E-ELT – das größte Auge der Menschheit

Im Jahr 2024 soll in Chile das größte optische Teleskop der Welt in Betrieb gehen: das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Spiegeldurchmesser. Es wird Planeten untersuchen und ferne Galaxien so detailliert abbilden wie nie zuvor.

Das European Extremely Large Telescope, kurz E-ELT, wird das größte jemals gebaute optische Teleskop. Sein Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 39 Metern und besteht aus 798 einzelnen Spiegeln. © ESO/L. Calçada

In der trockenen und wolkenfreien Atacama-Wüste in Chile sind schon heute viele der leistungsfähigsten Teleskope der Welt beheimatet. Denn die Wüste bietet ideale Bedingungen für astronomische Beobachtungen. Die Europäische Südsternwarte ESO mit Hauptsitz in Garching bei München betreibt dort mehrere Observatorien: La Silla, das Very Large Telescope (VLT) und das Atacama Large Millimeter Array (ALMA).

Seit 2014 entsteht in 20 Kilometern Entfernung vom VLT das nächste gigantische Teleskop. Während das VLT aus vier einzelnen Teleskopen mit jeweils acht Metern Durchmesser besteht, wird das „extrem große Teleskop“, das E-ELT, einen Hauptspiegel mit 39 Metern Durchmesser besitzen. Damit kann es 15-mal so viel Licht einsammeln wie die bisherigen Teleskope der Zehn-Meter-Klasse und 16-mal kleinere Details erkennbar machen als das Weltraumteleskop Hubble.

Damit das Teleskop diese Leistungsfähigkeit überhaupt erreichen kann, sind einige technische Meisterleistungen notwendig: Der Hauptspiegel etwa besteht aus 798 einzelnen Sechseckspiegeln, die beweglich gelagert sind. Sie können fortwährend so angepasst werden, dass die Spiegelform bei jeder Temperatur und jeder Neigung des Teleskops der optisch idealen Form entspricht.

Das Licht des Teleskops wird auf dem Weg zu den Kameras über einen weiteren Spiegel gelenkt, der tausendmal pro Sekunde mit fast 6000 Stellelementen verformt werden kann und so die Luftunruhe ausgleicht. Dabei helfen sechs „künstliche Sterne“, die mit Lasern 90 Kilometer hoch in die Atmosphäre projiziert werden.

Das E-ELT wird für die Wissenschaft ab Betriebsbeginn im Jahr 2024 ganz neue Blicke auf das Universum ermöglichen. Erst mit diesem neuen Teleskop wird es beispielsweise möglich, erdähnliche Planeten anderer Sterne direkt zu entdecken und zu beobachten. So kann es gelingen, dort möglicherweise Hinweise auf Wasser, eine Atmosphäre und sogar lebensfreundliche Bedingungen zu finden.

Andere wichtige Fragestellungen für das E-ELT betreffen die Frühgeschichte und die Zukunft des Universums oder die Rolle von Schwarzen Löchern. Ganz sicher werden mit den neuen Beobachtungsmöglichkeiten auch neue Rätsel aufgeworfen werden. Von den rund 2500 Astrophysikerinnen und Astrophysikern in Deutschland werden rund zwei Drittel mit Daten des E-ELT arbeiten. Das E-ELT ist der nächste langfristige Entwicklungsschritt der bodengebundenen optischen Astronomie.

Die ESO hat zurzeit 15 Mitgliedsstaaten, die gemeinsam das neue Großprojekt wissenschaftlich, technisch und finanziell tragen. Deutschland steuert als größtes ESO-Mitglied rund 230 Millionen Euro der Baukosten des E-ELT von insgesamt 1104 Millionen Euro bei (Preisbasis 2014). Wichtige Instrumente des E-ELT wie die MICADO-Kamera werden darüber hinaus auch mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums aus der Verbundforschung gefördert.