Digitale Plattformen für die Zukunft Deutschlands

In Dortmund hat der Digital-Gipfel begonnen, bei dem sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Themen der Zukunft austauschen. Zum Auftakt diskutierte BMBF-Staatssekretär Wolf-Dieter Lukas über den KI-Standort Deutschland.

Staatssekretär Wolf-Dieter Lukas im Podiumsgespräch zum Thema KI in Deutschland. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Zwei Tage ganz im Zeichen der Digitalisierung: In Dortmund hat der sogenannte Digital-Gipfel begonnen, ein jährliches Forum, bei dem sich Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über die Gestaltung des digitalen Wandels austauschen. Hintergrund ist die Annahme, dass wir die Chancen der Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft am besten nutzen, wenn alle Beteiligten gemeinsam daran mitarbeiten.

In diesem Jahr dreht sich der Gipfel ganz um digitale Plattformen. Im Mittelpunkt dürfte die Vorstellung der Pläne für die europäische Datencloud „GAIA-X“ stehen, Mit GAIA-X streben wir eine Cloud- und Dateninfrastruktur an, die den freiheitlichen Werten und der Selbstbestimmung aller europäischen Bürgerinnen und Bürger und der Unternehmen gerecht wird. GAIA-X soll in Europa die sichere wirtschaftliche Nutzung von Daten durch den Aufbau eigener Strukturen auf Cloud-Servern ermöglichen. Das ist ein Beitrag zu unserer digitalen Souveränität und macht unabhängiger von großen außereuropäischen Anbietern.

Um den Kreis der Beteiligten noch einmal deutlich zu erhöhen, wurde die Veranstaltung 2017 umbenannt: Der frühere Nationale-IT Gipfel heißt seitdem Digital-Gipfel, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Digitalisierung nicht nur die Telekommunikationstechnologie, sondern die Digitalisierung in ganzer Breite umfasst. Dazu gehören alle Teile der Gesellschaft - von der Kultur-und Kreativwirtschaft bis zur Industrie 4.0.

KI aktiv in die Gesellschaft einbetten

Der erste Tag stand zunächst ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz. Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im BMBF, diskutierte mit Forschenden und Politikern über die Frage, wie die KI-Strategie dazu beiträgt, Deutschland zu einem souveränen Standort zu machen.

Ina Schieferdecker, Abteilungsleiterin Forschung für Digitalisierung und Innovationen im BMBF © BMBF/Hans-Joachim Rickel

In einem weiteren Panel hielt Ina Schieferdecker, Abteilungsleiterin Forschung für Digitalisierung und Innovationen im BMBF, einen Vortrag über Forschung und Transfer im Bereich KI-basierter digitaler Plattformen. Im Anschluss diskutierten Mitglieder der Plattform Lernende Systeme über Themen wie vertrauenswürdige KI und den Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung.

Das BMBF fördert die Forschung im Bereich KI schon seit vielen Jahren. Seit November 2018 ist diese Förderung in der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung festgeschrieben.

Die KI-Strategie verfolgt drei wesentliche Ziele:

  1. Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien zu machen und die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern,
  2. eine verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von KI sicherzustellen, und
  3. KI im Rahmen eines breiten gesellschaftlichen Dialogs und einer aktiven politischen Gestaltung ethisch, rechtlich, kulturell und institutionell in die Gesellschaft einzubetten.

Wie stärkt das BMBF die KI-Forschung in Deutschland?

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)

Seit vielen Jahren investiert das Bundesforschungsministerium in die Forschung zu Künstlicher Intelligenz. Der heutige Fortschritt und die geschaffenen Potenziale gehen nicht zuletzt auch auf diese Förderung zurück. Bereits 1988 wurde mit der Einrichtung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) frühzeitig ein sichtbarer Schwerpunkt in der KI-Forschung gesetzt. Zusammen mit den Forschungsinstituten der Fraunhofer-Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholzgemeinschaft hat Deutschland eine leistungsfähige Wissenschafts- und Forschungslandschaft im Bereich KI, die eng mit der Industrie durch Beteiligung und Kooperationen verbunden ist.

KI-Strategie

Für die Umsetzung der KI-Strategie stellt die Bundesregierung bis 2025 drei Milliarden Euro bereit. Mit dem Bundeshaushalt 2019 wurden 500 Millionen Euro zur Verstärkung von Maßnahmen zur Förderung Künstlicher Intelligenz bereitgestellt. Das BMBF hat mit 170 Mio. Euro den größten Anteil an diesen Verstärkungsmitteln erhalten.

Projektförderung

Mit der Projektförderung bringt das BMBF gezielt bestimmte Forschungsbereiche voran. So wurden etwa in diesem Jahr Forschungsvorhaben auf den Weg gebracht, deren Ziel es ist, energieeffiziente Elektronik-Hardware für KI-Systeme zu entwickeln oder die Transparenz von KI-Entscheidungen zu verbessern. Auch KI-Nachwuchsforschende werden gezielt mit speziellen Maßnahmen gefördert.

Kompetenzzentren für Künstliche Intelligenz

Das Bundesforschungsministerium fördert neben dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sechs weitere Kompetenzzentren für KI-Forschung, um den KI-Standort Deutschland weiter zu stärken. Die Kompetenzzentren sind eine tragende Säule der KI-Forschung in Deutschland. Gemeinsam bilden sie ein Netzwerk zum Austausch von Kompetenzen und Forschungsergebnissen. Und ganz wichtig: Sie sorgen dafür, dass Deutschlands KI-Forschung international sichtbar ist und bleibt.

  • Das sind die Kompetenzzentren:
    • BZML - Berliner Zentrum für Maschinelles Lernen
    • BBDC - Berlin Big Data Center (Berliner Kompetenzzentrum für Big Data)
    • Tübingen AI Center - Competence Center for Machine Learning
    • MCML - Munich Center for Machine Learning
    • ML2R - Kompetenzzentrum Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr
    • ScaDS - Competence Center for Scalable Data Services and Solutions Dresden/Leipzig

Plattform „Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz“

Um einen verantwortungsvollen Nutzen lernender Systeme zu erarbeiten und juristische, ethische und gesellschaftliche Frage zu erörtern, wurde die Plattform „Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz“ vom Bundesforschungsministerium initiiert. Sie soll den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fördern und Handlungsempfehlungen erarbeiten, um Deutschland international führend für Lernende Systeme zu positionieren.

Alexander von Humboldt-Professuren für Künstliche Intelligenz

Das BMBF möchte die weltweit klügsten Köpfe für die KI-Forschung nach Deutschland holen. Dazu sollen die Alexander von Humboldt-Professuren für Künstliche Intelligenz beitragen. Bis zu 30 Professorenstellen können damit in den kommenden Jahren zusätzlich geschaffen werden. Für experimentell arbeitende Wissenschaftler stellte das BMBF fünf Millionen Euro über fünf Jahre bereit. Theoretisch arbeitende Wissenschaftler erhalten 3,5 Millionen Euro pro Professur über fünf Jahre.

Wissenschaftsjahr

Nur mit einem breiten gesellschaftlichen Dialog wird es möglich sein, die Chancen der KI für die Gesellschaft zu erkennen und zu ergreifen. Deshalb ist KI das Thema des diesjährigen Wissenschaftsjahres. Darin diskutieren wir die Chancen und Herausforderungen der KI mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Was ist noch geplant?

Mehr Geld für die KI-Kompetenzzentren und für das DFKI

Die Mittel für die KI-Kompetenzzentren und für das DFKI werden deutlich erhöht. Ursprünglich waren rund 64 Millionen Euro für die Förderung von 2019 bis 2022 vorgesehen. Nun sollen diese Mittel verdoppelt werden. Langfristig ist zudem eine Verstetigung der Finanzierung der Zentren gemeinsam mit den Sitzländern geplant. Mit diesem Ausbau sollen die Forschungs- und Lehrkapazitäten an den Kompetenzzentren in Berlin, Dortmund/Bonn, Dresden/Leipzig, München, Tübingen und am DFKI erheblich gestärkt werden.

Fusion der beiden Berliner Kompetenzzentren

Im Zuge des Ausbaus der Kompetenzzentren ist die Fusion der beiden Berliner Kompetenzzentren zu KI und Big Data geplant. Dadurch wird ein starkes KI-Kompetenzzentrum entstehen, das sich umfassend den verschiedenen Facetten von KI widmen wird.

Aufbau der europäischen Cloud GAIA-X

Damit die Wirtschaft künftig noch besser von den Chancen der KI profitieren kann, braucht Europa eine Antwort auf neue datenbasierte Geschäftsmodelle und Wertschöpfung. Daher arbeitet die Bundesregierung an GAIA-X – einer europäische Cloud. Sie soll Sicherheit, Souveränität, Daten- und Vertrauensschutz gewährleisten und europäische Werte und Normen einhalten. In die Cloud sollen KI-Forschungsergebnisse einfließen, um so die Wettbewerbsfähigkeit Europas weiter zu stärken.