"Die internationale Atmosphäre begeistert mich"

10 Jahre Wolfgang-Gentner-Stipendienprogramm: Der Stipendiat Johannes Leidner über die Arbeit mit Weltklasse-Experten am CERN, die Entwicklung von Detektoren für Strahlentherapie und seine Berufsaussichten als Physiker. Ein Interview mit bmbf.de.

Johannes Leidner ist Doktorand im Gentner-Stipendienprogramm am CERN. © privat

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Wolfgang-Gentner-Doktorandenprogramm am CERN feiert Geburtstag. Einer der Stipendiaten ist Johannes Leidner. Der 26-jährige studierte Physik an der RWTH Aachen, bevor er im Februar 2016 am CERN sein Stipendium aufnahm.

bmbf.de: Wie sind Sie auf das Gentner-Programm aufmerksam geworden?

Johannes Leidner: Ich habe als Schüler ein zweiwöchiges Praktikum am CERN gemacht. Schon damals war ich von der internationalen Atmosphäre und von der Physik am CERN begeistert. Durch Zufall habe ich dann Michael Hauschild Jahre später auf einer Konferenz getroffen, der das Gentner-Programm am CERN koordiniert. Er erzählte mir, dass es auch Promotionsstellen für Medizinphysik gibt. Darauf hatte ich mich während meines Studiums ein bisschen spezialisiert. Und so bin ich über das Gentner-Programm wieder zum CERN gekommen.

Inwieweit sind Ihre Erwartungen bisher erfüllt worden?

Meine Erwartungen sind in vieler Weise erfüllt worden. Ich schätze die internationale Atmosphäre und den wissenschaftlichen Level am CERN sehr. Hier gibt es Fachexperten für alle erdenklichen Probleme. Wenn ich zum Beispiel eine Frage zu Detektoren habe, kann ich mich direkt mit einem sehr guten Experten treffen. Außerdem macht die Arbeit hier Spaß. Das habe ich mir auch erhofft.

Woran arbeiten Sie?

27 Kilometer lang und bis zu 175 Meter unter der Erde: Der LHC am CERN ist der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. © cern

Ich bin hier am CERN in der Strahlenschutzgruppe tätig, im Bereich Detektorentwicklung. Detektoren sind Nachweisgeräte für bestimmte Eigenschaften. Ich nutze die Detektoren für die Qualitätskontrolle in der Strahlentherapie mit Protonen und Kohlenstoffionen. Denn bevor Patienten bestrahlt werden können, müssen die Strahlen unter Kontrolle sein. Das bedeutet auch, dass der Beschleuniger genau das macht, was ich von ihm verlange. Deshalb gibt es Qualitätskontrollen mit verschiedenen Aufbauten oder verschiedenen Detektoren. Die Grundlage meiner Arbeit bildet ein am CERN entwickelter Detektor namens „GEMPix. Ich schaue, was ich noch verbessern kann und inwieweit er sich für die Anwendung eignet.

Was ist für Sie das Besondere am CERN?

Das CERN bietet insgesamt riesige Möglichkeiten. Dazu zählen der direkte Kontakt zu Weltklasse-Experten im Arbeitsalltag und der fachliche Austausch auf Konferenzen. Die internationale Atmosphäre ist wirklich auch etwas, was mich begeistert. Ich komme hier mit Leuten aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen. Diese Mischung aus verschiedenen Kulturen begeistert mich wirklich.

Welche Berufschancen versprechen Sie sich?

Ich hoffe natürlich die besten. Ich denke aber, dass ich durch die Arbeit in der CERN-Gruppe sehr gute Berufschancen habe. Aus den Statistiken konnte ich entnehmen, dass sehr viele Gentner-Doktoranden im Anschluss gute Arbeitsstellen gefunden haben. Ich kann mir sowohl eine Zukunft in der Forschung, zum Beispiel am CERN, oder an einer Universität vorstellen. Ich bin aber genauso für Stellen in der Industrie offen.

Inwieweit bietet sich ein Technologietransfer in die Industrie an?

Es ist ein sehr gutes Thema für den Technologietransfer, weil verschiedene Firmen sich mit der Qualitätssicherung in der Strahlentherapie beschäftigen. Die derzeit verwendeten Detektoren werden industriell hergestellt. Das Besondere am unserem Detektor ist eine genaue Ortsauflösung. Der Protonen- beziehungsweise Kohlenstoffionenstrahl hat eine bestimmte Ausdehnung, dieses Strahlenprofil lässt sich mit den meisten Detektoren nicht so präzise auflösen. Wir fügen also eine weitere Überprüfungskomponente zum Schutz der Patienten dazu.

Was können Interessierte tun, um die Chancen auf einen Platz im Gentner-Programm zu verbessern?

Grundvoraussetzung, um an dem Gentner-Programm teilzunehmen, ist die Zugehörigkeit zu einer deutschen Universität. Ich kann jedem Interessenten deshalb nur empfehlen, vorab einen Professor zu suchen, welcher das Projekt betreut. Parallel ist es für die Bewerbung hilfreich, sich vorher konkrete Gedanken über ein mögliches Projekt zu machen. Außerdem ist es wichtig, bereits den Kontakt zu einer CERN-Gruppe herzustellen, bei welcher sich das Projekt durchführen lässt. Wenn diese drei Aspekte erfüllt sind, dann sind die Chancen auf einen Platz sehr gut.