"Eine neue Kultur, die das Lernen und Lehren in den Mittelpunkt rückt"

Karin Donhauser, Vorsitzende des Auswahlgremiums zum "Qualitätspakt Lehre", über mehr und besser ausgebildete Hochschullehrer, weniger Studienabbrüche und über attraktive Angebote für studierwillige Flüchtlinge. Ein Interview mit bmbf.de.

Karin Donhauser © BMBF/Hans-Joachim Rickel

bmbf.de: Frau Donhauser, Sie sind Vorsitzende des Auswahlgremiums, das darüber entschieden hat, welche Hochschulen durch den Qualitätspakt Lehre unterstützt werden. Konnten auch Studenten mitreden?

Karin Donhauser: Selbstverständlich. Das Gremium, das die Anträge der Hochschulen bewertet hat, ist so zusammengesetzt, dass möglichst viele unterschiedliche Perspektiven auf die Lehre an den Hochschulen vertreten sind. So sind einige der Fachleute als Mitglieder von Hochschulleitungen an ihren Hochschulen für die Organisation von Studium und Lehre verantwortlich, andere Expertinnen und Experten haben in ihren Fächern selbst innovative Lehrformate entwickelt und erprobt und neue Studiengänge entworfen, und wieder andere haben Erfahrung gesammelt mit der Akkreditierung von Studiengängen oder sie forschen zu  Fragen der Hochschuldidaktik und den Prozessen des Lernens. Auch unsere beiden studentischen Experten, Frau Brechtken und Herr Sauerbier, bringen solche zusätzlichen Kompetenzen mit. Sie haben die Perspektive der Studierenden im Expertengremium hervorragend zur Geltung gebracht.

Insgesamt gibt es rund 2,7 Millionen Studierende in Deutschland. Was haben sie vom Qualitätspakt Lehre?

Die Studierenden werden vom Qualitätspakt Lehre auf verschiedene Weise profitieren. Sie werden auf mehr und besser ausgebildete Lehrende treffen, sie werden auf  die Unterstützung von Tutoren und Mentoren zurückgreifen können, sie werden neue Lehrformate - wie forschendes Lernen, e-learning-Angebote und so weiter -  erproben können, die ein individualiertes Lernen ermöglichen. Und sie werden an vielen Hochschulen erkennbar auf eine neue Kultur stoßen, die das Lernen und Lehren in den Mittelpunkt rückt.

"Die Studierenden werden an vielen Hochschulen erkennbar auf eine neue Kultur stoßen, die das Lernen und Lehren in den Mittelpunkt rückt."

Karin Donhauser

Gibt es noch mehr?

Ja, diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Natürlich bedeutet das nicht, dass jedem Studierenden nun alle diese Möglichkeiten geboten werden, sondern die Hochschulen haben im Einzelnen recht unterschiedliche Maßnahmenpakete geschnürt, die auf die spezielle Situation der Hochschulen und auf die besonderen Problemlagen in einzelnen Fächern und Studiengängen abgestimmt sind. Da es den Qualitätspakt Lehre schon seit 2010 gibt, hat das Auswahlgremium diesmal die Möglichkeit, sich anhand der von den Hochschulen vorgelegten Zahlen und Daten  auch ein Bild von der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen zu verschaffen. Danach hat sich die Studienqualität nach Aussage der Studierenden zum Teil deutlich verbessert. Studienabbruchsquoten konnten im Schnitt deutlich reduziert werden.

Rund eine halbe Million Erstsemester hat in diesen Tagen ihr Studium aufgenommen. Was bringt der Qualitätspakt Lehre gerade für sie?

Die Ausgestaltung und Optimierung der Studieneingangsphase steht im Fokus vieler Anträge, die die Hochschulen im Rahmen des Qualitätspakts Lehre eingereicht haben. Gerade hier werden die Beratungsangebote an den meisten Hochschule gezielt ausgebaut. Und es werden - vor allem, aber nicht nur im Bereich der MINT-Fächer -  verschiedene Arten von Vorkursen angeboten, die den Studierenden den Einstieg in das eigentliche Studium erleichtern sollen. Diese Maßnahmen haben sich erkennbar in den vergangenen Jahren sehr gut bewährt. Die Erstsemester 2015 werden definitiv besser unterstützt als dies 2010 der Fall war!

Vorsitzende des Auswahlgremiums

Karin Donhauser ist Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte der deutschen Sprache an der Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzende des Auswahlgremiums zum "Qualitätspakt Lehre".

Kommt der Qualitätspakt Lehre eigentlich auch studierwilligen Flüchtlingen zugute?

Die Anträge sind von den Hochschulen zu einem Zeitpunkt geschrieben und eingereicht worden, als die Herausforderung, Angebote für studierwillige Flüchtlinge zu entwickeln, noch nicht  in dem jetzt deutlichen Ausmaß erkennbar war. Allerdings haben viele Hochschulen - deutlich mehr als in der ersten Runde des Qualitätspakts Lehre - das Thema Heterogenität und Diversität der Studierenden aufgegriffen und Maßnahmen vorgestellt, wie sie mit kulturellen Differenzen und mit unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen von Studierenden umgehen können und wollen.

Haben Sie ein Beispiel?

Im Antrag der Universität Duisburg-Essen steht dieses Thema sogar ganz im Vordergrund. Die Aufgabe, studierwilligen Flüchtlingen attraktive und passgenaue Angebote zu machen, trifft die deutschen Hochschulen also nicht ganz unvorbereitet. Ich bin deshalb sicher, dass die durch den Qualitätspakt Lehre finanzierten Maßnahmen zumindest indirekt auch den studierwilligen Flüchtlingen zu Gute kommen.