Digitale Bildung, künstliche Intelligenz und die Arbeitswelten der Zukunft

Vortrag des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte, im Gymnasium Dionysianum, Rheine

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herrn,
lieber Josef Verschüer,

ich wurde von Dir eingeladen, um zum Thema „Digitale Bildung, künstliche Intelligenz und die Arbeitswelten der Zukunft“ zu sprechen. Dieser Einladung bin ich gerne gefolgt, denn ich glaube, dass das Thema wichtige der Inhalte beschreibt, die ich seit 2009 im Bundesministerium für Bildung und Forschung bearbeiten darf.

Ein großer Teil meiner Arbeit besteht genau darin: Neue Technologien zu fördern, die in vielen Arbeitsfeldern angewendet werden können. Es gibt, um es salopp zu formulieren, heute keinen Bereich, der nicht 4.0 ist, sein will oder sein muss: Bildung, Produktion, Dienstleistung, Verwaltung –alles ist digital vernetzt.

Jetzt könnte man sagen: „Das ist aber ein sehr weites Feld für einen Vortrag“. Und ich müsste antworten: „Das stimmt!“ Ich versuche deshalb gar nicht, ein vollständiges Bild aller Aspekte der umschriebenen Aufgaben zu geben. Stattdessen möchte ich thesenhaft argumentieren und zu jeder These ein paar Gedanken und Beispiele vorbringen.

Ich habe mich dabei von den folgenden Aspekten leiten lassen:

  • der Aufbau von intelligenten Strukturen und Maschinen – also weitgehend autonom agierende Systeme, die durch Forschung und Entwicklung ermöglicht werden,
  • die Vernetzung und Digitalisierung, die immer weitere Teile des wirtschaftlichen und allgemeinen gesellschaftlichen Lebens umfassen,
  • die Anpassung von Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation an diese neuen Strukturen und
  • die Entwicklung und Weiterentwicklung des Personals – sei es in der Ausbildung, im Arbeitsprozess oder durch Weiterbildung im klassischen Sinne.

Nun zu meinen Thesen:

These 1: Die Digitalisierung eröffnet zahlreiche neue Formen der Beschäftigung. Sie bietet Chancen, Arbeitsplätze effizienter und höherwertig zu gestalten. Und ja: Sie bietet auch Risiken – vor allem dort, wo neue Techniken eingesetzt werden. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, trotz erheblichem strukturellen Wandel Höchsstände in der regulären Beschäftigung zu erreichen. Ich glaube: Wenn wir es richtig machen, dann ist auch im kommenden Jahrzehnt das Ziel der weitgehenden Vollbeschäftigung erreichbar. Das sollte unser Anspruch sein.

Meine Damen und Herren,

wenn wir von Digitalisierung reden, dann meinen wir damit eine bestimmte Art des Wandels. Was früher ausschließlich in der „realen Welt“ stattfand, wird heute auch in die virtuelle Welt von Rechnern und Maschinen verlagert. Maschinen können auf Datenvernetzung aufbauend ganze Abläufe steuern – jede Maschine für sich und viele Maschinen untereinander.

Das Besondere dabei ist, dass sich die Verlagerung von Wissen in den digitalen Bereich den Zwängen der bisherigen Produktionswelt in einigen Bereichen entzieht. Sie macht Entscheidungen schnell, autonom und (betriebliche) Grenzen überschreitend.

Dasselbe gilt für Entwicklung von Produkten: Simulationen lassen sich oft wiederholen. Sie sind ohne Materialaufwand möglich, rasch programmiert und umgeschrieben. Und bei geeigneter Programmierung können sie sogar selbstständig lernen. Das ist der Kern dessen, was wir „künstliche Intelligenz“ nennen.

Viele sprechen heute davon, dass mit der Digitalisierung ein besonders hohes Potenzial für sogenannten „disruptiven Wandel“ aufgebaut wird. Was heißt das?

Nun im Wesentlichen bedeutet disruptiver Wandel, dass wir Menschen ihn nicht oder nur ganz schwer vorhersehen können. Es geht nicht um Weiterentwicklung von Maschinen, Technologien, Arbeitsabläufen etc. Es geht um Verdrängung bisheriger Mechanismen – plötzlich und nahezu unerwartet.

Sicherlich hat es das schon immer in der Geschichte gegeben: Die Dampfmaschine machte bessere Pferde sinnlos, das Desktop-Publishing (Setzen von Dokumenten im Computer) war faktisch das Ende weiter Bereiche der traditionellen Drucktechnologie.

Durch Digitalisierung kommen diese sprunghaften Innovationen, kommt der disruptive Wandel aber viel öfter vor, denn er fußt auf der virtuellen Welt, die schnell und für viele an der Produktion Beteiligten unsichtbar ist.

Wir sprechen hier also über Innovation, die auf neuartigen Technologien beruht und bewährte Verfahren der Produktion, Dienstleistung, Logistik etc. vielfältig verändert oder völlig ersetzt. Früher hat man von einer industriellen Revolution gesprochen – und bei Industrie 4.0 tun wir das aus gutem Grund auch.

Meine Damen und Herren,

hier schließt sich meine zweite These an:

These 2: Digitalisierung verändert auch die Berufs- und Arbeitswelt erheblich und nachhaltig. (Teil-) Autonome Systeme werden Berufe ändern und Teile der Qualifikationen überflüssig machen, aber auch neue Tätigkeitsfelder entstehen lassen.

Industrie 4.0 betrifft Unternehmen in jedem Teil und als Ganzes. Sie wirkt sich aus auf die Art der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen. Sie verändert Volkswirtschaften und letztlich die Gesellschaft.

Man muss kein Prophet sein, um sagen zu können: Was sich so weit in die wirtschaftlichen Zusammenhänge einprägt, das hat selbstverständlich auch Folgen für die Arbeitsplätze, Arbeitsbeziehungen und Arbeitsorganisation.

Ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Ich glaube, unsere Vorstellung von Wirtschaften wird sich erheblichändern:

Hat es noch Sinn zwischen Produktion und Dienstleistung zu unterscheiden? Sind in Zeiten sogenannter individualisierter Massenproduktion, in Zeiten des 3D-Drucks oder der Systemlösungen nicht vielmehr viele Bereiche der Wirtschaft hybrid? Sind nicht auch längst die Nutzer Teil der Produktion, eines Produktes und einer Dienstleistung?

Ich nenne ein Beispiel: Eine Smart-Watch ist eine Uhr, mehr nicht! Es sei denn, man spielt Apps auf. Und je nachdem, welche Apps Sie oder ich aufspielen, wird aus der cleveren Uhr ein Instrument gegen Vergesslichkeit (Einkaufslisten-App), zum Sporttreiben (Fitness-Apps), zur Kommunikation (Produktivitäts-Apps).

Erst, wenn wir entscheiden, was wir mit der Smart-Watch wollen, zeigt sich, was sie kann – und das ist für jede und jeden etwas anderes, aber immer Produkt und Dienstleistung in einer Uhr.

Die Technik, die das kann, durchzieht längst alle Bereiche unseres Lebens. Und sie steckt in viel mehr als nur in Uhren.

Man könnte sagen, dass manch ein moderner Fernseher mehr Außenkontakte hat als ein durchschnittliches Familienmitglied. Für Produktionsmaschinen in der Fertigung gilt dies umso mehr.

Viele Produkte brauchen hochwertige, professionell und effizient erstellte Dienstleistungen, denn die Dienste erweitern den „Aktionsradius“ von Maschinen – so wie die Apps den Aktionsradius der Uhr. Ohne Dienstleistung geht meistens nichts mehr – auch in der Produktion. Deshalb spricht man davon, Unternehmen würden sich vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter wandeln.

Wenn ich das so sage, gelange ich zu einem wichtigen Punkt:

Überall dort, wo Dienstleistungen drinstecken, sind auch Beziehungen von Menschen zu Menschen enthalten.

Dienstleistungen gehen nicht ohne Menschen – und zwar auf der Anbieterseite (Dienstleister) wie auf der Kundenseite (Nutzer). Und beide werden ihre Befähigungen, ihre Kompetenzen in den Prozess einbringen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn beide Seiten in Kontakt zueinander treten und sich auf Augenhöhe austauschen.

Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten wird immer wichtiger. Immer weniger wird dabei die eine Seite nur Absender und die andere Seite nur Empfänger sein können. Auch die Empfänger sind Impulsgeber am Anfang des Entwicklungsprozesses. Und sie wollen oftmals eigene Kreativität und Wertschöpfung bei der Nutzung hinzufügen. Dies müssen unsere Kommunikationsangebote dann aber auch ernsthaft berücksichtigen.

These 3: Kompetenzanforderungen verändern sich, und wir brauchen gezielte Bildungsangebote. Bildung ist im digitalen Wandel entscheidende Voraussetzung für den Erfolg – den Erfolg Einzelner, den Erfolg von Unternehmen und den Erfolg deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb.

Wenn wir auf die Verbindung von Technologie und Wirtschaft schauen, so schauen wir, ob wir wollen oder nicht, ebenfalls auf die Verbindung von Technologie und Kompetenzen.

Meine Damen und Herren,

die Frage nach den Kompetenzen durchzieht die gesamte Diskussion um Industrie 4.0, Digitalisierung und Arbeitswelten. Es fängt damit an, dass die Technologieentwicklung selbst kompetente Menschen braucht: in Wissenschaft, Entwicklungsabteilungen, im Service etc.

Die Aufgabe lautet: Die Menschen müssen befähigt werden, auch unter den Bedingungen weitgehend digitalisierter Abläufe arbeiten zu können, diese Abläufe mitzugestalten und auch sie am Laufen zu halten.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat untersucht, wie sich Digitalisierung auswirken wird. Auch wenn ich stark verkürze, so lautet das Ergebnis:

Es wird nicht weniger Arbeit sondern andere Arbeit geben.

Unsere größte Sorge wird also nicht sein, dass wir Arbeit im Übermaß verlieren. Wir müssen bestehende Berufe und Tätigkeiten mit neuen Inhalten füllen – und zum Teil auch ganz neue Berufe schaffen.

Damit sind wir bei der Frage, wie Digitalisierung auf die Kompetenzanforderungen und Berufsbilder bereits jetzt verändert und weiter verändern wird.

Diese Frage können wir nur sinnvoll stellen, wenn wir uns zuvor damit befassen, wie sich das Wirtschaften verändern wird. Schon im Ausgangspunkt meines Vortrags habe ich vorausgesetzt: Digital wird sie sein die Ökonomie. Produktion und Dienstleistung wachsen zusammen – wir sprechen von hybriden Leistungen und Gütern.

Das alles führt zur Idee der intelligenten Fabrik (Smart Factory) und der Vorstellung, dass virtuelle Welt und reale Welt im ständigen Austausch sind (cyber-physische Systeme). Intelligente Maschinen und Menschen sollen zusammen arbeiten und Menschen die Maschinen nicht länger nur bedienen.

Ein Schlüssel, die mit der Digitalisierung einhergehenden Chancen wahrzunehmen und zu sichern, sind darauf abgestimmte Bildungsangebote in der Elementar- und Berufsbildung. Gefordert ist eine Art „Berufsbildung der Balance“, die Bewährtes mit Innovativem verbindet und Neuerungen aktiv, aber behutsam vorantreibt.

These 4: Weiterbildung wird selbst digitalisiert. Weiterbildung und Kompetenzvermittlung werden selbst in einer 4.0-Version entstehen.

In der dualen Ausbildung kann man diese Entwicklung bereits besonders gut sehen:

Anlagenmechaniker statten unsere Wohnungen mit smarter Technik aus, Dachdecker nutzen Drohnen: Auch im Beruf ist digitales Wissen gefragt - und die Berufsausbildung bereitet darauf vor.

Vieles wird aber auch leichter: Kleine Unternehmen haben oftmals nicht die Möglichkeit, alle Aspekte eines Berufs zu vermitteln.

Überbetriebliche Ausbildung, Ausbildung in Verbünden etc. verlangen eigentlich schon immer nach „Vernetzung“, nur gab es sie noch nicht in dieser Art. Digitale Vernetzung sorgt dafür, dass diese Ausbildungsformen besser genutzt, die Ausbildungsorte leichter verbunden werden können.

Und natürlich ändern sich die Medien in denen Ausbildung stattfindet. Wo wir auch hinschauen, finden wir Online-Seminare – sei es als Youtube-Kanäle für Weiterbildung oder als gigantische offene Vorlesungen von Universitäten (Massive open online Courses, MOOCs).

Meine Damen und Herren,

man kann hier durchaus etwas forsch fragen: Wer braucht ein Buch, wenn er ein Tablet hat? Wer geht zum Ausbilder, wenn die Maschine ihre Wartung selbst erläutern kann? Wer benötigt Dozierende, wenn hunderte Experten via Internet erläutern, was man lernen will?

Die Fragen sind rhetorisch, klar. Aber auf eines möchte ich dabei hinweisen:

Auch die Ausbildenden, Dozierenden, Professoren dieser Welt müssen ihre Kompetenzen weiterentwickeln. Wo nimmt man die Ausbilder her, wenn die Technologie viel neueren Datums ist als die Meisterbriefe? Wie besetzt man Professuren, wenn die Vorlesungen ganz anders aussehen als zu Zeiten der Tafel, des Overhead-Projektors und der Powerpoint-Schnellfeuer? (Übrigens: 3 Stadien der Evolution von Vorträgen, nicht der disruptiven Innovation).

Eine große Herausforderung für die kommende Legislaturperiode wird daher darin bestehen, die personellen Ressourcen zu finden, zu bündeln und auch auszuweiten, um die notwendigen Qualifikationen auf allen Stufen der Bildungslaufbahn auch anbieten und durchführen zu können. Das beginnt bei den Lehrern an den Schule. Es geht weiter zur Ausbildung in den Betrieben und zu den Lehrangeboten an den Hochschulen. Und es ist auch eine zentrale Frage für die berufliche Weiterbildungsbranche.

These 5: Es stellen sich nicht nur Fragen nach der Qualifikation, sondern auch solche nach der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Beschäftigten.

Meine Damen und Herren,

ich möchte hier an Gedanken anschließen, die ich weiter oben ausgeführt habe: Die zunehmende Unterstützung durch digitale Anwendungen und Systeme verändert den Charakter dieser Arbeit. Und wo Produktion und Dienstleistung verschmelzen, betrifft Innovation immer auch die soziale Interaktion, das menschliche Miteinander.

Viele Spielräume werden für Menschen eingeschränkt, wenn eine Abstimmung von Arbeitsabläufen zunächst zwischen Maschinen erfolgt. Man kann also fragen: Wo ist der Platz für die typisch menschlichen Stärken und die sozialen Beziehungen?

Was ich meine, zeigt sich besonders gut dort, wo Menschen traditionell mit Menschen arbeiten – und hier noch einmal dann besonders stark, wo die Kunden Patienten sind.

Diese Arbeit ist immer Interaktion, ist wechselseitige Kooperation, ist Emotion auf beiden Seiten.

Natürlich können Computer zeitoptimierte Pläne für Patientenbesuche errechnen. Aber können sie auch die menschlichen Bedürfnisse der Patienten erfassen? Nein! Und sie können es schon gar nicht, wenn das Gegenüber selbst manchmal nicht weiß, welches Bedürfnis es am kommenden Tag hat.

In einem Artikel habe ich vor kurzem gelesen, Maschinen seien in diesen Punkten „Dumm wie ein Sieb“. Sie könnten Schach spielen und Gesichter erkennen, hätten aber keinen Funken Verstand und schon gar kein Mit- oder Fingerspitzengefühl. Wenn ich also von Eigenständigkeit und Selbstverantwortung spreche, dann tue ich das nicht aus einer Position der Gönnerschaft heraus – Arme Beschäftigte, nur nicht zu viel einschränken.

Ich meine genau das Gegenteil: Arme Maschinen, sie sind in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt. Denn noch lange Zeit werden die Maschinen Spezialisten für Teilaufgaben sein. Den Überblick und den sozialen Blick werden sie, wenn überhaupt, erst ganz spät besitzen.

Es ist deshalb wichtig, dass wir eine Arbeitsorganisation gestalten, die weiß, wo Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zum Nutzen der einzelnen Beschäftigten, der Kunden und der Unternehmen unerlässlich sind. Die Betriebe und die Beschäftigten müssen unterstützt werden, jeweils passgenaue Lösungen und Angebote zu finden. Genau darin liegt unsere gemeinsame, zentrale politische Gestaltungsaufgabe.

In unserem Förderprogramm „Zukunft der Arbeit“ haben wir deshalb drei Aspekte formuliert, die hier besonders wichtig sind:

  1. Technologische und soziale Innovationen sind gemeinsam voranzubringen. Das bedeutet: Die Entwicklung von Technik und menschengerechten Arbeitsbedingungen muss gleichzeitig erfolgen. Was nicht gut funktioniert, ist technisch veränderte Arbeitswelten und -bedingungen nachsorgend mit Konzepten für gute Arbeit zu versehen und so reparierend zu humanisieren.
  2. Die besten Lösungen liegen in den Betrieben: Hier finden die Veränderungen statt; hier wird zeitgleich an Möglichkeiten der Anpassung und Weiterentwicklung gearbeitet.
  3. Entscheidend für den Erfolg ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten und dazu gehören insbesondere auch Betriebsräte und Gewerkschaften, Unternehmen und Verbände, aber auch der Arbeitsforscher und Forschungsinstitutionen.

Meine Damen und Herren,

Ich werde die letzten Minuten meines Vortrags nutzen, um zu zeigen, wie die Aspekte, die ich angesprochen habe, sich in der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finden.

Der naheliegende erste Punkt:

  • Wir im BMBF tragen mit der Forschung unseren Teil zum digitalen Wandel bei, und weil das so ist, haben wir auch die Verantwortung, die Folgen dieses Wandels zu durchdenken und die Bedingungen des Wandels zu gestalten. Dies sehen Sie an nahezu allen Förderprogrammen, sei es zur Batterieforschung, IT-Sicherheitsforschung oder zur Quantentechnologie, zur Gesundheitsforschung, Bioökonomie oder Nachhaltigkeit, zur Bildungsforschung, Weiterbildung oder zum Meeresforschung.
  • Unser Verständnis von Industrie 4.0 endet nicht damit, das Phänomen zu beschreiben und die technischen Entwicklungen durch Forschungsförderung zu ermöglichen. Der Gestaltungsauftrag an die Forschungsförderung heißt auch: Bedingungen zu untersuchen, die die Arbeitswelten der Industrie 4.0 prägen, und dort, wo es notwendig ist, die Gestaltung der Bedingungen möglich zu machen.
  • Hier möchte ich besonders die Teile unseres Hauses nennen, die sich mit Innovationsprozessen und –politiken beschäftigen, die die Konzepte der Beruflichen Bildung und Weiterbildung 4.0 erarbeiten, neue Berufe ermöglichen und auch die akademische Ausbildung und die Hochschullandschaft permanent fördern und weiterentwickeln helfen.

Auf zwei Aufgabenfelder möchte ich besonders hinweisen: das Förderprogramm „Zukunft der Arbeit“ und das Wissenschaftsjahr 2018, das den Titel „Arbeitswelten der Zukunft“ trägt.

  • Das Programm „Zukunft der Arbeit“ stammt aus der Tradition der Arbeitsforschung und der Idee der Humanisierung der Arbeitswelt. Wenn man ehrlich ist, war Arbeitsforschung ursprünglich ein „Hineinreparieren“ von menschenwürdigen Bedingungen in die Arbeitswelt. Heute haben wir einen anderen Anspruch:
    • Wir wollen von vornherein soziale und technische Innovationen zusammenführen,
    • wir wollen Entwicklung von Arbeitsorganisation mit Blick auf wirtschaftliche Aspekte mit dem Gesichtspunkt der Balance zwischen Privat- und Berufsleben verbinden,
    • wir wollen neue Arbeitsformen nutzen, um Flexibilität und Freiräume gleichwertig zu schaffen.
  • Alle Förderung in diesem Bereich verbindet die technologischen Fragestellungen mit denen zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit. Nicht zuletzt deshalb haben wir die Förderung der Arbeitsforschung heute in einem Arbeitsbereich mit der Förderung der Produktions- und der Dienstleistungsforschung zusammengelegt.
  • Wissenschaftsjahre des BMBF dienen dazu, Menschen für Wissenschaft zu begeistern, zu zeigen, wie aus Wissenschaft Verfahren und Produkte werden, wie Wertschöpfung und kreative Theorien sich gegenseitig befeuern. Dieses Ziel haben wir früher mit Jahren zu Disziplinen wie dem „Jahr der Mathematik“ oder dem „Jahr der Physik“ verfolgt und tun dies seit einiger Zeit mit thematischen Jahren. Das letzte Wissenschaftsjahr „Meere und Ozeane“ endete im Dezember 2017 in Hamburg.

2018 schauen wir nun auf die „Arbeitswelten der Zukunft“. Und wir tun das unter genau den beiden Gesichtspunkten, die ich auch in meinem Vortrag angesprochen habe:

  • Technik und Arbeitswelten
  • Kompetenzen und Arbeitswelten

Hinzu kommt ein weiterer Gedanke. So wie sich die Produktion und Dienstleistungen verändern, wie sich die Aus- und Weiterbildung wandeln in einer digitalisierten Welt, so ändert sich ebenfalls die Wissenschaft als Arbeitswelt.

Unser letztes Thema im Wissenschaftsjahr 2018 heißt deshalb:

  • Wissenschaft als Arbeitswelt

In diesen drei Feldern wiederum möchten wir Arbeitswelten erlebbar machen und im Wissenschaftsjahr mit den Menschen diskutieren, wie diese Arbeitswelten aussehen können.

Uns geht es darum zu zeigen, dass die Arbeitswelten gestaltet werden können. Denn Treiber des Fortschritts sind nicht nur technologische Entwicklungen, sondern auch die Ziele und Wertentscheidungen, die wir als Gemeinwesen treffen. Es geht um unsere Vorstellung von einer humanen und produktiven Arbeitswelt im digitalen Zeitalter. Bildung und Forschung haben einen großen Anteil daran, welche Spielräume wir dabei nutzen können.

Meine Damen und Herren,

vielleicht ist der letzte Gedanke der Grund, warum ich von mir und meinen Kolleginnen und Kollegen im Bundesministerium für Bildung und Forschung sagen kann, dass wir gerne in diesem Ministerium arbeiten. Vielleicht ist es diese Möglichkeit, dazu beizutragen können, im digitalen Wandel Wertschätzung und Anerkennung den Beschäftigten gegenüber durchzusetzen. Ein Anerkennungssystem, das nur noch auf programmgestützten Kennziffern beruht, wird defizitär bleiben.

Egal, was wir technisch entwickeln: Wertschätzung für den Menschen kann nur durch den Menschen geschehen. Das zu fördern und zu gestalten lohnt sich.

Ich freue mich auf unsere Diskussion. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.