Ein Jahr Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung

Rede der Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen anlässlich des Jahrestreffens der BNE Gremien

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Mitglieder der Fachforen, Partnernetzwerke sowie der Jugendforen,
sehr geehrter Herr Hirche,
sehr geehrter Herr Prof. Santarius,
sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor einem Jahr hat die Nationale Plattform den Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Gelegenheit, um eine erste Bilanz zu ziehen. Herzlich willkommen zum Jahrestreffen der BNE Fachforen und Partnernetzwerke!

Wir haben deutliche Fortschritte bei der Verankerung von Nachhaltigkeit in unserem Bildungswesen gemacht. Durch den partizipativen Agendaprozess beschäftigen sich viele mit BNE, die das bislang nicht getan haben. Das zeigen die neuesten Ergebnisse des Monitorings der FU Berlin.

Die positive Entwicklung schlägt sich bereits in der Praxis nieder. Eine repräsentative Befragung von mehr als 2.500 jungen Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren und 525 Lehrerinnen und Lehrern zeigt: Die Bedeutung nachhaltiger Entwicklung ist in den letzten drei Jahren sowohl für Lehrkräfte, als auch für Schülerinnen und Schüler gestiegen. 4/5 der Lehrkräfte sehen es als ihre Aufgabe an, Nachhaltig­keitsthemen in ihren Unterricht zu integrieren. Die Motivation ist hoch. Wenn die Lehrkräfte nach der idealen Schule gefragt werden, würden sie viel häufiger BNE-Bezüge herstellen. Gegenwärtig weisen nur 16% der Unterrichtszeit diese Bezüge auf. Das heißt: Die Möglichkeiten, BNE in den Unterricht zu integrieren, müssen strukturell weiter verbessert werden.

Mit mehr als 150 Commitments von rund 50 Organisationen und Institutionen füllt sich der Aktionsplan mit Leben! Wir als BMBF nehmen die Umsetzung unserer Commitments ernst, von der frühen Bildung bis zur Fortbildung von Arbeitnehmern und Führungskräften

Drei Beispiele:

  • Gerade junge Menschen wollen Verantwortung für Mensch und Umwelt auch im Beruf übernehmen und berücksichtigen dies zunehmend bei der Wahl ihres Ausbildungsbetriebes und Arbeitgebers. In der Beruflichen Bildung engagieren wir uns deshalb in den Handlungsfeldern „Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit“ und „Nachhaltige Lernorte etablieren“. Die Gestaltung dieser Lernorte kann zur Fachkräfte­entwicklung und -bindung beitragen. Zugleich sind die Beschäftigten wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks werden wir als BMBF bereits 2018 alle aktuellen Commitments zur beruflichen Bildung umgesetzt haben.
  • Seit September 2017 gibt es das erste nationale BNE-Jugendforum, das gemeinsam mit den Fachforen und Partnernetzwerken den Aktionsplan umsetzt. Ich freue mich besonders, dass einige Mitglieder heute hier sind. Seit Ende letzten Jahres engagieren Sie sich in konkreten Projekten, organisieren Veranstaltungen oder arbeiten in den Fachforen mit. Wir haben uns sehr bewusst für das Jugendforum entschieden. Denn ohne die junge Generation keine Nachhaltigkeit!
  • Drittes Beispiel: Wir wollen zu BNE-Indikatoren kommen. Dazu haben wir im September 2017 eine Förderrichtlinie veröffentlicht. Die eingereichten Anträge wurden Anfang 2018 in einen externen Begutachtung­s­prozess gegeben. Der Förderbeginn für die ersten Projekte ist für das 2. Halbjahr 2018 vorgesehen. Erste Ergebnisse werden in die Aktualisierung der Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2020 einfließen.

Jetzt gilt es, gemeinsam den Weg konsequent weiterzugehen! Trotz großer Fortschritte bleibt es für die kommenden Jahre eine große Aufgabe, den Aktionsplan umzusetzen. Deshalb wollen wir als BMBF unsere Mittel für BNE von 2019 an deutlich zu steigern. Dem muss der Deutsche Bundestag im Juli noch zustimmen.

Aktuell begegnet nur knapp die Hälfte der befragten jungen Menschen dem Thema nachhaltige Entwicklung in ihrer derzeitigen Bildungsinstitution. Jugendliche bewerten ihr Wissen über nachhaltige Entwicklung durchschnittlich mit der Schulnote 3. Lehrkräfte schätzen ihr Wissen über BNE sogar noch schlechter ein. Das Anfang Juni veröffentlichte Gutachten einer internationalen Expertengruppe zur deutschen Nachhaltigkeitspolitik generell kommt zu dem Schluss, dass Deutschland zwar auf einem guten Weg ist, die eigenen Ziele aber noch ehrgeiziger verfolgen muss. Eine der elf Empfehlungen der Experten ist, die Bildung für nach­haltige Entwicklung und die Fähigkeit zum System­denken weiter zu stärken. Nachhaltige Entwicklung soll in die Lehrpläne auf allen Ebenen des Bildungssystems integriert werden. Der Nationale Aktionsplan BNE zeigt auf, wie das gelingen kann.

Außerdem wollen wir in Zukunft noch mehr Menschen erreichen. Wir wollen erfahrene Akteure, insbesondere die Partnernetzwerke, noch stärker einbeziehen. Zum ersten Mal haben wir heute alle Mitglieder der BNE-Gremien, sowohl der Fachforen als auch der Partnernetzwerke, eingeladen. Wir wollen Netzwerke festigen und erweitern. Daher kommen wir in diesem Jahr zu Ihnen – in die Länder und Regionen. Mit den rund 20 Veranstaltungen unserer Deutschlandtour wollen wir BNE und den Nationalen Aktionsplan überall bekannt machen. Auch die 17 Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen können BNE konkreter und greifbarer machen. Möglichkeiten zu erschließen, wie wir unseren Konsum gerecht und verantwortungsvoll gestalten können (Ziel 12), wie wir Ernährungssicherheit erreichen (Ziel 2) oder wie wir Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herstellen (Ziel 5) – all dies sind Kernanliegen der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

In der vergangenen Woche hat die Meldung für Empörung gesorgt, dass der Versandhändler Amazon große Mengen an neuen Waren vernichtet. Das ist das glatte Gegenteil von Nachhaltigkeit. Hier werden Ressourcen wie Arbeit, Energie und Materialien verschwendet. Im BNE-Kontext kann dieses Beispiel sensibilisieren, zumal fast jeder Amazon nutzt. Hier können wir zum Beispiel die Brücke schlagen zum Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum des BMU, das seit 2016 existiert. Das Programm versteht sich als Beitrag zur Umsetzung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung und des globalen Nachhaltigkeitsziels 12. Es soll den nachhaltigen Konsum aus der Nische holen und zum Mainstream machen. Das BMBF fördert entsprechende Forschung dazu im Programm für nachhaltige Entwicklung (FONA).

Der Koalitionsvertrag sieht vor, die Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu intensivieren. Um das Ziel der strukturellen Implementierung der BNE in allen Bildungs­bereichen zu erreichen, sollten wir zukünftig verstärkt auf kommunaler Ebene und im non-formalen Bildungsbereich ansetzen. Gerade auf kommunaler Ebene besteht großes Interesse an BNE. Der non-formale Bereich ist in Deutsch­land das Rückgrat der BNE-Entwicklung. So kamen in der abgelaufenen UN-Dekade beispielsweise 60 Prozent der ausgezeichneten Akteure aus der außerschulischen Bildung. Daher plant das BMBF dazu neue Aktivitäten.

 Unsere Arbeit wird im Jahr 2019 mit dem Ende des UNESCO-Weltaktionsprogramms nicht aufhören. Daher setzen wir uns auch auf internationaler Ebene weiter für BNE ein. Im Frühjahr dieses Jahres hat Deutschland die von Japan in den UNESCO-Exekutivrat eingebrachte Resolution zu einem BNE Folgeprogramm unterstützt. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Die Inhalte dieses Folgeprogramms gestalten wir aktiv mit, z. B. bei einem Treffen der internationalen Key Partner in Costa Rica im April 2018. Dort wurde ein Positionspapier der UNESCO zu einem BNE Programm ab 2020 beraten. Bei einem Treffen in Bangkok im Juli soll es unter den Mitgliedstaaten abgestimmt werden. 2019 soll der endgültige Programmentwurf den Gremien der UNESCO und der Vereinten Nationen vorgelegt und von ihnen verabschiedet werden. Das neue Programm wird die Bedeutung der Bildung für die Umsetzung aller Ziele für nachhaltige Entwicklung hervorheben Es versteht BNE stärker als je zuvor als Schlüsselelement für den Aufbau einer friedlichen und nachhaltigen Welt, um das Überleben und den Wohlstand nicht nur der gegenwärtigen, sondern auch der zukünftigen Generationen zu sichern. Das Programm soll Anfang 2020 starten und ist, wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung, bis zum Jahr 2030 angelegt. Die große Auftaktveranstaltung für das neue Programm wollen wir nach Berlin holen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Sie alle haben viel Zeit und Energie in die Erarbeitung des Aktionsplans investiert. Dafür mein herzlicher Dank! Verwenden wir jetzt auf die Umsetzung genau so viel Energie! Sie alle sind heute hier. Das belegt, dass sie dazu bereit sind. Gemeinsam brauchen wir einen langen Atem, um langfristig Strukturen zu verändern. Die Agenda 2030 nennt wirksame Partnerschaften als eigenes Ziel (Ziel 17).

In diesem Sinne müssen wir als Partner handeln, in Deutschland und darüber hinaus.

Dante hat gesagt: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam handeln.

Vielen Dank.