"Digitale Medien erweitern unsere Möglichkeiten"

Staatssekretär Thomas Rachel lobt den DigitalPakt Schule als gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern. „Vernetzte Schulgebäude, schulisches WLAN, interaktive Tafeln – all das ist jetzt leichter möglich“, sagt er.

Thomas Rachel Bitkom
Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel bei seiner Rede bei der Bitkom-Bildungskonferenz. © Caroline Wittig Fotografie

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel MdB im Bundesministerium für Bildung und Forschung anlässlich der Bitkom-Bildungskonferenz 2019 am 12. März 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Rohleder,

liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,

sehr geehrte Damen und Herren!

Smart Schools – Schulen für die Zukunft – um die geht es heute. Ob die wohl noch etwas mit unserer Schulzeit zu tun haben werden? Ich erinnere mich zum Beispiel an meinen Biounterricht: Da sind wir in den Wald gegangen und haben vor Ort Tiere und Pflanzen kennengelernt. Wird es das in Zukunft auch noch geben? Oder heißt Smart School, Kinder lernen nur noch digital? Ich bin sicher: In der Schule der Zukunft gibt es beides. Sie kombiniert die besten Lehrmethoden. Analoge und digitale.

In einigen Schulen erleben wir das heute schon:

  • Lehrer suchen mit ihren Schülern im Wald nach Insekten, die Schüler machen Bilder davon und bestimmen per App, welches Insekt sie vor sich haben.
  • In der Schule werden die gesammelten Bilder zusammengeführt und am Smartboard mit Material zum Insektensterben ergänzt.
  • Mit einem Lernprogramm kann der Lehrer schließlich testen, welche Insekten die Schüler selbst erkennen und was sie darüber wissen. Das Ergebnis zeigt dem Lehrer, wo noch einmal nachgehakt werden muss.

Individuell. Auf den einzelnen Schüler zugeschnitten. Denn wir wollen allen jungen Menschen in unserem Land die bestmöglichen Startbedingungen geben.

Die Schule bereitet junge Menschen vor auf eine Welt, die sich immer schneller verändert. Eine Welt, in der Schüler chatten und im Netz surfen. Eine Welt, in der sich Gerüchte innerhalb weniger Minuten per Internet um den Globus verbreiten. Eine Welt, in der ein amerikanischer Präsident wissenschaftliche Erkenntnisse in Zweifel zieht. Eine Welt, in der populistische Parteien zunehmend mehr Anhänger finden. Eine Welt, in der es für junge Menschen schwieriger wird, Orientierung zu finden.

Wir wollen, dass jedes Kind das Beste aus seinen Talenten machen kann. Und die Talente jedes einzelnen Kindes zu entdecken und jedem Kind gerecht zu werden, das ist eine der großen Herausforderungen, vor denen Schule heute steht. Das Leben eines Jeden ändert sich durch die Digitalisierung. Und nur, wer zumindest ein Grundverständnis hat von den neuen Technologien, nur wer digital mündig ist, kann sich einbringen, mitmachen, kann auf dem Arbeitsmarkt bestehen. Deswegen gehört Bildung mit digitalen Mitteln in jedes Klassenzimmer.

Ja, es ist und war ein Kraftakt, die Grundgesetzänderung für den Digitalpakt durchzusetzen. Am Freitag wird auch der Bundesrat darüber abstimmen. Mit dem DigitalPakt leisten Bund und Länder eine gemeinsame Kraftanstrengung: 5,5 Milliarden Euro investieren wir in den kommenden 5 Jahren, um mit digitalen Mitteln Bildung zu ermöglichen. Die Diskussion um den DigitalPakt hat 2016 begonnen. Auf sämtlichen bisherigen Bitkom-Bildungskonferenzen war er ein Thema. Lassen Sie mich Ihnen heute für Ihre Unterstützung danken.

Jetzt stehen wir kurz vor dem Ziel und können sagen: Die Mühe hat sich gelohnt. Noch in diesem Jahr sollen die Schulen davon profitieren. Vernetzte Schulgebäude, schulisches WLAN, interaktive Tafeln – all das ist jetzt leichter möglich. In Kürze werden die Länder ihre Förderbekanntmachungen publizieren und damit Klarheit darüber schaffen, was auf welchem Wege beantragt und beschafft werden kann. Auch die Berufsschulen profitieren vom Digitalpakt.

Berufsschulen sind Teil unserer modernen Arbeitswelt. Der Fortschritt in Unternehmen und in Berufsschulen muss mit gleicher Geschwindigkeit stattfinden. Sie führen junge Menschen in die moderne Arbeitswelt. Wenn wir es richtig machen, dann wird durch die Digitalisierung das Lernen leichter, anschaulicher, individueller und damit auch noch ein Stück gerechter. Die Smart Schools, die heute ausgezeichnet werden, machen vor, wie das gelingt.

Zu einer Smart School gehört mindestens Dreierlei:

  1. eine gute Infrastruktur,
  2. gute pädagogische Konzepte mit digitalen Lerninhalten,
  3. Lehrerfortbildung.

Diese drei Elemente prägen auch den Digitalpakt. Weder Bund und Länder könnten alleine alle drei bereitstellen. Deswegen haben wir den Pakt geschlossen.

  • Der Bund ermöglicht digitale Infrastruktur.
  • Die Länder setzen pädagogische Konzepte um und qualifizieren Lehrerinnen und Lehrer.

Hinzu kommen hochwertige digitale Inhalte. Erst das Zusammenspiel von Netzwerken und Endgeräten, von Ausstattung und Konzept, von Schulentwicklung und Qualifizierung macht es möglich, dass wir echte pädagogische Fortschritte erzielen.

Aber der Reihe nach:

Erstens: Infrastruktur. Um sie schnell in die Schulen zu bringen, kooperieren wir mit dem Verkehrsministerium bei der Gestaltung des Breitbandförderprogramms. Der Sonderaufruf aus dem vergangenen Jahr eröffnet allen noch nicht versorgten Schulen die Perspektive für einen Zugang per Glasfaser zum Gigabit-Netz.

Zweitens: Lehrerbildung. Ein Schlüsselthema für sämtliche Innovationsprozesse im Bereich Schule. Dass Bund und Länder in diesem Bereich zusammenarbeiten, ist nicht neu. 2013 haben wir die Qualitätsoffensive Lehrerbildung angestoßen und den gesamten Prozess der Lehrerbildung nachhaltig verbessert. Allein der Bund stellt dafür bis zu einer halben Milliarde Euro bereit. Gerade ist zweite Phase angelaufen, in der wir auch die Zukunftsthemen „Digitalisierung“ und „Lehramt an beruflichen Schulen“ angehen.

Drittens: Infrastrukturen für den Unterricht und hochwertige digitale Lerninhalte. Das beste Beispiel für Unterrichts-Infrastrukturen ist die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts, die in Kooperation mit dem Verein MINT-EC nach den Bedürfnissen der Schulpraxis entwickelt wird. Seit 2016 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Entwicklung der Schul-Cloud. Sie eröffnet den Schulen Zugang zu digitalen Lerninhalten unterschiedlicher Anbieter und die Nutzung interaktiver Tools und virtueller Lernräume. Dafür brauchen die Schulen einen Breitbandanschluss. Schulen sollen sich auf pädagogische Aufgaben konzentrieren können.

Derzeit nutzen rund 100 Schulen die Schul-Cloud. Bis 2021 sollen es rund 300 werden. Natürlich behalten die Länder die Kultushoheit. Aber Kooperationen sind möglich, und sie finden auch statt. Niedersachsen erprobt die Schul-Cloud in Pilotschulen seit einem Jahr. Und zwar in unterschiedlichen Schultypen und sogar in Einrichtungen der Lehrerbildung. Dadurch erweitert sich das Spektrum der Schul-Cloud. Auch Brandenburg hat Interesse sich zu beteiligen. Das BMBF begrüßt das ausdrücklich.

Es bringt uns voran, wenn interessierte Länder die Schul-Cloud nutzen und an ihre Bedürfnisse anpassen. Denn unterschiedliche Nutzer geben unterschiedliches Feedback und damit immer wieder neuen Input, mit dem die Cloud verbessert werden kann. Und ich bin davon überzeugt, dass wir im Rahmen des DigitalPakts in absehbarer Zeit landesweite oder länderübergreifende Projekte im Cloud-Umfeld sehen werden.

Mir ist wichtig, dass wir den Digitalpakt eng durch die Forschung begleiten lassen. Wo vermag das Smartboard mehr als die Tafel? Welche Kompetenzen sind nötig, um sich in der Informationsflut zurechtzufinden? Welche Unterstützung brauchen die Lehrenden? Diese Fragen erfordern Antworten aus der Bildungsforschung. Zu der sogenannten Stavanger-Erklärung kommen mehr als 130 Leseforscher aus ganz Europa zu dem Schluss, dass die Techniken, die wir im Buchzeitalter gelernt haben, sehr wohl wert sind, weiter genutzt zu werden. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen dem Lesen eines Buches und dem digitalen Lesen, vor allem bei längeren Texten und vor allem zu begreifen wenn es darum geht, den Inhalt zu behalten. Allerdings scheinen diese Unterschiede geringer zu werden, je geübter wir sind, an Bildschirmen zu lesen.

Digitale Medien sind Instrumente. Sie sind also Mittel und nicht Zweck! Digitale Medien erweitern unsere Möglichkeiten. Buch und Tablet ergänzen sich.

Pioniere auf den neuen Wegen sind die Smart Schools, die heute geehrt werden. Sie sind Vorbilder aufgrund:

  • Ihrer Ausstattung,
  • ihrer pädagogischen Konzepte,
  • ihrer digitalen Lernumgebungen und
  • ihrer qualifizierten Lehrkräfte.

Wir brauchen diese Schulen, die die Rolle von Botschaftern übernehmen können. Von denen andere Schulen lernen können. Ich möchte Sie daher dazu aufrufen, Ihr vielfältiges Know-how zu teilen. Tauschen Sie sich untereinander aus – im Kreis der ‚Smart Schools‘. Sie können aber auch andere an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Sie können andere motivieren, einen bewussten Veränderungsprozess zu starten. Wir stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Lassen Sie uns diesen Wandel gemeinsam gestalten.