Dürre im südlichen Afrika: BMBF unterstützt Länder der Region bei Anpassung an den Klimawandel.

Am gestrigen Donnerstag sind in Windhuk, Namibia, die Minister von fünf Ländern des südlichen Afrika mit Vertretern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zusammengetroffen.

Zweck war die Gründung einer Internationalen Organisation, um die Zukunft des Kompetenzzentrums „SASSCAL – Southern African Science Service Center for Climate Change and Adaptive Land-Management“ zu sichern. Dazu erklärt die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek:

"Wir unterstützen den Aufbau exzellenter Bildungsstrukturen im südlichen Afrika. Denn Hilfe zur Selbsthilfe im Umgang mit dem Klimawandel braucht viele gut ausgebildete Menschen. Wir wissen, dass das südliche Afrika vom globalen Klimawandel besonders stark betroffen ist. Die Berichte des Weltklimarats belegen, dass in der Region in den kommenden Jahrzehnten weitere Dürren und Extremwetterereignisse drohen. Diese Entwicklung geht uns alle an. Im Klimaabkommen von Paris haben sich die Industriestaaten deshalb dazu verpflichtet, die ärmeren Regionen der Welt bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Essentiell dabei ist eine innovative internationale Zusammenarbeit. Wassermanagement etwa ist ein solches wichtiges Arbeitsfeld, das wir gerne mit unserem Know-How bereichern. Aus diesem Grund wird mein Haus auch das Kompetenzzentrum SASSCAL weiter fördern und bis zu zehn Millionen Euro für ein neues Forschungsprogramm zur Entwicklung von Klimadienstleistungen bereitstellen. Drei Millionen Euro sind für den Aufbau einer Graduiertenschule eingeplant. Damit helfen wir den Innovationen im Energiemanagement auf die Sprünge.“

Kaum eine Region leidet so sehr unter den Folgen des Klimawandels wie das südliche Afrika, wie jüngste Meldungen über die Dürre in Sambia erneut eindrücklich zeigt. Im südlichen Afrika werden die höchsten Temperaturzunahmen in der südlichen Hemisphäre gemessen. Seit Jahren gehen die Niederschläge zurück und die Erntemengen sinken. Gleichzeitig liegt in manchen Ländern die Entwaldungsrate so hoch wie nirgendwo sonst auf der Welt. Ein großer Teil der Bevölkerung weiß sich nicht anders zu helfen, als immer neue landwirtschaftliche Nutzflächen zu erschließen, denn kleinbäuerliche Landwirtschaft ist nach wie vor die primäre Lebensgrundlage. Die Entwaldung befördert jedoch Trockenheit und den Verlust fruchtbarer Böden – ein fataler Kreislauf.

Gemeinsam mit den Partnerländern des südlichen Afrika ist es dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gelungen, bedarfsgerechte wissenschaftliche Ausbildungs- und Forschungskapazitäten nicht nur aufzubauen, sondern zu verstetigen. Diese schaffen einen erheblichen Mehrwert für die politischen Entscheidungsträger und Praktiker in der Region.

Die Länder nutzen Forschung und Daten der Zentren für konkrete Maßnahmen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Das reicht von besseren Klimaprognosen oder zuverlässigen Kartierungen von Landnutzungsänderungen bis zu konkreten Vorschlägen an die Bauern für die Bepflanzung der Felder.

Das BMBF hat in diesem Jahr gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum ein neues afrikanisch-deutsches Forschungsprogramm zur Entwicklung nutzernaher Klimadienstleistungen aufgelegt und dafür Fördermittel bis zu zehn Millionen Euro zugesagt. Die Ergebnisse werden im "Open Access Data Center" in Windhuk, Namibia zusammengeführt, das zusammen mit den regionalen Messnetzwerken das Herzstück von SASSCAL darstellt.

Zudem investiert das BMBF in die akademische Ausbildung. Gute Bildungsstrukturen und funktionierende Wissenschaftssysteme sind wichtige Voraussetzungen für Innovation, gesellschaftliche Teilhabe, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum. Viele afrikanische Länder haben dabei großen Nachholbedarf. Daher sagt das BMBF bis zu drei Millionen Euro Fördermittel für den Aufbau einer SASSCAL Graduiertenschule für Wasserressourcen-Management in Namibia zu.

Hintergrund

Die Mitgliedsstaaten des Klima-Kompetenzzentrums SASSCAL (Southern African Science Service Center for Climate Change and Adaptive Land-Management) im südlichen Afrika unterzeichnen heute in Windhuk (Namibia) den Gründungsvertrag zur Überführung des Kompetenzzentrums in die Internationale Einrichtung SASSCAL.

Seit 2010 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) rund 40 Millionen Euro Fördermittel in den Aufbau von SASSCAL investiert. Afrikanische und deutsche Forschungseinrichtungen kooperieren eng miteinander, um den Klimawandel und seine Folgen für Wasserverfügbarkeit, Ernährungssicherung und die Nutzung natürlicher Ressourcen in der Region besser zu verstehen. Junge, qualifizierte Akademikerinnen und Akademiker werden exzellent ausgebildet, Messnetze verdichtet und bestehende Forschungsinfrastrukturen besser vernetzt. Als Internationale Organisation (IO) soll SASSCAL in Zukunft durch die Mitgliedsländer des südlichen Afrika, Namibia, Südafrika, Botswana, Sambia und Angola getragen und finanziert werden. Das BMBF wird kein Mitglied in der IO sein, sich aber weiterhin mit Mitteln für Forschung und Kapazitätsentwicklung engagieren. SASSCAL ist eines von zwei Kompetenzzentren für Klimawandel und angepasste Landnutzung in Afrika, die das BMBF aufgebaut hat.

In den vergangenen Jahren hat SASSCAL bereits erfolgreich rund 90 Forschungsprojekte mit 80 Partnerinstitutionen durchgeführt. 160 Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen wurden ausgebildet und ein Netzwerk von 156 Wetterstationen sowie 54 Biodiversitätsobservatorien geschaffen. Ein operatives zentrales Rechen- und Servicezentrum in Windhoek führt die Forschungsergebnisse zusammen und entwickelt daraus nutzernahe Datenprodukte und Klimadienstleistungen.

Das Zentralsekretariat mit Sitz in Windhuk hat dabei eine Beratungsfunktion als Daten- und Servicecenter für Landnutzer, Planer und Politiker inne und beherbergt gleichzeitig die zentrale Verwaltung. In allen Mitgliedsländern wurden zudem nationale Büros eingerichtet, die eine koordinierende Funktion für inhaltliche Schwerpunkte übernehmen und als nationale Anlaufstelle dienen sollen.