Ein Meilenstein zum Schutz vor HIV

Ein neuartiger Vaginal-Ring soll Frauen vor einer Ansteckung mit HIV schützen. Der Ring, dessen Entwicklung das BMBF fördert, soll vor allem in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen. Doch auch Deutschland könnte profitieren.

HIV
3D-Illustration des HI-Virus. Weltweit sind rund 38 Millionen Menschen infiziert. © Thinkstock

Weltweit sind rund 38 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Mehr als die Hälfte davon lebt im östlichen und südlichen Afrika. Und Frauen haben hier ein fast doppelt so hohes Risiko sich mit HIV zu infizieren. Ihnen fehlt bisher geeigneter und vor allem selbstbestimmter Schutz. Die gemeinnützige Organisation IPM wurde 2002 gegründet, um genau hier anzusetzen. Sie entwickelt neue HIV-Präventionsmethoden, die insbesondere Frauen in Entwicklungsländern selbstbestimmt anwenden können. IPM arbeitet dabei mit einer Reihe von pharmazeutischen Firmen zusammen, um erfolgversprechende Mikrobizide zur HIV Prävention zu entwickeln.

Das am weitesten von IPM entwickelte Produkt ist ein Dapivirin-Vaginal-Ring, der nach IPM-Angaben das Potential besitzt, bis 2030 über eine halbe Million neue HIV-Infektionen in 13 Ländern in Subsahara-Afrika zu verhindern. Der Silikonring, den sich Frauen selbst einsetzen können, setzt kontinuierlich und direkt am Ort der möglichen Infektion durch vaginalen Geschlechtsverkehr über 28 Tage den Wirkstoff Dapivirin frei, der die Fähigkeit des HI-Virus blockiert, sich in gesunden Zellen zu replizieren.

IPM konnte hier nun einen ersten großen Erfolg melden. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ende Juli eine positive Stellungnahme zum 28-Tage Dapivirin-Ring abgegeben. Diesen Zulassungsprozess hat auch das BMBF mit einem Teil der Fördermittel in Höhe von 10 Mio. EUR unterstützt.

Die positive EMA-Stellungnahme ist ein entscheidender Schritt, dass die WHO den Ring nun zügig in ihre Richtlinien aufnimmt und anschließend Genehmigungsbehörden in den Ländern, in denen der Dapivirin-Vaginalring genutzt werden soll, den Ring zur Anwendung zulassen. Das sind insbesondere Länder mit hoher HIV-Prävalenz vor allem im südlichen Afrika. Als nächstem Schritt strebt IPM Zulassung in Südafrika an.

Auch in Deutschland könnte der Ring einen Markt haben. Vor allem dann, wenn sich seine Wirkungsdauer von gegenwärtig einem Monat auf drei Monate erhöht und gleichzeitig als Kontrazeptiva, also schwangerschaftsverhütend, wirkt. Daran forscht IPM weiter und hofft, hierfür in den nächsten Jahren ebenfalls Zulassungen zu erhalten.

IPM ist eine gemeinnützige Produktentwicklungspartnerschaft (engl. Product Development Partnerships – PDP). Die Unterstützung von PDPs ist ein wichtiger Baustein des Förderkonzepts des Bundesforschungsministeriums. Seit 2011 beteiligt sich das BMBF an diesen internationalen Initiativen zur Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika.

In der gegenwärtigen zweiten Förderphase 2016-2022 fördert das Ministerium sechs PDPs mit insgesamt 95,4 Mio. EUR. Der Schwerpunkt der PDPs liegt auf vernachlässigten und armutsassoziierte Infektionskrankheiten sowie auf neuen bzw. wiederkehrenden Infektionskrankheiten mit besonderer Bedeutung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Zuletzt hat das BMBF im August 2020 über 25 Mio. EUR bereitgestellt für die Entwicklung von Corona-Schnelltests und die Forschung zum Einsatz bestehender und Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von COVID-19 in ressourcenarmen Entwicklungsländern.