Auf den Spuren des Alterns: Einblicke in die Grundlagenforschung

Bundesministerin Johanna Wanka hat ihre Sommerreise zur Zukunft des Alters in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. In Aachen, Köln und Bochum besuchte sie Forschungseinrichtungen, die sich auf vielfältige Weise mit dem Alter beschäftigen.

Am zweiten Tag ihrer Sommerreise hat Bundesministerin Johanna Wanka drei Forschungsstandorte in Nordrhein Westfalen besucht. In Aachen sprach sie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Initiative „Jülich Aachen Research Alliance“, in Köln diskutierte sie am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns und an der Universität zu Köln über die neusten Forschungsprojekte zu molekularen Veränderungen im Alter. An der Hochschule für Gesundheit in Bochum standen die Gesundheitsberufe im Mittelpunkt.

Ein Blick in tausend Gehirne

Graues Haar – das ist ein sichtbares Zeichen des Älterwerdens. Doch was auf molekularer Ebene in unserem Körper passiert, wenn wir älter werden, ist noch wenig erforscht. Um Alterungsprozesse besser zu verstehen, konzentrieren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Sektion „JARA-BRAIN“ der „Jülich Aachen Research Alliance – JARA“ auf die wichtigste Schaltzentrale des Körpers, das Gehirn.

Wie sich das Organ im Alter verändert und wie sich äußere Faktoren wie Stress oder ein ungesunder Lebensstil auf dessen Leistungsfähigkeit auswirken, haben die Forscher mit Bundesministerin Wanka diskutiert. Ihre bisherigen Erkenntnisse konnten sie aus zahlreichen Forschungsprojekten gewinnen. Ein aktuelles Projekt: die „1000 Gehirne“-Studie, die sie Bundesministerin Wanka vorstellten. Für diese Studie werden Struktur und Funktion des Gehirns an 1000 Menschen ab 45 Jahren über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet. Alle zwei Jahre wird mithilfe eines bildgebenden Verfahrens, der Magnetresonanztomografie (MRT), und psychologischer Tests untersucht, wie weit der Alterungsprozess des Organs fortgeschritten ist. Von den Ergebnissen erhoffen sich die Forschenden auch neue Erkenntnisse darüber, wie degenerative Erkrankungen frühzeitig entdeckt werden können.

Die „Jülich Aachen Research Alliance – JARA“ ist eine gemeinsame Forschungsinitiative der RWTH Aachen und des Forschungszentrums Jülich. JARA sowie die RWTH Aachen werden seit dem Jahr 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Mit Fliegen und Würmern das Altern erforschen

Was läuft in unseren Körperzellen ab, wenn wir altern? Und welche Rolle spielen molekulare Prozesse bei Krankheiten wie Parkinson, Demenz, Diabetes oder Krebs? Am Forschungsstandort Köln erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns, des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung und der Universität zu Köln die Entstehung altersbedingter Krankheiten wie Parkinson, Demenz, Diabetes und Krebs. Bundesministerin Johanna Wanka haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Einblick in ihre derzeitigen Forschungsprojekte gegeben.

Die Mehrzahl der Menschen über 65 ist chronisch krank. Etwa 60 Prozent leiden sogar an mindestens drei chronischen Erkrankungen. 80 Prozent fühlen sich dennoch wohl und zufrieden.

Um zu verstehen, wie es im Alter beispielweise zu Alzheimer kommt und welche Rolle dabei die Proteine spielen, wird am Max-Planck-Institut mit millimeterkleinen Fadenwürmern und Fruchtfliegen experimentiert. Durch genetische Veränderungen produzieren sie Proteine, die an der Entstehung von Krankheiten wie Demenz und Parkinson beteiligt sind. Unter dem Mikroskop zeigt sich: Die veränderten Fadenwürmer sind deutlich weniger aktiv als gleichaltrige Wildtyp-Würmer. Die genetisch manipulierten Fruchtfliegen wiederum brauchen für den Weg durch ein Glasröhrchen deutlich mehr Zeit als gleichaltrige Wildtyp-Fliegen – denn sie altern schneller.

Die Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut kann dazu beitragen, gemeinsame molekulare Mechanismen altersbedingter Krankheiten zu entschlüsseln, um Therapien noch besser auf Krankheitsbilder abzustimmen. Die enge Verbindung von Grundlagenforschung und Klinik am Forschungsstandort Köln ermöglicht es, neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schnell in die medizinische Anwendung zu bringen.

Der simulierte Patient

Zum Abschluss des Reisetages durch Nordrhein-Westfalen besuchte Bundesministerin Johanna Wanka die Hochschule für Gesundheit in Bochum. Als einzige staatliche Hochschule bietet die sie die fünf Fächer Pflege, Hebammenkunde, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie als primärqualifizierende Bachelor-Studiengänge an und ist damit Spezialist für die Ausbildung von Nachwuchskräften in Gesundheitsberufen.

Julia Schumacher, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Pflege (im Bild rechts), zeigt Ministerin Johanna Wanka (im Bild 2.v.rechts) und hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs (im Bild links) wie Studierende mit Hilfe von Ganzkörpersimulatoren lernen, eine Wunde zu versorgen. © hsg/André Chrost

Denn Pflege und Versorgung werden in unserer alternden Gesellschaft immer wichtiger. Derzeit sind in Deutschland etwa 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig. Dabei steigt der Pflegebedarf im hohen Alter deutlich an. Zwischen 75 und 79 Jahren ist jeder Zehnte pflegebedürftig, zwischen 80 und 85 Jahren etwa jeder Fünfte. In der Altersgruppe ab 90 Jahren steigt der Anteil auf rund zwei Drittel, die Hälfte von ihnen wird stationär im Heim versorgt.

Um diese Menschen bestmöglich zu versorgen, braucht es Forschung, Technik und ein mit innovativen Methoden ausgebildetes Personal. Wie das gelingt, zeigen die „Skills Labs“, die sich Bundesministerin Johanna Wanka bei ihrem Besuch in Bochum anschaute. Die Skills Labs sind Lernumgebungen, die der Berufsrealität sehr nahe kommen. Hier erlernen und üben Studierende praktische Fertigkeiten ebenso wie eine professionelle Kommunikation, die sie mit Hilfe von Simulationspatienten oder Ganzkörper-Simulatoren trainieren.

Die Hochschule für Gesundheit wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Projektförderung unterstützt.

"Was erhoffen wir uns von unserem Leben, wenn wir alt sind? Und wie können wir diese Hoffnungen möglichst erfüllen? Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihre Forschung kann uns Antworten liefern und neue Wege aufzeigen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert daher deutschlandweit sehr unterschiedliche Projekte zu diesem Thema."

Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung