"Ein Tablet allein macht ein Kind nicht schlauer"

Bundesbildungsministerin Karliczek fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung der Schulen. Diese müsse aber auch pädagogisch gut begleitet werden, sagte sie im Interview mit dem „Focus“.

Anja Karliczek
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. © BMBF/Laurence Chaperon

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat erneut für ein höheres Tempo bei der Digitalisierung der Schulen in Deutschland geworben. „Natürlich sind wir in Deutschland in der Digitalisierung der Schulen längst nicht da, wo wir sein sollten – und wo wir auch gerne wären. Das Tempo der Digitalisierung war bislang nicht befriedigend“, sagte sie im Interview mit dem „Focus“ (19. September).

Die Corona-Pandemie hätte jetzt aber für einen Schub gesorgt, das Thema stehe nun ganz weit oben auf der Agenda, so die Minister. Karliczek machte erneut deutlich, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist: „Aber Laptops und Server allein verbessern noch nicht die Bildung. Wir brauchen gute pädagogische Konzepte, wie man die neuen digitalen Möglichkeiten optimal zum Wohle der Kinder einsetzt. Ein Tablet allein macht ein Kind nicht schlauer.“

Alle Beteiligten müssten jetzt auf den aktuellen Stand der Pädagogik gebracht werden. „Die Digitalisierung ist ein Riesenprojekt, das weit über die Anschaffung der technischen Ausstattung hinausgeht“, sagte Karliczek, und appellierte erneut an die Länder, sich jetzt verstärkt um die Lehrerweiterbildung zu kümmern.

Karliczek wünscht sich eine verstärkte Zusammenarbeit von Bund und Ländern, damit Deutschland im internationalen Vergleich nicht zurückfällt. „Deutschland muss alles daransetzen, in allen Bereichen der Bildung ein Spitzenniveau zu erreichen. Mittelmaß kann und darf nicht unser Anspruchs sein. Wir müssen besser werden“, sagte sie.

Trotz der Corona-Pandemie forderte die Ministerin verlässlichen Unterricht an den Schulen ein. Das gemeinsam mit den Ländern erarbeitete Hygienekonzept funktioniere, so Karliczek. „Wir müssen das Infektionsgeschehen generell und speziell an den Schulen genau beobachten. Um den Präsenzunterricht im Falle von besorgniserregenden Infektionszahlen – in der Region oder national - zu gewährleisten, sollte keine Maßnahme heute ausgeschlossen werden. So verhalten sich die Länder auch heute schon.“

Karliczek verteidigte die Entscheidung, im März wegen der Corona-Pandemie zunächst die Schulen zu schließen: „Entscheidungen in der Vergangenheit wurden auf Basis des damaligen Wissensstands getroffen. Heute würden die Länder vielleicht differenzierter vorgehen. Insgesamt haben wir jetzt viel mehr Erfahrungen mit dem Virus und Wissen über das Virus“, sagte sie.