Enormes innovatives Potenzial

Zukunftsweisende Projekte in der Arbeitsforschung und der -gestaltung will das Bundesbildungsministerium mit dem neuen Programm „Zukunft der Arbeit“ fördern. Ein Beitrag von Bundesministerin Johanna Wanka in "DGB-Einblick" vom 11.04.2016.

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Im Wortlaut:

Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant: Zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland erleben heute an ihrem Arbeitsplatz die Folgen des digitalen Wandels – vernetzte Computer sind zu selbstverständlichen und akzeptierten Arbeitsmitteln geworden, die Grenzen zwischen realer und virtueller Arbeitswelt verschwimmen. Auch die klassischen Sphären von Produktion und Dienstleistung wachsen zusammen – eindrücklich sichtbar an der Entwicklung des Mobiltelefons, dessen dienstleistungsgetriebene Anwendungsmöglichkeiten immer weiter wachsen.

In dieser neuen Art der Wertschöpfung verschwimmen die Grenzen zwischen Produktion und Dienstleistung, zwischen Produzenten und Konsumenten – und das global. Design, Produktion, Dienstleistungen und Vertrieb sind über Standorte auf der ganzen Welt verteilt. Das Gefüge, in dem Wertschöpfung sich vollzieht, fordert von den Menschen neue Kompetenzen. Zusätzlich zum Fachwissen werden soziale Methodenkompetenzen benötigt. Führung und Selbstmanagement werden in einem digitalisierten Arbeitsumfeld anders zu gestalten sein, wo zeit- und ortsungebundenes Arbeiten durch digitalen Wandel ermöglicht wird. Nicht zuletzt verändern sich die Belegschaften selbst. Der Anteil der Frauenerwerbsarbeit wird weiter steigen, ebenso die Zahl der älteren Beschäftigten und die von jungen, gut ausgebildeten Migrantinnen und Migranten.

Die moderne Arbeitswelt bietet Chancen und Risiken zugleich. Flexible Arbeitsgestaltung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, neue Berufe und Entwicklungsmöglichkeiten bilden das positive Szenario der Arbeit von morgen. Die Gefahr der Selbstausbeutung durch ständige Erreichbarkeit, immer neue Anforderungen an Kompetenzen, die Entwertung des Gelernten und der Verlust von Arbeitsplätzen lassen sich zu einem düsteren Bild der Arbeit von morgen verbinden.

Das innovative Potenzial ist enorm. Damit die Chancen die Risiken überwiegen, muss die Arbeitswelt gestaltet werden. Entscheidend ist, unsere Grundsätze für gute Arbeit im digitalen Zeitalter zu erhalten: Auch die Arbeit der Zukunft muss wohlstandsorientiert und sozial abgewogen sein. Deshalb lautet die entscheidende politische Frage nicht, wie der technologische Fortschritt oder die Globalisierung unsere Arbeitswelt bestimmen, sondern wie wir die neue Arbeitswelt menschlich und sozial gestalten wollen.

Die Antwort auf diese Frage macht politische Gestaltung und unternehmerisches Handeln erst möglich. Deshalb ist die Suche nach dieser Antwort für unsere Gesellschaft wichtig. Deutschland in die Lage zu versetzen, die Antwort zu finden, dazu dient unser Programm „Zukunft der Arbeit“. Das BMBF will Gestaltungsoptionen für die Arbeit von morgen finden und sicherstellen, dass technologische und soziale Innovationen gleichermaßen gefördert und miteinander in Einklang gebracht werden. Das Leitbild des Programms heißt: „Der Mensch steht im sozialen Gefüge des Unternehmens im Mittelpunkt und ist Ausgangspunkt für neue Ideen und Technologien.“ Wichtige Aspekte sind dabei, die Gesundheit zu erhalten, die natürliche Umwelt zu schonen und mit den Bedürfnissen kommender Generationen rücksichtsvoll umzugehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir in unserem Forschungsprogramm „Zukunft der Arbeit“ neun Handlungsfelder beschrieben. Diese reichen von der neuen Arbeitsorganisation über die Unterstützung von innovativen Geschäftsmodellen, der Gestaltung neuer Formen der Mensch-Maschine-Interaktion, dem Erwerb neuer Kompetenzen und dem kontinuierlichen Erlernen neuer Kenntnisse bis hin zur Förderung des Gesundheits- und des Nachhaltigkeitsgedankens in der Arbeit. Zu diesen Themen fördern wir Forschungsprojekte, in denen neue Konzepte der Arbeitsgestaltung und -organisation in und mit Unternehmen entwickelt, pilothaft umgesetzt und breit in die betriebliche Praxis überführt werden. Deutschland kann dabei auf seine kleinen und mittelständischen Unternehmen bauen, die hohe Bereitschaft und Kompetenz besitzen, sich in Forschung und Entwicklung einzubringen. Branchenübergreifende Projekte sind deshalb immer Projekte, die mit KMU-Beteiligung umgesetzt werden.

In die Entstehung des Forschungsprogramms waren die Sozialpartner, die Wissenschaft und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eng einbezogen. Die fortlaufende, aktive Beteiligung der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände wird für den Erfolg dieses Programms mitentscheidend sein, denn sie begünstigt eine praxisbezogene und wissensbasierte Diskussion über konkrete Forschungsthemen und -fragen zur Zukunft der Arbeit. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände waren und sind hervorragende Berater für mein Ministerium, und sie sind eine treibende Kraft für die Umsetzung des Programms. Bis 2020 wollen wir mit diesem Programm zukunftsweisende Projekte der Arbeitsforschung und Arbeitsgestaltung fördern. Wir laden Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein, sich an diesen Projekten zu beteiligen und so ein gesellschaftlich zentrales Feld zu bestellen: die Arbeitswelt von morgen.