„Die Stationsköchin freut sich über das Weihnachtsgeschenk“

Mit einem Gewächshaus im Gepäck reist Paul Zabel zur Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Im Interview mit bmbf.de spricht der Ingenieur über frische Ernährung im antarktischen Winter und ein Weihnachtsfest fernab der Heimat.

Paul Zabel wird ab Dezember 2017 an der Neumayer-Station III in der Antarktis ein Jahr lang in einem eigens konstruierten Gewächshaus Salat, Gurken, Kräuter und Tomaten ziehen. © DLR
Eine Gurkenpflanze wächst im EDEN:ISS Gewächshaus. © DLR
Im EDEN-ISS Projekt erforscht und erprobt Paul Zabel Technologien zum Pflanzenanbau im Weltraum. © DLR
Im Gewächshaus des DLR werden die Pflanzen mit Nährlösungen versorgt und mit künstlichem Licht bestrahlt. © DLR

bmbf.de: Herr Zabel, Sie bringen ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk in die Antarktis zur Neumayer-Station III: Sie wollen vor Ort frisches Obst und Gemüse züchten. Wie machen Sie das?

Paul Zabel: Mit einem Gewächshaus, das wir am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt haben. Wir wollen herausfinden, ob wir damit Bewohnern in klimatisch ungünstigen Regionen eine hochwertige, frische Ernährung ermöglichen können.

… wie geht das bei extremen Minusgraden und ohne nahrhafte Erde?

Die Pflanzen werden mit Nährlösungen versorgt und richtig temperiert mit speziellem künstlichem Licht bestrahlt. So können wir die Pflanzen schneller wachsen lassen als in einem natürlichen Umfeld.

Was genau erforschen Sie und die Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in der Antarktis?

Unter antarktischen Extrembedingungen geht das Gewächshaus in die Langzeiterprobung. Aber der Hintergrund des Experiments ist in der Tat die Raumfahrt: Bei Weltraummissionen zum Mond oder Mars ermöglicht ein geschlossenes Gewächshaus Ernten, die vom Wetter, der Sonne oder der Jahreszeit unabhängig sind – und das alles ohne Pestizide oder Insektizide bei geringem Wasserverbrauch.

Wenn alles wie geplant funktioniert, stehen schon bald frische Radieschen, Gurken, Salat und vielleicht auch Erdbeeren auf dem Speiseplan der Crew. Was kam denn bisher auf den Tisch?

Die Station wird einmal im Jahr vom Forschungsschiff Polarstern mit Lebensmitteln versorgt. Das sind vor allem Tiefkühlwaren und lagerfähige Lebensmittel wie Kartoffeln. Im antarktischen Winter – von Ende Februar bis Anfang November – gibt es kein frisches Obst oder Gemüse.

Dann freut sich die Crew bestimmt riesig über das Gewächshaus…

Die deutsche Forschungsstation Neumayer-Station III in der Antarktis: Dank des Gewächshauses kann sich die Überwinterungsmannschaft ab März über frisches Obst und Gemüse freuen. © Alfred-Wegener-Institut / Thomas Steuer

Ja, besonders die Stationsköchin freut sich über das Weihnachtsgeschenk. Aber sie muss sich noch etwas gedulden: Ende März – also kurz nach dem Wintereinbruch – sollten die ersten Radieschen und der erste Salat erntereif sein.

Wie sind die Lebensbedingungen im antarktischen Winter?

Frostig und dunkel: Zwischen Mai und Juli, in der Polarnacht, kommt die Sonne nicht über den Horizont. Dann kann es Minus 40 Grad kalt werden.

Aber Sie sind ja glücklicherweise im temperierten Gewächshaus…

Das steht aber 400 Meter von der Station entfernt. Wenn es stürmt, müssen wir uns gut überlegen, ob wir die Arbeit um ein paar Tage verschieben.

Was machen Sie, wenn das Wetter Ihnen eine Arbeitspause aufzwingt?

Es gibt ausreichend Freizeitmöglichkeiten auf der Station: einen Fitnessraum, eine Bibliothek, ein Videoentertainment-System, Brett- und Kartenspiele, einen Kickertisch und vieles mehr.

Wie ist es, kurz vor Weihnachten die Heimat zu verlassen und für ein Jahr in eine der extremsten Regionen der Welt zu ziehen?

Etwas komisch ist das schon. Aber ich habe das Weihnachtsfest mit meiner Familie vorgefeiert. Den Heiligabend feiere ich dann bereits mit der Neumayer-Crew.

Herr Zabel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zur Person

Paul Zabel ist Ingenieur am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und arbeitet im internationalem EDEN ISS Projekt. Das Projekt hat die Erprobung von Technologien zum Pflanzenanbau im Weltraum zum Ziel. Dafür werden diese Technologien in zwei Schiffscontainer eingebaut und für eine einjährige Expedition in die Antarktis geschafft. Paul Zabel betreibt ab Dezember 2017 für ein Jahr dieses Containergewächshaus an der deutschen Forschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Das Bundesforschungsministerium finanziert das AWI über die institutionelle Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.