Die Exzellenzstrategie

Mit der Exzellenzstrategie stärken Bund und Länder die universitäre Spitzenforschung. Gefördert werden Exzellenzcluster zu bestimmten Forschungsfeldern und Exzellenzuniversitäten als strategische Unterstützung herausragender Universitätsstandorte.

Universitäre Spitzenforschung: Die Exzellenzstrategie umfasst die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Im Jahr 2016 haben sich Bund und Länder darauf verständigt, die Spitzenforschung an deutschen Universitäten mit einem neuen Förderprogramm zu unterstützen. Ziel ist dabei insbesondere, den deutschen Wissenschaftsstandort im internationalen Wettbewerb nachhaltig zu stärken. Die Förderung soll wissenschaftliche Spitzenleistungen ermöglichen, die Profile der Universitäten schärfen und zu noch stärkerer Vernetzung und Kooperation im Wissenschaftssystem anregen. So verbindet die Exzellenzstrategie die Förderung von Spitzenforschung mit langfristigen und strategischen Investitionen im Hochschulsystem.

Die neue Exzellenzstrategie baut dabei auf ihr Vorgängerprogramm auf – die Exzellenzinitiative der Jahre 2007 bis 2017. Diese hat zu herausragenden Forschungsleistungen beigetragen. Zudem hat sie die Zusammenarbeit von Universitäten mit außeruniversitären Partnern gestärkt und zu einer zunehmenden Vernetzung deutscher Universitäten mit Hochschulen auf der ganzen Welt geführt. Diese Entwicklung findet weltweit Beachtung: Immer mehr Forscherinnen und Forscher zieht es aus dem Ausland nach Deutschland. Andere Länder haben eigene Programme nach dem Vorbild der Exzellenzinitiative ins Leben gerufen. Von der gewachsenen internationalen Sichtbarkeit profitiert die gesamte deutsche Hochschullandschaft. Diese positive Dynamik der vergangenen Jahre soll die neue Exzellenzstrategie erhalten und ausbauen.

Die Exzellenzstrategie besteht aus zwei Teilen, sogenannten Förderlinien: Den Exzellenzclustern und den Exzellenzuniversitäten.

Exzellenzcluster

Mit den „Exzellenzclustern“ werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünden projektbezogen gefördert. In den Exzellenzclustern arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Institutionen an einem Forschungsvorhaben zusammen. Die Förderung gibt ihnen die Möglichkeit, sich intensiv auf ihr Forschungsziel zu konzentrieren, wissenschaftliche Nachwuchskräfte auszubilden und internationale Spitzenkräfte zu rekrutieren. Universitäten mit Exzellenzclustern können außerdem eine „Universitätspauschale“ als Strategiezuschlag zur Stärkung ihrer Organisation und strategischen Ausrichtung beantragen.

Exzellenzcluster werden für die Dauer von sieben Jahren gefördert. Eine zweite Förderperiode von wiederum sieben Jahren ist möglich. Die Förderlinie wird regelmäßig alle sieben Jahre ausgeschrieben.

Exzellenzuniversitäten

Die Förderlinie „Exzellenzuniversität“ dient der Stärkung der Universitäten beziehungsweise eines Verbundes von Universitäten als Institution und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Um sich als Exzellenzuniversität bewerben zu können, müssen Universitäten mindestens zwei, als Universitätsverbünde mindestens drei Exzellenzcluster eingeworben haben. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, müssen sich aber alle sieben Jahre einer Überprüfung der Fördervoraussetzungen stellen. Außerdem müssen Exzellenzuniversitäten regelmäßig alle sieben Jahre im Wettbewerb mit Neuanträgen die für die Förderung notwendige Anzahl von Exzellenzclustern erfolgreich neu einwerben.

Die Auswahl der Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten geschieht auf Grundlage von rein wissenschaftsgeleiteten Auswahlverfahren. Diese Verfahren werden im Auftrag von Bund und Ländern von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat durchgeführt.

Am 27. September 2018 sind die ersten Förderentscheidungen in der Exzellenzstrategie gefallen: Eine Kommission aus internationalen Expertinnen und Experten sowie den Wissenschaftsministerinnen und -ministern von Bund und Ländern hat 57 Exzellenzcluster für die Förderung ab dem 1. Januar 2019 ausgewählt. Das vorangegangene wissenschaftsgeleitete Auswahlverfahren für die Exzellenzcluster dauerte fast zwei Jahre und hatte mit 195 Antragsskizzen begonnen.

Mit der Auswahl der Exzellenzcluster ist zugleich der zweite Teil der Exzellenzstrategie eingeleitet worden. Universitäten mit mindestens zwei oder im Verbund drei Exzellenzclustern können sich bis Ende 2018 als Exzellenzuniversität bewerben. Die Förderentscheidungen für die Exzellenzuniversitäten fallen am 19. Juli 2019. Ab November 2019 sollen bis zu elf Exzellenzuniversitäten bzw. Exzellenzverbünde gefördert werden.

Bund und Länder stellen für die Exzellenzstrategie ab 2018 jährlich rund 533 Millionen Euro bereit. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland des Exzellenzclusters bzw. der Exzellenzuniversität. Auf die Exzellenzcluster entfallen davon rund 385 Millionen Euro im Jahr. Die Exzellenzuniversitäten werden insgesamt mit rund 148 Millionen Euro jährlich gefördert.

Das Wichtigste in Kürze:

Warum wird Spitzenforschung gefördert?

Ohne Forschung und Entwicklung gibt es keine Innovationen und keinen wirtschaftlichen Fortschritt; ohne neues unvoreingenommenes Wissen keine gesellschaftliche Entwicklung. Öffentlich geförderte Grundlagenforschung, z. B. an Universitäten, stellt den ersten wichtigen Schritt in der Innovationskette dar. Ohne universitäre Spitzenforschung nimmt die innovative Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ab. Je exzellenter die universitäre Forschung, desto innovierender das unternehmerische Umfeld. Im Rahmen universitärer Forschungsprojekte werden Fachkräfte ausgebildet, die auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigt werden. International sichtbare Spitzenforschung - nicht nur in den Max Planck Instituten, sondern wegen ihrer besonderen Bedeutung im Wissenschaftssystem auch an Universitäten - ist für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entscheidend.

Was ist die Exzellenzstrategie?

Mit der Exzellenzstrategie wollen Bund und Länder erreichen, dass deutsche Universitäten im internationalen Wettbewerb noch besser werden und wissenschaftliche Spitzenleistungen erbringen. Solche Leuchttürme in der Forschung strahlen auf die gesamte Universitätslandschaft ab, so profitiert der Hochschul- und Forschungsstandort Deutschland auch in der Breite. Die Evaluation der Exzellenzinitiative, dem Vorgänger der Exzellenzstrategie, hat diesen Effekt bestätigt. Deshalb stellen Bund und Länder ab 2018 jährlich 533 Millionen Euro dauerhaft zur Verfügung, um diese positive Entwicklung unserer Universitäten fortzuführen.

An wen richtet sich die Exzellenzstrategie?

Wichtiges übergeordnetes Ziel der Exzellenzstrategie ist die Stärkung der Universitäten. Daher kann nur eine einzelne Universität oder ein Verbund mehrerer Universitäten einen Antrag stellen. Weitere Kooperationspartner wie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen, Unternehmen und andere gesellschaftliche Akteure können aber selbstverständlich einbezogen werden.

Wer entscheidet, welche Universitäten gefördert werden?

Die Exzellenzkommission entscheidet auf Basis der Empfehlungen des Expertengremiums über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.

Das Expertengremium besteht aus insgesamt 39 in der Forschung auf verschiedenen Wissenschaftsgebieten ausgewiesenen Expertinnen und Experten, die auch über langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft verfügen.

Die Exzellenzkommission besteht aus dem Expertengremium und den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Der Vorsitz des Expertengremiums führt auch den Vorsitz in der Exzellenzkommission, in der die Seite der Wissenschaft die Stimmenmehrheit hat.

Was ist ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren?

Ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren steht für eine Bestenauslese auf Grund der wissenschaftlichen Qualität, für eine wissenschaftliche Begutachtung durch international ausgewiesene Sachverständige mit den erforderlichen fachlichen Kompetenzen. Ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren muss die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und Befangenheitsregeln berücksichtigen. Auswahlkriterien und die Regeln des Wettbewerbs müssen transparent und nachvollziehbar sein. Ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren steht für eine Gleichbehandlung der Fächer.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V. (DFG) führt das wissenschaftsgeleitete Verfahren für die Förderlinie der Exzellenzcluster, der Wissenschaftsrat das Verfahren für die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten durch.

Wann startet die Exzellenzstrategie?

Am 20./21. September 2016 hat sich das Expertengremium zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen und die Förderbedingungen unter Beachtung der maßgeblichen Kriterien der Verwaltungsvereinbarung festgelegt. Weitere Informationen wie zum Beispiel der Zeitplan für das nun laufende Verfahren finden sich auf www.dfg.de und www.wissenschaftsrat.de.

Was ist ein Exzellenzcluster?

In den Exzellenzclustern werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten bzw. Universitätsverbünden projektbezogen gefördert.

Was ist eine Exzellenzuniversität?

Die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten dient der Stärkung der Universitäten als Institution bzw. einem Verbund von Universitäten und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Hier erfolgt eine dauerhafte Förderung. Voraussetzung einer Förderung als Exzellenzuniversität ist die Förderung von mindestens zwei Exzellenzclustern (bei Universitätsverbünden mindestens drei).

Woher kommt das Geld und was machen die Universitäten damit?

75 Prozent der Mittel kommen vom Bund und 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland. Mit dem Geld können in den beiden Förderlinien „Exzellenzcluster“ und „Exzellenzuniversitäten“ wissenschaftsbezogenen Aktivitäten gefördert werden.

Sind kleinere Universitäten nicht im Nachteil im Wettbewerb um die Förderung?

Nein, bestimmte Disziplinen, Größen oder Kooperationsformen sind weder bevorteilt noch benachteiligt.

In der Exzellenzstrategie haben Bund und Länder für die Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten Förderbrandbreiten von antragsabhängigen Förderhöhen veranschlagt, die auch kleinere Anträge ermöglichen sollen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat DFG und Wissenschaftsrat ausdrücklich darum gebeten, im gesamten Verfahren darauf hinzuwirken, dass die Bandbreite der Förderhöhen ausgeschöpft wird.

Was hat der normale Studierende von der Exzellenzinitiative? Wo bleibt die Lehre?

Alle Hochschulen profitieren, wenn Deutschland als international wettbewerbsfähiger und herausragender Wissenschaftsstandort wahrgenommen wird. Zusätzlich finanzierte Stellen bedeuten in der Regel auch ein zusätzliches Lehrangebot für Studierende. Die neue Vereinbarung enthält zudem differenzierte Fördermöglichkeiten, welche die Universitäten in der Ausbildung fachlicher und strategischer Profile unterstützen sollen, die neben der Forschung auch akzessorische Leistungsbereiche wie zum Beispiel die forschungsorientierte Lehre einbeziehen können.

Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung die Lehre mit anderen zielgerichteten Maßnahmen. Allein für zusätzliche Studienanfänger stellt der Bund im Hochschulpakt über 20 Milliarden Euro von 2007 bis 2023 bereit. Zusätzlich stehen vom Bund im Qualitätspakt Lehre rund 2 Mrd. Euro für die Verbesserung der Hochschullehre zur Verfügung.

Was passiert mit den Universitäten/Projekten, die mit der Exzellenzinitiative gefördert wurden?

Die Projekte im Rahmen der Exzellenzinitiative laufen noch bis Oktober 2017. Danach greift die auf höchstens 24 Monate begrenzte Überbrückungsfinanzierung entweder bis zum Start einer Neuförderung im Rahmen der Exzellenzstrategie oder bis die 24 Monate abgelaufen sind.