Pflege von Angehörigen: Eine animierte Puppe kann helfen

Pflegebedürftige Angehörige guten Gewissens allein zu Hause lassen? Viele haben Angst, dass gerade dann etwas passiert. Eine interaktive Stoffpuppe könnte in einem solchen Fall helfen - um den Kranken zu beruhigen und Hilfe zu organisieren.

Hallo, kann ich helfen? "OurPuppet" soll die Kommunikation mit Pflegebedürftigen erleichtern. © Matthies Spielprodukte GmbH & Co. KG

Forscher arbeiten schon an einer solchen Puppe. Sie soll Kuscheltier, Messinstrument und Kommunikationspartner zugleich sein und ist speziell für den Einsatz zu Hause konzipiert. Das System soll Angehörigen mehr Freiheit ermöglichen - ohne dass die Kranken schlechter versorgt werden.

Ist der Raum zu dunkel? Die Musik zu laut?

Das Besondere daran: Die Puppe besitzt die Fähigkeit, Emotionen zu deuten und entsprechend verbal und mimisch zu reagieren. Sie ist dazu mit Sensoren ausgestattet, die den Zustand der betreuten Person erfassen. So kann festgestellt werden, wo sich eine Person gerade befindet - und ob es zum Beispiel für die Tageszeit im Raum zu dunkel oder ob die Musik zu laut ist.

Da die Puppe auch ein Mikrofon mit angeschlossener Sprachanalyse hat, können ungewöhnliche Veränderungen in der Stimme des kranken Menschen leicht bemerkt  werden. Wenn seine Sprache undeutlicher wird oder er ungewöhnliche Atempausen macht, ist er vermutlich aufgeregt. Die interaktive Puppe erkennt das, spricht den Pflegebedürftigen an - und wirkt beruhigend auf ihn ein.

Innovationen in der Pflege

Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt "OurPuppet" mit insgesamt 1,65 Millionen Euro im „Förderschwerpunkt zur Pflegeinnovationen und zur Unterstützung informell und professionell Pflegender“.
 

Eine Puppe, die mit den Ohren wackelt

Außerdem ist die Stoffpuppe mit entsprechender Aktorik ausgestattet, das heißt, sie kann Lächeln, mit den Augen zwinkern oder mit den Ohren wackeln. Über diese Mimik wird die Kommunikation mit dem Pflegebedürftigen positiv unterstützt.

Gleichzeitig ist die Puppe in der Lage, Nachrichten auf das Smartphone der Angehörigen zu senden und sie über den Zustand des Kranken zu informieren. So können sie dann einschreiten: zum Beispiel die hilfsbedürftige Person anrufen.

Wichtige Daten können gespeichert werden

Nützlich ist auch ein Armband, das den Puls und den Hautwiderstand misst. Aus der Kombination aller Daten kann das System im Notfall erkennen, wann Hilfe von Pflegern gebraucht wird. Die Puppe speichert wichtige Daten für Pflegepersonal und Angehörige.                                                                                          

Noch steht die Entwicklung dieser Technik aus Zustandserfassung, Notfallerkennung, Kommunikation und Hilfestellung am Anfang. Acht Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitswesen arbeiten derzeit gemeinsam daran.