in der Exzellenzstrategie umfasst die wissenschaftsbezogenen Aktivitäten der erfolgreichen Universitäten und ihrer Kooperationspartner in Fällen überregionaler Bedeutung in zwei Förderlinien:

Exzellenzcluster

Mit diesem Instrument sollen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünden projektbezogen gefördert werden.

Exzellenzcluster werden regelmäßig alle sieben Jahre ausgeschrieben. Die jeweilige Förderlaufzeit beträgt grundsätzlich zweimal sieben Jahre; Neuanträge sind möglich. Sie können auch im selben thematischen Forschungsfeld angesiedelt sein. Neu- und Fortsetzungsanträge werden in Panels begutachtet und vergleichend bewertet, über sie wird jeweils gemeinsam entschieden.

Universitäten mit Exzellenzclustern können eine Universitätspauschale als Strategiezuschlag zur Stärkung ihrer Governance und strategischen Ausrichtung beantragen. Sie beträgt pro Exzellenzcluster jährlich eine Million Euro. Hat eine Universität mehrere Exzellenzcluster, beträgt die Universitätspauschale beim zweiten Exzellenzcluster 750.000 Euro und für jedes weitere Cluster 500.000 Euro. Im Falle einer Förderung als Exzellenzuniversität gilt die Universitätspauschale als abgegolten und entfällt.

Für Exzellenzcluster werden Fördermittel in Höhe von rund 385 Mio. Euro jährlich (einschl. Programm- und Universitätspauschale) vorgesehen. Es werden für 45 bis 50 Förderfälle Mittel zwischen jeweils drei bis 10 Millionen Euro jährlich pro Exzellenzcluster veranschlagt. DFG und Wissenschaftsrat werden gebeten, im gesamten Verfahren Sorge zu tragen, dass die Besonderheiten der Fächer angemessen berücksichtig werden, und darauf hinzuwirken, dass die Bandbreite der Förderhöhe von jährlich 3 bis 10 Millionen Euro ausgeschöpft wird und auch kleinere Anträge gestellt und gefördert werden. Die Förderhöhen sollen so bemessen werden, dass die vorgesehenen 45 bis 50 Förderfälle möglich werden.

Exzellenzuniversitäten

Diese Förderlinie dient der Stärkung der Universitäten beziehungsweise eines Verbundes von Universitäten als Institution und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung auf Basis erfolgreicher Exzellenzcluster. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert.

Die Förderung als Exzellenzuniversität setzt die Bewilligung von mindestens zwei Exzellenzclustern an derselben Universität, bei Verbünden mindestens drei Exzellenzclustern, voraus. Im Rahmen eines schlanken, wissenschaftsgeleiteten Auswahlverfahrens sind bisherige exzellente Forschungsleistungen und ein strategisches, institutionenbezogenes Gesamtkonzept maßgebliche Bewertungskriterien.

Die Anwendung des Artikel 91b GG für diese Förderlinie verbindet die dauerhafte Perspektive mit einer regelmäßigen Überprüfung der Fördervoraussetzungen, nämlich der notwendigen Exzellenzcluster, die in einem wettbewerblichen Verfahren zusammen mit den anderen Exzellenzclustern alle sieben Jahre erfolgt, als auch einer unabhängigen, externen Evaluation der strategischen Leistungen. Werden die Fördervoraussetzungen nicht erbracht, so scheidet die Exzellenzuniversität aus der gemeinsamen Förderung aus. Dann ist eine Ausschreibung für Neuanträge vorgesehen.

Für die Förderung von Exzellenzuniversitäten werden jährliche Mittel von rund 148 Millionen. Euro vorgesehen. DFG und Wissenschaftsrat werden gebeten, im gesamten Verfahren Sorge zu tragen, dass exzellente Anträge kleiner Universitäten angemessen berücksichtigt werden, und darauf hinzuwirken, dass die Bandbreite der Förderhöhe von jährlich 10 bis 15 Millionen Euro für Anträge einzelner Universitäten und rund 15 bis 28 Mio. Euro für Anträge von Universitätsverbünden ausgeschöpft wird.

In der Vereinbarung Exzellenzstrategie ist Dynamik verankert. Das heißt, dass Universitäten in die Exzellenzriege aufsteigen können. Wir haben jetzt beste Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Deutschland in der ersten Liga der internationalen Spitzenforschung seine Position weiter ausbauen kann.

Johanna Wanka, Bundesbildungsministerin

Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder unterstrichen mit ihrem Beschluss am 16. Juni 2016, dass die Evaluation der Exzellenzuniversitäten einen selektiven Charakter hat. Nur für Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünde, die das Förderziel des Ausbaus ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung erreicht und den Nachweis herausragender wissenschaftlicher Leistungen im internationalen Maßstab erbracht haben, gelten die Voraussetzungen einer gemeinsamen Förderung als weiterhin erfüllt und wird die Förderung fortgesetzt.

Außerdem müssen die Exzellenzuniversitäten regelmäßig alle sieben Jahre im Wettbewerb mit Neuanträgen die notwendigen zwei bzw. bei Verbünden drei Exzellenzcluster erfolgreich neu einwerben. Angesichts dieses dynamischen, von strengem wissenschaftlichem Wettbewerb geleiteten Verfahrens sind auch in Zukunft Neuausschreibungen für Exzellenzuniversitäten zu erwarten.

In der ersten Ausschreibungsrunde werden bei Erfolg im wettbewerblichen Verfahren elf Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde gefördert. Falls nach der ersten Evaluation in 2025 weniger als vier Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde aus der dauerhaften gemeinsamen Förderung ausscheiden, wird durch die einmalige Erhöhung der Zahl der Förderfälle sichergestellt, dass bei Erfolg im wettbewerblichen Verfahren vier neue Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde in die Förderung aufgenommen werden. Gegebenenfalls sind dafür zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das Wichtigste in Kürze:

Warum wird Spitzenforschung gefördert?

Ohne Forschung und Entwicklung gibt es keine Innovationen und keinen wirtschaftlichen Fortschritt; ohne neues unvoreingenommenes Wissen keine gesellschaftliche Entwicklung. Öffentlich geförderte Grundlagenforschung, z. B. an Universitäten, stellt den ersten wichtigen Schritt in der Innovationskette dar. Ohne universitäre Spitzenforschung nimmt die innovative Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ab. Je exzellenter die universitäre Forschung, desto innovierender das unternehmerische Umfeld. Im Rahmen universitärer Forschungsprojekte werden Fachkräfte ausgebildet, die auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigt werden. International sichtbare Spitzenforschung - nicht nur in den Max Planck Instituten, sondern wegen ihrer besonderen Bedeutung im Wissenschaftssystem auch an Universitäten - ist für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entscheidend.

Was ist die Exzellenzstrategie?

Mit der Exzellenzstrategie wollen Bund und Länder erreichen, dass deutsche Universitäten im internationalen Wettbewerb noch besser werden und wissenschaftliche Spitzenleistungen erbringen. Solche Leuchttürme in der Forschung strahlen auf die gesamte Universitätslandschaft ab, so profitiert der Hochschul- und Forschungsstandort Deutschland auch in der Breite. Die Evaluation der Exzellenzinitiative, dem Vorgänger der Exzellenzstrategie, hat diesen Effekt bestätigt. Deshalb stellen Bund und Länder ab 2018 jährlich 533 Millionen Euro dauerhaft zur Verfügung, um diese positive Entwicklung unserer Universitäten fortzuführen.

An wen richtet sich die Exzellenzstrategie?

Wichtiges übergeordnetes Ziel der Exzellenzstrategie ist die Stärkung der Universitäten. Daher kann nur eine einzelne Universität oder ein Verbund mehrerer Universitäten einen Antrag stellen. Weitere Kooperationspartner wie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen, Unternehmen und andere gesellschaftliche Akteure können aber selbstverständlich einbezogen werden.

Wer entscheidet, welche Universitäten gefördert werden?

Die Exzellenzkommission entscheidet auf Basis der Empfehlungen des Expertengremiums über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.

Das Expertengremium besteht aus insgesamt 39 in der Forschung auf verschiedenen Wissenschaftsgebieten ausgewiesenen Expertinnen und Experten, die auch über langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft verfügen.

Die Exzellenzkommission besteht aus dem Expertengremium und den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Der Vorsitz des Expertengremiums führt auch den Vorsitz in der Exzellenzkommission, in der die Seite der Wissenschaft die Stimmenmehrheit hat.

Was ist ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren?

Ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren steht für eine Bestenauslese auf Grund der wissenschaftlichen Qualität, für eine wissenschaftliche Begutachtung durch international ausgewiesene Sachverständige mit den erforderlichen fachlichen Kompetenzen. Ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren muss die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und Befangenheitsregeln berücksichtigen. Auswahlkriterien und die Regeln des Wettbewerbs müssen transparent und nachvollziehbar sein. Ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren steht für eine Gleichbehandlung der Fächer.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V. (DFG) führt das wissenschaftsgeleitete Verfahren für die Förderlinie der Exzellenzcluster, der Wissenschaftsrat das Verfahren für die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten durch.

Wann startet die Exzellenzstrategie?

Am 20./21. September 2016 hat sich das Expertengremium zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen und die Förderbedingungen unter Beachtung der maßgeblichen Kriterien der Verwaltungsvereinbarung festgelegt. Weitere Informationen wie zum Beispiel der Zeitplan für das nun laufende Verfahren finden sich auf www.dfg.de und www.wissenschaftsrat.de.

Was ist ein Exzellenzcluster?

In den Exzellenzclustern werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten bzw. Universitätsverbünden projektbezogen gefördert.

Was ist eine Exzellenzuniversität?

Die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten dient der Stärkung der Universitäten als Institution bzw. einem Verbund von Universitäten und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Hier erfolgt eine dauerhafte Förderung. Voraussetzung einer Förderung als Exzellenzuniversität ist die Förderung von mindestens zwei Exzellenzclustern (bei Universitätsverbünden mindestens drei).

Woher kommt das Geld und was machen die Universitäten damit?

75 Prozent der Mittel kommen vom Bund und 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland. Mit dem Geld können in den beiden Förderlinien „Exzellenzcluster“ und „Exzellenzuniversitäten“ wissenschaftsbezogenen Aktivitäten gefördert werden.

Sind kleinere Universitäten nicht im Nachteil im Wettbewerb um die Förderung?

Nein, bestimmte Disziplinen, Größen oder Kooperationsformen sind weder bevorteilt noch benachteiligt.

In der Exzellenzstrategie haben Bund und Länder für die Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten Förderbrandbreiten von antragsabhängigen Förderhöhen veranschlagt, die auch kleinere Anträge ermöglichen sollen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat DFG und Wissenschaftsrat ausdrücklich darum gebeten, im gesamten Verfahren darauf hinzuwirken, dass die Bandbreite der Förderhöhen ausgeschöpft wird.

Was hat der normale Studierende von der Exzellenzinitiative? Wo bleibt die Lehre?

Alle Hochschulen profitieren, wenn Deutschland als international wettbewerbsfähiger und herausragender Wissenschaftsstandort wahrgenommen wird. Zusätzlich finanzierte Stellen bedeuten in der Regel auch ein zusätzliches Lehrangebot für Studierende. Die neue Vereinbarung enthält zudem differenzierte Fördermöglichkeiten, welche die Universitäten in der Ausbildung fachlicher und strategischer Profile unterstützen sollen, die neben der Forschung auch akzessorische Leistungsbereiche wie zum Beispiel die forschungsorientierte Lehre einbeziehen können.

Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung die Lehre mit anderen zielgerichteten Maßnahmen. Allein für zusätzliche Studienanfänger stellt der Bund im Hochschulpakt über 20 Milliarden Euro von 2007 bis 2023 bereit. Zusätzlich stehen vom Bund im Qualitätspakt Lehre rund 2 Mrd. Euro für die Verbesserung der Hochschullehre zur Verfügung.

Was passiert mit den Universitäten/Projekten, die mit der Exzellenzinitiative gefördert wurden?

Die Projekte im Rahmen der Exzellenzinitiative laufen noch bis Oktober 2017. Danach greift die auf höchstens 24 Monate begrenzte Überbrückungsfinanzierung entweder bis zum Start einer Neuförderung im Rahmen der Exzellenzstrategie oder bis die 24 Monate abgelaufen sind.