Duales Ausbildungssystem weltweit gefragt

Das Bundesbildungsministerium kooperiert mit ausgewählten Ländern, die am dualen Ausbildungssystem deutscher Prägung zwecks Weiterentwicklung ihrer nationalen Berufsbildung interessiert sind.

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Bevor die grenzübergreifende Berufsbildungskooperation beginnt, wird vom Bundesbildungsministerium im gegenseitigen Austausch mit den zuständigen Partnerministerien der konkrete Beratungsbedarf des jeweiligen Partnerlandes geklärt. Dieser Bedarf wird in bilateralen Abkommen zwischen den Partnerministerien formuliert und legt fortan den Rahmen für die künftige berufsbildungsbezogene Zusammenarbeit fest.

Partner in Europa

In der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit werden unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte in Europa und im außereuropäischen Raum gesetzt. Im europäischen Kontext stehen vornehmlich Ansätze zur Förderung der Jugendbeschäftigung im Vordergrund. Die vergleichsweise niedrige (Jugend-)Arbeitslosigkeit in Deutschland wird unter anderem auf das am Arbeitsmarktbedarf orientierte duale Berufsbildungssystem hierzulande zurückgeführt.

Bei der Berliner Ministerkonferenz zur Beruflichen Bildung in Europa im Dezember 2012 hat das Bundesbildungsministerium unter Einbindung der Europäischen Kommission mit Partnerministerien der europäischen Länder Griechenland, Italien, Lettland, Portugal und Slowakei ein Memorandum zur Berufsbildungszusammenarbeit unterzeichnet. Gegenstand des Abkommens mit diesen Ländern ist einerseits der Austausch zu aktuellen Fragen der Berufsbildungspolitik; andererseits werden konkrete Kooperationsmaßnahmen gemeinsam umgesetzt, die der Modernisierung der jeweiligen Berufsbildungssysteme dienen und die sich stets am dualen Ausbildungsmodell orientieren. Die gemeinsamen Absichtserklärungen wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich verlängert und konzeptionell angereichert. Die in den Abkommen vereinbarten Aktivitäten werden seitdem in bilateralen Arbeitsgruppen mit den jeweiligen Partnerministerien der genannten Länder abgestimmt und umgesetzt.

ProTandem – Deutsch-Französische Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung

Die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Berufsbildung existiert bereits seit 1980 im Rahmen der sich mindestens einmal jährlich treffenden Expertenkommission. Unter diesem Dach fördert das Bundesbildungsministerium gemeinsam mit den französischen Bildungs- und Arbeitsministerien ein Deutsch-Französisches Austauschprogramm für Auszubildende, Lehrer, Ausbilder sowie Erwachsene in der Weiterbildung das von ProTandem mit Sitz in Saarbrücken durchgeführt wird und jährlich rund 3.000 Teilnehmenden einen Lern- und Kulturaufenthalt im Partnerland ermöglicht. Mittlerweile finden die Austausche von ProTandem in der Ausbildung in mehr als 50 verschiedenen Berufsgruppen statt. Die Agentur erreichte 2017 eine Rekordzahl mit dem hunderttausendsten Teilnehmenden seit Bestehen seines Austauschprogramms. Bis Ende 2020 wird mit mehr als 110.000 Teilnehmenden gerechnet.

Nicht nur in Europa

Im außereuropäischen Raum steht im Rahmen der jeweiligen Berufsbildungskooperation des Bundesbildungsministeriums generell neben der Implementierung einzelner Elemente des dualen Systems im Partnerland die Deckung des Fachkräftebedarfs deutscher Unternehmen auf den jeweiligen Auslandsmärkten im Vordergrund. Das Bundesbildungsministerium unterhält derzeit Kooperationen mit China, Costa Rica, Ghana, Indien, Iran, Mexiko, Russland, Südafrika, sowie den USA. Darüber hinaus kooperieren das Bundesbildungsministerium und das israelische Ministerium für Wirtschaft im Deutsch-Israelischen Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung; für die entsprechende Umsetzung ist seit 2013 die Nationale Agentur im Bundesinstitut für Berufsbildung (NA BIBB) zuständig.

Die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung (GOVET), die im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) angesiedelt ist, berät das Bundesbildungsministerium bei den grenzüberschreitenden Kooperationen mit fachlicher Expertise. Der DLR Projektträger ist mit der Konzipierung, Umsetzung und Weiterentwicklung der Förderrichtlinien der Berufsbildungszusammenarbeit betraut und begleitet die bilateralen Länderkooperationen. Weltweit unterstützen außerdem die Auslandshandelskammern (AHK) sowie die deutschen Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes die Berufsbildungszusammenarbeit im jeweiligen Partnerland.

Ebenfalls im BIBB angesiedelt ist die vom Bundesbildungsministerium geförderte Initiative iMOVE, die für Unternehmen im Aus- und Weiterbildungssektor ein umfangreiches Informations- und Serviceangebot anbietet.

Intensivierung der Berufsbildungskooperationen in den letzten Jahren

In den verschiedenen Kooperationsländern sind neben dem Bundesbildungsministerium weitere Ressorts und Akteure aktiv. Um die verschiedenen Aktivitäten besser aufeinander abzustimmen und zu koordinieren und damit die Kooperationen zu intensivieren, entwickelt das Bundesbildungsministerium federführend, gemeinsam mit den vor Ort aktiven Bundesressorts und den Wirtschafts- und Sozialpartnern, Länderstrategien zur Berufsbildungskooperation. Diese legen die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Kooperation und beschreiben Aktionslinien für Projekte und Maßnahmen in den Kooperationsländern. Die Länderstrategien berücksichtigen dabei die Aktivitäten und Interessen der beteiligten Partner und führen diese zielgerichtet zusammen.

Mit der Förderbekanntmachung „Richtlinie zur Förderung von Implementierungsprojekten von Organisationen der Wirtschafts- und Sozialpartner im Rahmen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit – WiSoVET“ fördert das Bundesbildungsministerium, flankierend zu den Länderstrategien, Projekte zur Gestaltung und Umsetzung der Berufsbildungskooperationen unter Beteiligung von Kammer- und Arbeitnehmerorganisationen. Begleitet wird die Umsetzung der Förderbekanntmachung durch die BMBF-finanzierten Strategieprojekte bei den Dachverbänden der Wirtschafts- und Sozialpartner: DIHK, DGB und ZDH.