Digitalisierung der Vergangenheit

Das EU-Forschungsprojekt „European Holocaust Research Infrastructure“ hat ein Online-Portal vorgestellt, das Originaldokumente aus der NS-Zeit digital zugänglich macht. "Wir müssen die Erinnerung wach halten", sagte Cornelia Quennet-Thielen.  

Digitalisierte Dokumente aus der NS-Zeit: Das Online-Portal des Forschungsprojekts "European Holocaust Research Infrastructure". © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Digitalisierung kann helfen, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten. Das zeigt das Forschungsprogramm „European Holocaust Research Infrastructure“ (EHRI), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Holocaust wissenschaftlich zu erforschen. Dazu gehört ein Online-Portal, das in ganz Europa verteilte Archivmaterialien aus der NS-Zeit digital zugänglich macht. Das Portal wurde jetzt in Berlin vorgestellt.

Erinnerung wach halten

„Die Holocaustforschung hilft dabei, die Erinnerungen an die Gräueltaten des Nationalsozialismus und an die Opfer wach zu halten. 70 Jahre nach dem Ende von Krieg und Gewalt leisten wir dazu mit dem Start des Online-Portals EHRI einen weiteren wichtigen Beitrag“, sagte Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen bei der Vorstellung des Portals in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Das Online-Portal macht Recherchen deutlich leichter: Wer das Schicksal der eigenen Familie aufarbeiten will, musste bisher unzählige Dokumente, Fotos und Briefe in Archiven Papier für Papier durchgehen und dabei durch ganz Deutschland und Europa reisen. Jetzt kann man sich weltweit in das Online-Portal einloggen, die digitalisierten Ressourcen am Computer genau anschauen und gezielt nach Stichworten suchen.

Holocaustforschung vernetzen

Das Online-Portal ist das Ergebnis eines EU-geförderten Projekts, an dem Wissenschaftler von Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten und Archiven aus 13 europäischen Staaten und aus Israel seit 2010 gearbeitet haben. Neben der Arbeit am Online-Portal haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch dazu beigetragen, die Forschung zur Geschichte des Holocaust zu bündeln und besser zu vernetzen. In den letzten Jahren trafen sich Experten zu zahlreichen Gesprächen und Konferenzen, in Sommer- und Onlinekursen beschäftigte sich vor allem auch der wissenschaftliche Nachwuchs mit dem Thema.