Die Pilotinitiative DECVET

Die BMBF-Pilotinitiative "DECVET - Entwicklung eines Leistungspunktesystems in der beruflichen Bildung" hatte zum Ziel, die Durchlässigkeit zwischen den Teilsystemen der Berufsbildung über Anrechnungsverfahren zu verbessern.

In den zehn DECVET-Pilotprojekten wurden Verfahren zur Erfassung, Bewertung und Übertragung von Lernergebnissen und Kompetenzen entwickelt und erprobt. Die Identifizierung möglicher Anrechnungspotenziale erfolgte dabei an folgenden Schnittstellen:

  • zwischen Berufsausbildungsvorbereitung und dualer Ausbildung (drei Projekte),
  • innerhalb der dualen Berufsausbildung bezüglich gemeinsamer berufsbildübergreifender Qualifikationen in einem Berufsfeld (zwei Projekte),
  • zwischen dualer und vollzeitschulischer Berufsausbildung (zwei Projekte),
  • zwischen dualer Berufsausbildung und beruflicher Fortbildung (drei Projekte).

Die Initiative orientierte sich an den Gegebenheiten des deutschen Berufsbildungssystems (u.a. duales Berufsbildungssystem, Berufskonzept, BBiG), an bereits bestehenden Programmen zur Anrechnung und Erfassung von Kompetenzen im deutschen Bildungssystem (z.B. ANKOM, Jobstarter Connect) und berücksichtigt die auf europäischer und nationaler Ebene entwickelten Rahmenbedingungen bzw. Instrumente (z.B. Europäischer Qualifikationsrahmen - EQR, Deutscher Qualifikationsrahmen - DQR, Europäisches Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung - ECVET).

Die in DECVET entwickelten Anrechnungsverfahren variieren je nach Schnittstelle; drei grundsätzliche haben sich herauskristallisiert:

  • Das erste Verfahren ermöglicht eine Verkürzung von Ausbildungszeit. So wurde z. B. am Übergang innerhalb der dualen Berufsausbildung ein gestuftes Anrechnungsmodell entwickelt, welches je nach prozentualem Anteil der Äquivalenz eine Anrechnung zulässt.
  • Das zweite Verfahren ermöglicht eine Vertiefung von Ausbildungsinhalten durch frei gewordene Ausbildungszeit.
  • Das dritte Verfahren, welches insbesondere im Übergang zur beruflichen Fortbildung zum Tragen kommen kann, ermöglicht die Individualisierung der Prüfungsvorbereitung und -zulassung.

Die Ergebnisse der Pilotinitiative DECVET wurden am 4. und 5. Juni 2012 auf einer Abschlusstagung mit den Projektnehmerkonsortien, den regionalen Beiräten, der wissenschaftlichen Begleitung, der BIBB-Koordinierungsstelle und den im Bundesbeirat vertretenen Sozialpartnern sowie der Fachöffentlichkeit diskutiert. Eine differenzierte Darstellung der Befunde der Einzelprojekte sowie der Gesamtergebnisse der Pilotinitiative findet sich in der BMBF-Publikation "Durchlässigkeit und Transparenz fördern. DECVET – Ein Reformansatz in der beruflichen Bildung", Bonn, Dezember 2012.

In den dort ebenfalls veröffentlichten BMBF-Eckpunkten zum Transfer von Ergebnissen der Pilotinitiative, die mit dem DECVET-Bundesbeirat ausführlich beraten wurden, sind die zentralen Ergebnisse der Pilotinitiative zu projektübergreifend verallgemeinerbaren Aussagen im Sinne einer Ergebnissicherung und zu ihrer breiteren Nutzung zusammengefasst. Da auch andere öffentlich geförderte Programme und Initiativen auf die Erhöhung der Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den Bildungsbereichen zielen, stellen diese BMBF-Eckpunkte insofern einen Zwischenschritt dar, da die Erkenntnisse all dieser Initiativen mittelfristig zusammengeführt und mit den relevanten Berufsbildungsgremien beraten werden sollen.