Die Luft wird wieder sauberer

Energie und Wärme aus Biomasse sind umweltfreundlich, belasten die Luft aber mit Abgasen und Feinstaub. Ein zusätzliches Abgasreinigungssystem kann nahezu alle Schadstoffe aus Kaminen und Öfen herausfiltern und dabei sogar die Wärmeleistung steigern.

Kaminabzug
Kaminabzug © Adobe Stock /shocky

Wer genießt es nicht, abends die Fenster zu öffnen und einen kräftigen Zug frische, klare Winterluft zu atmen? Unangenehm und sogar gesundheitsschädlich wird das aber, wenn diese nicht frisch und klar, sondern stickig ist, weil sie neben den üblichen Autoabgasen auch noch nach dem schlechten Kaminholz der Nachbarn stinkt und deutlich mit Schadstoffen angereichert ist.
Dabei ist die richtige Verbrennung von Biomasse  zur Wärme- und Energiegewinnung an sich eine feine Sache: Sie kann in besonderer Weise unsere Umwelt schonen, weil sie nahezu CO2-neutral ist, nachwachsende Rohstoffe verbrennt und regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt. Darüber hinaus sind die Nutzerinnen und Nutzer vom internationalen Energiemarkt unabhängig und heizen vergleichsweise kostengünstig. Das ist ein wichtiger Pluspunkt für das Heizen mit Holz in südamerikanischen Ländern und die Kamin-Romantik in Deutschland.

Kamine und Biomasseöfen halten Grenzwerte für Luftverschmutzung oft nicht ein

Aber aus Biomassefeuerungen entsteht leider auch eine Form der Luftverschmutzung, vor allem durch Feinstaub. Und ebenso wie der Ausstoß von CO2 ist auch das Feinstaub-Problem global. In Chile zum Beispiel ist die Umgebungsluft im Winter örtlich extrem stark mit schädlichen Partikeln aus den vielen Holzfeuerungen belastet. Die Grenzwerte für die Partikelbelastung werden dort deutlich überschritten. Deshalb haben Länder wie Chile, aber auch Deutschland oder die USA, ihre Grenzwerte für Partikelemissionen im Abgas bereits verschärft. Allerdings sind installierte Verbrennungsanlagen – weder in Deutschland noch in Chile und in den USA– häufig nicht in der Lage, die vorgegebenen Grenzwerte im Praxisbetrieb einzuhalten.

Deutsch-chilenisches Projektteam entwickelt Abgasreinigungssystem

Das Abgasreinigungssystem für Biomasseöfen katalysiert und filtert gesundheitsschädliche Stoffe aus, die bei Verbrennungsvorgängen entstehen und die Umwelt belasten.
Das Abgasreinigungssystem für Biomasseöfen katalysiert und filtert gesundheitsschädliche Stoffe aus, die bei Verbrennungsvorgängen entstehen und die Umwelt belasten © Dr. Ingo Hartmann

Darauf reagieren die Ingenieurinnen und Ingenieure des „Global-Stars“-Projekts „ZEBS“: Sie haben ein Abgasreinigungssystem entwickelt, das nachgeschaltet an Biomasseöfen und Biomassekessel (bis 50 kW) eingesetzt werden kann. Es reinigt die belasteten Ausstöße mit Hilfe eines Katalysators auf Basis von Mischmetalloxiden sowie mit einem Elektrofilter. Das daraufhin in die Luft entweichende Abgas enthält dann bis zu 70 Prozent weniger Kohlenstoffmonoxid und bis zu 80 Prozent weniger Staub. Das Projektteam setzt damit die Partikelemissionen sogar noch unter die aktuellen Grenzwerte herab. On Top wird mit dem neuen System die im Ofen entstehende Wärme rückgewonnen und dadurch viel effizienter genutzt als bisher.

Damit das Abgasreinigungssystem weitreichend und dauerhaft die Schadstoffausstöße in allen Teilen der Welt verringern kann, muss es jedoch technisch unkompliziert, langlebig und somit für alle erschwinglich sein. Das ist das Ziel der deutschen ETE EmTechEngeneering GmbH und des Deutschen Biomasseforschungszentrums sowie der chilenischen AdSolem Ltda. und der Universität Talca.
Bis zur Marktreife des Abgasreinigungssystems wird es allerdings noch etwas dauern: Das deutsche Start-up spart momentan für die Zulassung seiner Entwicklung beim Deutschen Institut für Bautechnik. Erst danach kann es den europäischen Markt erobern. Die chilenischen Partner möchten in Nord- und Südamerika die Emissionen senken und entwickeln derzeit vor allem einen langlebigen Elektroabscheider weiter, damit dieser auch für den südamerikanischen Markt erschwinglich ist.