Entenküken am Bundesforschungsministerium

Vor dem Kindergarten des BMBF sind neun Stockentenküken geschlüpft. Vogelschützer des NABU waren informiert und brachten sie schnell zu einem Gewässer im Tiergarten. Da machen sie hoffentlich das, wovon wir alle träumen: den Berliner Sommer genießen.

Schon seit Ende April hatte die Ente vor dem Kindergarten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gebrütet. Ein Kind hatte das Nest beim Spielen unter einem Salbeibusch entdeckt. Bald hieß das Tier Nina-Susi, bekam einen Trog mit regelmäßig frischem Wasser zur Seite gestellt und wurde Teil eines pädagogischen Projekts: Fotos wurden gemacht und ausgedruckt, Bilder mit Seen und Enten gemalt, Bücher über Vögel gelesen. Und einmal, als Nina-Susi eine Feder verlor, haben die Kinder sie gesammelt und auf ein Bild geklebt. Vor allem aber hat das BMBF den Nabu Berlin informiert, dessen Mitarbeiter dem Fall die Nummer 58 gaben und die Zahl der Eier im Nest notierten - dass es am Ende neun waren, konnte man nur vermuten, leider gewährte Nina-Susi nur flüchtig Einblick.

„Das Tier lässt sich von niemandem stören“, berichtete die Erzieherin. Nur am Anfang habe Nina-Susi das Nest manchmal verlassen – das war die Zeit, als auch der Erpel hin- wieder vorbeikam. Er hieß bald „Robert“, machte sich aber schnell aus dem Staub: Stockenten-Weibchen erhielten von ihren Partnern keine Bruthilfe, anders als etwa bei Singvögeln, heißt es bei der Wildvogelstation des Nabu Berlin.

Vogelschützer waren über das Gelege informiert

Die Vogelschützer standen dem BMBF seit Wochen telefonisch mit Rat zur Seite. Vor allem warteten sie auf einen ganz bestimmten Anruf: dass die Küken geschlüpft seien! Entenküken schlüpfen eins nach dem anderen in wenigen Stunden. Im BMBF ging darum am Wochenende, wenn der Kindergarten geschlossen ist, regelmäßig ein Mitarbeiter der Pforte zu Nina-Susi und schaute nach: Gibt es schon Küken? Je früher die Vogelschützer von einem Gelege wissen, desto genauer können sie die Schlupfzeit ausrechnen und rechtzeitig vor Ort sein.

Dann muss alles ganz schnell gehen: Die Tiere müssen ans Wasser, brauchen frische Insekten und Larven als eiweißhaltige Nahrung und müssen vor allem ihre Bürzeldrüsen am Schwänzchen befeuchten: Nur wenn die Bürzeldrüse der Ente nass sei, heißt es beim Nabu Berlin, produziere sie das nötige Fett, das sich die Tiere zum Schutz vor Wasser in die Federn schmierten. Darum stehen die Vogelschützer rund um die Uhr bereit: Gegen einen Spende kommen sie gern und transportieren die Tiere vorsichtig zu einem geeigneten Gewässer.

Der Eingang zur Kita des BMBF, Dienstsitz Berlin. Vorne links in der Rabatte ist der Salbeibusch zu sehen, in dem das Nest der Ente war. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Auch auf Dachterrassen und Balkonen

Das machen sie nicht nur beim BMBF und manch anderem Berliner Ministerium, bei dem sich Stockenten inzwischen zu Hause fühlen. Kreative Stockentenmütter brüten auch bei Privatleuten auf Dachterrassen und Balkonen, weit weg von Fressfeinden wie Füchsen oder freilaufenden Hunden – ohne daran zu denken, dass ihr Nachwuchs nach dem Schlüpfen zwar schon schwimmen, aber nicht fliegen kann und darum in der Falle steckt.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lobte das BMBF. „Das Verhalten des Ministeriums im Fall einer brütenden Entenmutter ist vorbildlich“, sagte Jutta Sandkühler, Geschäftsführerin des NABU Berlin. Es sei gut, dass das Ministerium sich an den NABU gewandt habe,  nachdem die brütende Ente vor dem Kindergarten des Ministeriums entdeckt worden sei.  Das sei der richtige Weg. „Es braucht schnelle und geübte Griffe und viel Erfahrung, um eine Ente mit ihren Küken nach dem Schlüpfen zu einem geeigneten Gewässer zu bringen, wenn sie selber keinen Zugang hat“, sagte Sandkühler. „Stockenten sind Teil unserer Artenvielfalt und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Gewässer“.

Der NABU hält es für möglich, dass Nina-Susi im nächsten Jahr wieder am BMBF brütet. Nicht nur die Kinder in der Kita freuen sich schon darauf.

Seit Ende April brütete Nina-Susi vor dem Kindergarten des BMBF © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Glaswände mit Folie beklebt

Schon im Frühjahr hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) das BMBF für seinen vorbildlichen Vogelschutz gelobt. Nachdem regelmäßig verunglückte Vögel in den verglasten Innenhöfen des Berliner Dienstsitzes des Ministeriums gefunden worden waren, hatten BMBF und BUND gemeinsam eine Lösung erarbeitet: Die gläsernen Wände wurden beidseitig und großflächig mit einer Musterfolie beklebt, die das Architekturbüro „Heinle, Wischer und Partner“ für diesen Zweck eigens entwarf. Vögel erkennen Glasscheiben nicht als Hindernis: Diese müssen für die Tiere sichtbar gemacht werden. Rechtzeitig zum Frühjahrsvogelzug waren die Vogelschutzmaßnahmen am BMBF fertig. Der BUND dankte allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit. Die Maßnahmen seien vorbildlich.