Einweihung des Green IT Cubes

Impulsvortrag von Herrn St Schütte anlässlich der Einweihung des Green IT Cubes in Darmstadt

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Jung,
Sehr geehrter Herr Professor Langanke,
Sehr geehrter Herr Professor Stöcker
Sehr geehrter Herr Professor Lindenstruth,                                   

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass wir heute gemeinsam das neue Rechenzentrum von FAIR und GSI, den „Green IT Cube“ einweihen können. Der Green IT Cube ist ein umweltfreundliches Höchstleistungs-Computerzentrum. Ab März werden hier die neuen Höchstleistungsrechner eingebaut. Dann kann energieeffizientes Rechnen beginnen.

Green IT Cube. Der Name ist Programm. Von außen beeindruckt die Würfel-Form des Gebäudes. Und auch die Größe:  27 x 30 x 22 Meter. Das sind imposante Dimensionen.

Hier im Gebäudeinneren – also um uns herum – sehen wir die Stahlkonstruktion, die an ein Hochregallager auf Stahlträgern erinnert. In diese Stahlkonstruktion werden die Computerschränke eingehängt. Auf sechs Etagen können Hochleistungsrechner untergebracht werden. Sehen können wir heute nur vier Etagen. Zwei Etagen können wir nicht mehr sehen, weil dort bereits die Computerschränke eingebaut wurden.

Diese Konstruktion ist neu. In den Rechenzentren, die ich kenne, stehen die Rechner in Hallen nebeneinander. Sie stehen in klimatisierten Hallen, um die hohe Wärmeentwicklung der Rechner abzuführen. Hier ist das anders. Das Gebäude ist so konstruiert, dass die Rechner in Computerschränken dreidimensional - also nicht nur nebeneinander sondern auch übereinander - angeordnet werden können. Das schafft in diesem Gebäude Platz für rund 800 Rechnerschränke (genau 768 Stück). Dieser Aufbau ist bis zu 100-mal kompakter als bei herkömmlicher Bauweise. Wir werden uns das bei unserem Rundgang gleich genauer ansehen.

Neu ist nicht nur die platzsparende Bauweise. Neu und gleichzeitig Voraussetzung dafür, dass die Rechner platzsparend aufgestellt werden können, ist die besondere Kühltechnik. Diese verbraucht etwa nur ein Viertel des Stroms herkömmlicher Rechenzentren. Sie hat mehrere Preise erhalten. Und auf der Weltrangliste der energieeffizientesten Höchstleistungscomputer, der „Green 500“ ist der Green IT Cube als der energieeffizienteste Großcomputer Europas aufgeführt. Weltweit liegt er unter den Großrechnern auf Rang drei. Die Details wird uns gleich noch Herr Professor Lindenstruth erläutern. Er hat diese Technik gemeinsam mit dem ehemaligen Wissenschaftlichen Geschäftsführer der GSI, Herrn Professor Stöcker[1] entwickelt.

Kostensparend für das Rechenzentrum ist auch, dass handelsübliche Komponenten in die Rechner eingebaut werden. Dies wird die Anschaffungskosten im Vergleich zu bisherigen Höchstleistungsrechnern bis zu 50 Prozent reduzieren.

Ein weiterer energieeffizienter Aspekt dieses Rechenzentrums ist, dass die Abwärme der Rechner zum Heizen des neuen Büro- und Kantinengebäudes (BK1) genutzt werden wird, sobald dies fertig ist.

Für uns Geldgeber – und damit meine ich den Bund und das Land Hessen – sind natürlich immer auch die Höhe der Baukosten und die Bauzeit wichtig. Es standen 12 Millionen Euro für das Green IT-Cube-Gebäude zur Verfügung. Der Bund hat 90 Prozent, das Land Hessen 10 Prozent übernommen. Hier gibt es gute Nachrichten: der Bau blieb im Kosten- und Zeitrahmen.

In Zukunft wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt das neue Rechenzentrum für ihre enormen Datenmengen nutzen, die sie in Experimenten an der GSI und der zukünftigen Beschleunigeranlage FAIR gewinnen. Der Green IT-Cube wird zum zentralen Rechnerknoten für alle FAIR-Experimentdaten. Er wird zu einem sogenannten TIER-0-Zentrum. Er soll national und international mit Nutzern an Universitäten und Institutionen verbunden werden.

Unvorstellbar große Datenmengen werden hier im Rechenzentrum gesammelt, analysiert und müssen auch gespeichert werden. Ich will Sie nicht mit Zahlen langweilen. Ich möchte aber zwei Eckdaten nennen, weil sie mich besonders beeindrucken. Der Green IT Cube hat eine Speicherkapazität von 100 Petabyte, das entspricht einer Million Büro PC´s. Möglich ist ein schneller Datenzugriff von mit mehr als einem Terabyte pro Sekunde, das entspricht rund 500 000 privaten DSL-Anschlüssen.

In der privaten Wirtschaft sind leistungsfähige, energieeffiziente und kostengünstige Computer zunehmend gefragt. Längst haben sich Heimcomputer, Tabletts, Smartphones, Rechenzentren und die Netzinfrastruktur, die das alles miteinander verbindet, zu einem der größten Sektoren des Stromverbrauchs entwickelt. Die TU Dresden hat errechnet, dass das Internet im Jahr 2030 so viel Strom verbrauchen wird, wie heute die gesamte Weltbevölkerung. Daher brauchen wir dringend Hochleistungsrechner, die energieeffizient sind. Wie der Green IT Cube.

Fragen der Digitalisierung werden unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren maßgeblich prägen. Die darin liegenden Chancen wollen wir nutzen: ja wir müssen sie nutzen. Für mehr Wachstum und Beschäftigung. Aber genauso für mehr Bildungsgerechtigkeit und exzellente Wissenschaft und Forschung. Die Bundesregierung hat im August 2014 ihre Digitale Agenda 2014-2017 vorgelegt. Die Digitale Agenda nimmt vielfach Bezug auf Themen der Bildung und der Forschung, von der Stärkung der Medienkompetenz über die Digitalisierung der Arbeitswelt bis hin zum Thema IT-Sicherheit und Datenschutz.

Das BMBF hat im ersten Jahr der Digitalen Agenda bereits zahlreiche neue Maßnahmen auf den Weg gebracht. Ich nenne exemplarisch die Forschungs- und Innovationsförderung zu Industrie 4.0 im Rahmen der Hightech-Strategie, das Forschungsrahmenprogramm zur Datensicherheit „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“ und die BMBF-Forschungsförderung zu Big Data.

Frau Ministerin Wanka hat letzten Herbst die Plattform des IT-Gipfels der Bundesregierung gestartet. Dort soll ein Austausch zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Bildung und den Sozialpartnern stattfinden. Die Partner werden in Arbeitsgruppen Projekte zur Umsetzung der Digitalen Agenda entwickeln und beim nächsten IT-Gipfel vorstellen.

Zurzeit läuft ein Wettbewerb um die besten Konzepte und zur Auswahl des Deutschen Internet-Instituts. Das Deutsche Internet-Institut soll die Entwicklungen rund um die Digitalisierung erklären und analysieren. Es soll darüber hinaus Lösungsansätze dafür entwickeln, wie Deutschland die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen kann. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt zunächst in den kommenden fünf Jahren bis zu 50 Millionen Euro bereit. Nach einer Auswahl der besten eingereichten Projektskizzen wird das Deutsche Internet-Institut aufgebaut und kann seine Arbeit aufnehmen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen hier in einem Rechenzentrum, wie wir es uns auch an anderen Orten wünschen: leistungsstark, ressourcenschonend und vergleichsweise kostengünstig Hier am Standort Darmstadt gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Dazu meinen herzlichen Glückwunsch!