Digitalisierung: Zeitenwende für die Forschung

Keynote von Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, anlässlich der 7. Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten (KSWD) in Berlin

Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während ihrer Rede.
Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während ihrer Rede. © RatSWD/Filipp Piontek

Sehr geehrte Frau Professor Riphahn,
sehr geehrter Herr Bender,
sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages,
meine Damen und Herren,

laut Duden ist „digitalisieren“ ein schwaches Verb mit der Bedeutung „ein analoges Signal in ein digitales umwandeln“.

Man kann wohl sagen: Kleiner Anstoß – große Wirkung.

Die Rolle von Wissenschaft und Forschung im Zeitalter der Digitalisierung

Die durch die Digitalisierung exponentiell vergrößerten Möglichkeiten Information zu speichern, zu übertragen, zu bearbeiten und wiederzugeben, haben fundamentale Transformationsprozesse in allen Bereichen der Gesellschaft  in Gang gesetzt. Ganz neue Möglichkeiten tun sich auf für Innovationen, für die Organisation des sozialen Zusammenlebens, für die Zukunft der Arbeit, für künstlerisches Schaffen. Zugleich werden uns immer mehr die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken bewusst. Wissen ist Macht, Information ist ein Machtinstrument, Desinformation ein Mittel zur Manipulation.

Wissenschaft und Forschung stehen in zweifacher Hinsicht im Fokus.

Zum einen verändert sich die Wissenschaft selbst durch den digitalen Wandel. Diese Entwicklung erfasst sämtliche Bereiche der Wissenschaft; sie schafft neue Formen des Erkenntnisgewinns. Sie eröffnet Chancen auf neues Wissen und Innovationen. Forschungsdaten können übergreifend genutzt und nachgenutzt werden, ihre maschinelle Auswertung verändert die Generierung des Wissens und das Wissen selbst. Auch die Vermittlung von Wissen verändert sich und damit die Hochschuldidaktik. Für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung eröffnen sich neue Möglichkeiten. Zugleich müssen wir bei allen Verheißungen Datensicherheit, Datenschutz und Datensouveränität mitdenken. Das ist Aufgabe verantwortungsvoller Forschung ebenso wie verantwortungsvoller Forschungspolitik.

Wissenschaft und Forschung stehen auch deshalb im Fokus und in der Pflicht, weil ihnen eine zentrale Rolle bei der Begleitung, Moderation und Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels durch Digitalisierung zukommt.

  • Wie wird aus Information Wissen?
  • Wie können wir alle in die Lage versetzt werden, Informationen und Nachrichten einzuordnen  und kritisch zu bewerten?
  • Wie bewältigen Menschen die enorme Beschleunigung von Veränderungsprozessen?

Aufgabe der Wissenschaft ist es, Aufklärung zu betreiben. Sie kann falsche Behauptungen entkräften und sie kann dazu beitragen, dass Menschen sich ein fundiertes eigenes Urteil bilden. In der digitalen Welt sind diese Fähigkeiten wichtiger denn je. Ich will nicht so weit gehen zu sagen, sie seien gefährdet. Aber die Euphorie der Anfangszeit, das Internet werde die Welt mittels all der frei verfügbaren Informationen quasi automatisch demokratischer machen, ist verflogen. Fake News, alternative Fakten, und Troll-Fabriken sind ein Angriff auf die Grundlagen unserer freien demokratischen Gesellschaft. Genau das meinte Ernst Wolfgang Böckenförde mit seinem bekannten Diktum, dass die Demokratie auf Grundlagen beruhe, die sie nicht selbst schaffen kann. Die Wissenschaft spielt hier eine bedeutende Rolle, und ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen überall bereits bewusst ist. „Wissenschaft muss für die Demokratie streiten“ war jüngst ein Artikel vom Präsidenten der DFG, Peter Strohschneider, überschrieben. Ich kann ihm nur zustimmen.

Der RatSWD ist sich seiner Rolle für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft bewusst: Mit Handreichungen zum Thema „Forschungsethik“, „Datenschutz“ sowie den „Leitlinien zum Forschungsdatenmanagement“ hat er in dieser Berufungsperiode wichtige Orientierungshilfen formuliert.

Für die geleistete Arbeit möchte ich dem RatSWD und allen Beteiligten meinen herzlichen Dank aussprechen.

Über diese Arbeiten hinaus hat der Rat zwei große Themen angepackt, die von zentraler Bedeutung nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für gesellschaftliche Entwicklungen generell sind. Sie stehen im Fokus der Wissenschaftspolitik und im Zentrum des Interesses in meinem Haus. Dabei handelt es sich:

  • Erstens um die Zukunft von Forschungsinfrastrukturen im Rahmen fortschreitender Digitalisierung und angesichts der Möglichkeiten von „Big Data“.
  • Zweitens um die Potenziale von Panel- und Surveydaten.

Zur Zukunft von Forschungsinfrastrukturen

Der RatSWD hat zu einem frühen Zeitpunkt die Entwicklung einer Forschungsdateninfrastruktur und die Erarbeitung gemeinsamer Standards gerade in den Sozialwissenschaften in Gang gebracht. Der Wissenschaftsrat hat dem RatSWD deshalb zu Recht eine Pionierrolle bei Forschungsdateninfrastrukturen zugesprochen.

Für das BMBF ist die Schaffung einer leistungsfähigen und nachhaltigen Forschungsdateninfrastruktur für das gesamte Wissenschaftssystem eine entscheidende Zukunftsaufgabe.

Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur ist ein strategisch unverzichtbares Element, um die Digitalisierung der Wissenschaft weiter voran zu treiben. Sie soll durch Vernetzung und basierend auf bestehenden Informationsinfrastrukturen entstehen. Sie wird also nicht irgendwo „auf der grünen Wiese“ neu erbaut.

Dazu benötigen wir eine kohärente Verzahnung der unterschiedlichen Initiativen. Wir müssen Insellösungen vermeiden. Deshalb haben vor mehr als zwei Jahren gemeinsam mit den Ländern den „Rat für Informationsinfrastrukturen“ eingerichtet – als „Scharnier“ zwischen Wissenschaft und Politik. Der RatSWD und der RFII stehen in engem Austausch. Diese Kooperation ist für den Erfolg der Digitalisierung in Wissenschaft und Forschung in Deutschland von großer Bedeutung. Ich möchte die künftigen Mitglieder des Rats sehr ermutigen, diese Kooperation in der neuen Berufungsperiode weiter zu intensivieren.

Wir zielen mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur darauf ab, mit der Wissenschaft und für sie Speicherkapazitäten und Services zu erarbeiten und bereitzustellen. Forschungsdaten sollen langfristig archiviert und auffindbar gemacht werden. Damit schaffen wir die Grundlage für die Nachnutzung und die Möglichkeit zur Verknüpfung von Forschungsdaten auch über Disziplingrenzen hinweg. Das ermöglicht neuen Erkenntnisgewinn.

Darüber hinaus trägt die Nationale Forschungsdateninfrastruktur zur Qualität des wissenschaftlichen Prozesses bei. Sie macht Forschungsdaten allgemein zugänglich und überprüfbar.

Um den vollen Nutzen auszuschöpfen, der sich aus der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur ergeben wird, müssen die Fähig­keiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Umgang mit Daten weiter gestärkt werden – und das in sämtlichen Disziplinen und auf allen Qualifikationsebenen. Dafür brauchen wir fortentwickelte wie auch neue Studiengänge und Berufsausbildungen – auch hier sind Wissenschaft und Hochschulen gefragt.

Bund und Länder erarbeiten derzeit auf der Grundlage der vom Rat für Forschungsinfrastrukturen erarbeiteten Empfehlungen einen Bericht mit Handlungsoptionen für eine NFDI. Am 7. April 2017 soll er den Ministerinnen und Ministern in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz vorgelegt werden.

Unterhalb der Ebene einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur muss es darum gehen, die Digitalisierung und das Datenmanagement in den Einzeldisziplinen zu gestalten: Das BMBF hat hier in vielen Fächern bereits themenspezifische und themenoffene Maßnahmen initiiert.

Beispiel 1: Die Geisteswissenschaften:

Hier investiert BMBF seit vielen Jahren in die Methoden- und Infrastrukturentwicklung – sowohl national als auch in internationalen Konsortien. Zentrale Vorhaben sind die Kompetenzzentren für Digital Humanities an deutschen Universitäten, die seit 2013 gefördert werden, und die Digitalisierung selbst.  Seit 2016 fördern wir auch die digitale Bereitstellung von Information über kulturwissenschaftlich relevante Materialien unter dem Begriff eHeritage.

Beispiel 2: Die Gesundheitsforschung:

  • Seit 2015 wird das Deutsche Netzwerk für eine Bioinformatik-Infrastruktur aufgebaut
  • und ebenso die Medizininformatik. Datenintegrationszentren an Universitätskliniken verbessern die Forschung und die Patientenversorgung.

Beispiel 3: Übergreifende Forschung zu Big Data:

Ich nenne nur das seit 2014 vom BMBF geförderte Berlin Big Data Center. Es entwickelt Technologien, um riesige heterogene Datenmengen zu organisieren und gleichzeitig daraus intelligent Informationen zu gewinnen. An diesem Zentrum werden zugleich Datenwissenschaftler ausgebildet.

Das BMBF engagiert sich also in hohem Maße für digitale Infrastrukturen, disziplinübergreifend wie für einzelne Disziplinen. Wir leisten damit einen entscheidenden Beitrag für die internationale Spitzenstellung der Wissenschaft und Forschung in Deutschland, heute und vor allem auch in den kommenden Jahren.

Die Potenziale von Panel- und Surveydaten

Zu dieser Spitzenstellung tragen auch die international anerkannten und vom BMBF in vielfältige Weise geförderten Panels und Surveys bei.

  • Ich nenne den European Social Survey – seit 1. Januar dieses Jahres ist er in der Grundfinanzierung des Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, GESIS, verankert.
  • Ich nenne SHARE – den Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe, als nationale Erhebung gefördert im DFG-Langzeitprogramm.
  • Ich nenne das Sozio-ökonomische Panel,
  • die NAKO-Gesundheitsstudie, früher Nationale Kohorte, Deutschlands größte Kohortenstudie  mit 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern  und
  • das Nationale Bildungspanel.

Der RatSWD hat diese in Europa ziemlich einzigartige Landschaft in einer Empfehlung zu Recht gewürdigt. Er hat zugleich eine verlässlichere Förderstruktur und eine nachhaltigere Förderung gefordert. Das hat uns etwas überrascht. Denn die genannten Beispiele sind alle nachhaltig finanziert – und zwar ganz wesentlich durch das BMBF.

Das heißt nicht, dass wir die Hände in den Schoss legen können oder wollen. Wir müssen erstens immer wieder fragen, ob die bestehenden Infrastrukturen hinreichend effizient sind und welches Entwicklungspotential sie haben. Wie können Verbindungen zwischen bestehenden Panels oder Surveys verbessert werden? Wie lässt sich in der Datenerhebung und in der Analyse die disziplinübergreifende Kooperation konkret verbessern – etwa zwischen Sozialwissenschaften und Gesundheitsforschung? Gibt es Panels oder Surveys, deren Fortführung ernsthaft überdacht werden sollte? Wie lässt sich im stabilen Gefüge der vorhandenen Panel- und Survey-Landschaft der Weg für neue methodische Ansätze systematisch offen halten?

Wir müssen zweitens die existierenden Großerhebungen stärker für gesellschaftsrelevante Forschungsthemen nutzen: Welche Instrumente sind für die sogenannte Nachnutzung geeignet? Muss die Verwendung bestehender Daten für die eigene Forschung in höherem Maße wissenschaftlich anerkannt werden? Müssen Förderkonditionen verändert werden, damit Sekundäranalysen nicht als Makel verstanden werden?

Hier bin ich auf Ihre Anregungen gespannt!

Viel zu tun gibt es auch, was verlässliche Daten zu Migration und Integration anbelangt.  Darüber werden Sie sich heute und morgen intensiv austauschen und auch hier werden wir Ihre Anregungen gerne aufgreifen.

Auch in diesem Bereich fangen wir nicht bei Null an. Wir können in Deutschland auf einer auch im europäischen und internationalen Vergleich guten Basis aufbauen. So konnte die Wissenschaft mit Hilfe der vorhandenen Infrastrukturen sehr rasch auf Fragen reagieren, die sich angesichts der vielen Flüchtlinge in Deutschland stellen.

Ein Beispiel dafür ist die vom BMBF geförderte Kooperation des Sozio-Oekonomischen Panels mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Hier wurden etwa 4.000 Flüchtlingen und ihre Familien befragt. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.

Ein anderes Beispiel ist eine große Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe. Sie geht den Fragen nach: Welchen Beitrag leisten Bildungseinrichtungen wie Kindergarten, Schule oder Betrieb für die Integration von Flüchtlingen? Und wie kann man ihn verbessern? In dieser ebenfalls vom BMBF geförderten Studie geht es zum einen um Kinder, die bei Studienbeginn vier Jahre alt sind. Sie wechseln im Laufe der Untersuchung vom Kindergarten in die Grundschule; zum anderen geht es um Jugendliche, die vor einem Wechsel von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II oder in das Berufsbildungssystem stehen. Erste Ergebnisse werden im Jahr 2018 vorliegen.

Gute Daten und Statistiken sind essentiell für überzeugende Gesellschaftsanalysen und gute Politikberatung. In diesem Sinne hat der RatSWD Schwachstellen des Zensus 2011 identifiziert und in einem internationalen Vergleich Verbesserungen für den Zensus 2021 vorgeschlagen.

In ähnlicher Weise hat sich das BMBF erfolgreich für die Differenzierung der Daten zu Migration eingesetzt. 2005 hat der Mikrozensus erstmals erfasst, wer in Deutschland und wer außerhalb geboren wurde und wann er oder sie zugezogen ist. Dadurch konnte zum ersten Mal die Größenordnung der Migration unabhängig von der Staatsangehörigkeit dargestellt werden. Es zeigt sich, dass Menschen mit Migrationshintergrund schon 2005 fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Ihr Anteil war damit doppelt so hoch, wie unter bloßer Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit angenommen worden war. Die mit der Zuwanderung verbundenen Herausforderungen konnten so präziser dargestellt werden. Sie haben zu einer Neuausrichtung der Integrationspolitik beigetragen.

Ab 2017 sieht das neue Mikrozensusgesetz weitere Differenzierungen vor: Nun wird auch nach dem „Grund des Zuzugs“, der „im Haushalt vorwiegend gesprochene Sprache“ und der „Dauer des Schulbesuchs im Ausland“ gefragt werden. Damit werden wir die Möglichkeit haben, spezielle Bildungsbedürfnisse der Geflüchteten abzuleiten.

Digitalisierung und Innovation

Die Digitalisierung ist eine Zeitenwende für die Forschung. Noch nie konnte sie auf so viele Daten zurückgreifen, nie hat sie so viele Daten produziert. Das gilt nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Wirtschaft. Insbesondere die Schnittstelle von Forschung und Wirtschaft ist in vielerlei Hinsicht eine Daten-Schnittstelle geworden.

Digitale Infrastrukturen sind kein Selbstzweck. Sie sind Ausgangspunkt neuer Erkenntnisse und von Innovationen. Sie werden im Verlauf der Tagung auch hierüber sprechen.

Der kürzlich veröffentlichte „Science Technology and Innovation Outlook 2016“ der OECD sowie die aktuelle Innovationserhebung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen, dass sich Deutschlands Innovationskraft sowohl aus nationaler Sicht als auch im internationalen Vergleich positiv entwickelt. 2015 lagen danach die FuE-Ausgaben erstmals bei 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland gehört damit zu den fünf investitionsstärksten Ländern weltweit. Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft sind im Jahr 2015 um 8,8% auf rund 157 Milliarden gestiegen. Davon gingen viele Milliarden in die Digitalisierung.

Das BMBF fördert diese digitale Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nicht nur mittelbar über Informationsinfrastrukturen, sondern auch über das Rahmenprogramm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“. Im Mittelpunkt stehen Digitalisierungsprozesse in diesen Bereichen. Dafür stellen wir für die Jahre 2014 bis 2020 etwa eine Milliarde Euro bereit.

Zugleich ist uns allen bewusst, wie stark die digitale Konkurrenz ist. Die Ausgaben für Forschung und Innovation von Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft liegen bei über 10% des Umsatzes. Wir beobachten eine stetig wachsende Marktmacht dieser Konzerne. Auf der Grundlage von Nutzerdaten bauen sie sich ihre eigenen Märkte auf.

Unternehmerische Freiheit prallt hier auf schutzwürdige Interessen und unternehmerisches Handeln hat gesellschaftliche Folgen für Milliarden von Menschen. Dabei kann das in den 1970er Jahre formulierte Prinzip der Datensparsamkeit nicht mehr die Leitlinie sein. Wir wollen Datenschätze heben, ohne ein deutsches respektive europäisches Verständnis von Datenschutz aufzugeben; wir wollen die Chancen nutzen, ohne die Risiken zu verharmlosen. Dazu müssen wir Datensouveränität ermöglichen und vermitteln.

Den Folgen der Digitalisierung müssen wir uns noch stärker als bisher widmen. Das BMBF tut das zum Beispiel mit dem Rahmenprogramm für IT-Sicherheit „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“ und mit dem Aufbau des deutschen Internet-Instituts. Dessen Aufgabe wird es vor allem sein, die gesellschaftlichen Entwicklungen im Zeitalter der Digitalisierung zu erforschen. In diesem Frühjahr werden wir wissenschaftsgeleitet unter Beteiligung einer Jury die Entscheidung treffen. Das Institut wird noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen.

Der RatSWD ist in der Wahl seiner Themen frei. Und er hat dabei eine glückliche Hand bewiesen. Er wird auch künftig nicht nur für die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften von großer Bedeutung sein, sondern auch für den gelungenen Aufbau von Infrastrukturen und für gute Antworten auf Fragen der Digitalisierung, die alle betreffen.

Drängende Themen gibt es viele, vielleicht erlauben Sie mir gleichwohl, einen Wunsch zu äußern: Mir scheint, dass in Deutschland die wissenschaftliche Analyse der sozialen Medien als, ich nenne es einmal so, Dateninfrastrukturen, und was das gesellschaftlich bedeutet, noch wenig ausgeprägt ist. Analysen, politische Handlungsoptionen und sogar Visionen sind hier von Nöten.

Ihnen allen wünsche ich eine spannende Tagung und den neu zu wählenden Mitgliedern viel Freude und Erfolg für ihre neuen Aufgaben.

Vielen Dank.