Endlich #klischeefrei!

Frauen in der Informatik? Männer in der Kindererziehung? Klischees dominieren oft die Berufswahl von jungen Erwachsenen. Am Zukunftstag für Jungen und Mädchen werden die Verhältnisse umgedreht.

Am Girls` Day besuchte Bundesministerin Anja Karliczek die Jungen Tüftler in Kreuzberg. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Junge Menschen lassen sich bei ihrer Berufswahl noch immer von traditionellen Rollenbildern leiten. Während die Jungs eher weniger Lust auf Berufe aus den Bereichen Erziehung oder Pflege haben, können sich nur wenige Mädchen für die sogenannten MINT-Fächer begeistern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Das ist nicht nur schade für die jungen Menschen, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Schließlich fehlen so Tausende von dringend benötigten,  gut ausgebildeten Fachkräften.

Um die Klischees rund um die Berufswahl abzubauen, gibt es für beide Geschlechter den Zukunftstag am 28. März – bei den Jungs ist das der „Boys`Day“, bei den Mädchen entsprechend der „Girls`Day“. In Tagespraktika erkunden Tausende Jungs Berufe aus weiblich geprägten Berufsbildern – und umgekehrt. Insgesamt gibt es mehr als 17.000 Angebote bundesweit. Motto: #klischeefrei.

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt die Aktion. Chancengleichheit ist ihr ein großes Anliegen. „Das ist eine gute Gelegenheit, um sich selbst ein bisschen kennenzulernen. Und zu sehen: Was liegt mir? Macht mir das Spaß?“, sagt die Ministerin.

Ausprobieren und Spaß haben

Das haben auch Nico (8. Klasse) und David (7. Klasse) vor, die weiterführende Schulen in Berlin besuchen. Die beiden sind in einen betriebsnahen Fröbel-Kindergarten in Berlin Mitte gekommen. Sie wollen erleben, was es heißt, den ganzen Tag mit den Allerkleinsten zu arbeiten – mit Kindern bis drei Jahre.

David und Nico beim Boys` Day in einem Kindergarten. © BMBF

Im Kindergarten packen sie mit an, wo es gerade notwendig ist. Sie spielen mit den Kids, bauen einen Bewegungsparcour auf und helfen beim Essen. Aber können sie sich auch wirklich vorstellen, später als Erzieher zu arbeiten?

David sagt: „Ich spiele schon gerne mit den Kindern, auch weil ich keine Geschwister habe. Aber als Beruf? Da bin ich mir noch unsicher, möchte es mir erst einmal in Ruhe anschauen.“ Ähnlich sieht es Nico: „Das ist schon eine Option für mich, aber ich will heute nochmal genau hinschauen, was man da wirklich alles machen muss“, sagt er.

Erst mal anschauen, Vorurteile abbauen – genau darum geht es bei den Zukunftstagen. Wie dringlich das Problem ist, zeigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach lag der Anteil männlicher Auszubildender in Pflegeberufen im Ausbildungsjahr 2017/2018 bei 22 Prozent. Dagegen betrug der Anteil weiblicher Auszubildender in Ausbildungsberufen des Bereichs "Naturwissenschaft, Geografie und Informatik" 17 Prozent.

MINT-Produkte stehen im Fokus

Karliczek besucht an diesem Tag Mädchen, die sich im Klanglabor beim Projekt „Junge Tüftler“ ausprobieren. Das Klanglabor ist ein Experimentierraum, in dem das Selbstbewusstsein von Mädchen im Umgang mit Technologien gestärkt werden soll. Dabei haben die Mädchen die Möglichkeit, sich im Sounddesign auszuprobieren und andere junge Tüftlerinnen nach ihrem Lebensweg zu fragen.

Wie funktioniert ein Servomotor? Was bedeutet Robotik? Was ist ein Prototyp? Diese Fragen stehen dabei im Mittelpunkt. Karliczek macht mit, motiviert und fragt die jungen Frauen immer wieder nach ihrer Motivation.

„Im MINT-Bereich liegen in den nächsten Jahren ganz viele Chancen. Die Produkte stehen im Mittelpunkt“, sagt die Ministerin. Deshalb sei es wichtig, den Mädchen die MINT-Berufe immer wieder schmackhaft zu machen.

Dabei ist die Entwicklung der letzten Zeit schon jetzt als Erfolg anzusehen, auch wenn es sicher noch einiges zu verbessern gibt. Rund eine Million Studierende waren zuletzt in einem MINT-Fach an Universitäten eingeschrieben - immerhin 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.