„Die Lust auf die neue Sprache wecken“

Das Vorlesen hilft Flüchtlingskindern, die deutsche Sprache schnell zu lernen. Melitta Göres von der „Stiftung Lesen“ ist die Leiterin des Programms „Lesestart für Flüchtlingskinder". Im Interview erzählt sie, warum die Initiative so wichtig ist.

Die deutsche Sprache spielerisch erlernen: Flüchtlingskinder in einer Berliner Erstaufnahmeinrichtung. © BMBF/Hans-Joachim Rickel
Melitta Göres, Leiterin des Programms "Lesestart für Flüchtlingskinder" © Marco Bühl

bmbf.de: Frau Göres, „Lesestart für Flüchtlingskinder“ ist ein Programm, für das das Bundesbildungsministerium in den nächsten drei Jahren 2,2 Millionen Euro bereitstellt. Worum geht es dabei genau?

Melitta Göres: Die deutsche Sprache näher gebracht zu bekommen und dadurch die Lust am Erlernen der neuen Sprache zu wecken ist für Flüchtlingsfamilien eine wichtige Hilfestellung zur ersten Orientierung und erfolgreichen Integration in unserem Land. Lesen, Vorlesen und das Erzählen von Geschichten spielen dabei eine elementare Rolle. Deshalb führt die „Stiftung Lesen“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in den nächsten drei Jahren das Programm „Lesestart für Flüchtlingskinder“ durch. Kinder unter fünf Jahren erhalten in Erstaufnahmeeinrichtungen ein Lesestart-Set. Den Erstaufnahmeeinrichtungen wird darüber hinaus in jedem Programmjahr eine Lese- und Medienbox für die Arbeit mit Kindern bis zwölf Jahren zur Verfügung gestellt.

Welche Materialen sind in den Sets enthalten?

Ein Set besteht aus einer kleinen Stofftasche mit einem altersgerechten Buch sowie einem kurzen Informationsflyer für Eltern, der erläutert, welche Bedeutung gemeinsames Erzählen und Vorlesen für die Entwicklung von kleinen Kindern hat. Der Flyer ist auf Deutsch verfasst, klar und einfach formuliert und mit hilfreichen, international verständlichen Icons versehen. Zukünftig wird dieser Info-Flyer auf der begleitenden Homepage aber auch in vielen weiteren Sprachen als Download zu finden sein.

© Marion Kreimeyer-Visse

Warum ist das Vorlesen so wichtig?

Wenn Kindern vorgelesen und erzählt wird, wirkt sich dies positiv auf deren Wortschatz, ihre sprachlichen Fähigkeiten und ihre Auffassungsgabe aus. Studien zeigen zudem, dass Kinder, denen vorgelesen wird,  zu offenen, aktiven und interessierten Menschen heranwachsen. Außerdem entwickeln sie ein besseres Sozialverhalten, empfinden Empathie für andere und haben mehr Gerechtigkeitssinn. Vorlesen stärkt darüber hinaus den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl in der Familie.

Wie erreicht man die Kinder?

Erstaufnahmeeinrichtungen sind für viele geflüchtete Familien der Ausgangspunkt für ihr Leben in Deutschland. Deshalb setzen wir hier an und vermitteln mit den Lesestart-Sets und regelmäßigen Vorleseangeboten erste Zugänge zu Sprache und Bildung. Viele Einrichtungen verfügen über sogenannte Spielstuben, in denen die Kinder von betreuten Freizeitangeboten profitieren. Im Rahmen dieses Angebotes können sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtung als auch freiwillige, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit den Materialien der Medienboxen auf Kindern zugehen, Bücher gemeinsam anschauen und ins Gespräch kommen.