Entennachwuchs im Bundesbildungsministerium

10 Entenküken sind auf dem Dach des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geschlüpft. Vogelschützer des NABU kümmerten sich um sie und brachten sie ans Wasser.

Bereits zum zweiten Mal brütete eine Ente am Bundesbildungsministerium. Das Bild zeigt die Ente mit ihren neun Küken im Jahre 2016. In diesem Jahr schlüpften 10 Küken auf dem Dach des Ministeriums. © BMBF

Grasbewachsen und hochgelegen: Optimale Startbedingungen für den Nachwuchs, dachte sich vermutlich eine Enten-Mama, die einige Wochen auf dem Dach des Berliner Dienstsitzes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gebrütet hat – jetzt ist ihr Nachwuchs geschlüpft. Wie sich herausstellte, ist die Ente eine alte Bekannte: Schon im letzten Jahr hatte sich Nina-Susi, wie sie von den Kita-Kindern im Bundesbildungsministerium genannt wurde, ein Gebüsch nahe der Kita des Ministeriums als Brutplatz ausgesucht. Was neben der vertrauten Umgebung für die Lage des Brutplatzes spricht, erklärt André Hallau, Leiter der NABU Wildvogelstation, im Interview mit bmbf.de.

bmbf.de: Woher wissen Sie, dass die Ente Nina-Susi ist?

André Hallau: Letztes Jahr hat Nina-Susi von uns einen Ring zur Identifikation bekommen. Dass sie nun zurückgekehrt ist, ist nicht ungewöhnlich: Die meisten Enten brüten an der gleichen Stelle, da sie dort schon einmal gute Bedingungen gefunden haben. Das Dach des BMBF scheint für diese Ente der ideale Brutplatz, noch besser als der letztes Jahr unter einem Busch im Innenhof, wo die Kinder in der Nähe spielten. Hier ist sie ganz ungestört.

Warum ist denn ein Dach der ideale Brutplatz?

Die Ente hat nicht wirklich viel Auswahl. Das Störpotential dieser Brutplätze auf Häusern oder Dächern ist gering. Fressfeinde wie Marder, Fuchs, Waschbären, Hund und Katze sind dort nicht zu erwarten. Naturnahe Ufer oder ungestörte Teiche in Parks sind kaum mehr vorhanden. Die Kanäle in Berlin sind mit Beton, Kies oder Metall eingefasst – das sind alles Areale, die für die Ente verloren sind, da sie hier keinen Schutz findet. Stockenten in der Natur zeigen von sich aus das Verhalten, dass sie in höheren Etagen brüten. Beispielsweise in aufgegebenen Greifvogelnestern.

Aber haben die Züge, die am BMBF entlangfahren, die Ente nicht beim Brüten gestört?

Die Züge stören die Ente nicht, da sie weiß, dass diese nur vorbeifahren, ihr aber nichts tun. Enten und andere Wildvögel brüten sogar in der Nähe militärischer Übungsplätze – mehr noch als in der normalen Agrarlandschaft oder den Forsten, da sie dort mehr Ruhe haben. Mechanische Einwirkung macht ihnen keine Angst, daran gewöhnen sie sich. Sie wissen, dass ihnen dort von dort keine Gefahr droht. Hinzu kommt, dass es dort meist ein besseres Nahrungsangebot gibt. Auf Agrar- und Forstflächen kommen Dünger und Pestizide zum Einsatz – das dezimiert die Insekten und somit die Nahrung für die Wildvögel.

Was mussten Sie tun, als die Küken geschlüpft sind?

Da wir früh genug gerufen wurden, konnten wir den Schlupftermin berechnen und uns bereithalten. So konnten wir schnell reagieren und die Entenfamilie gleich Sonntagfrüh, nur wenige Stunden nach dem Anruf aus dem Ministerium, sicher an ihre Gewässer in der Nähe bringen. Ansonsten hätten die Küken sich auf dem harten Boden verletzen, in einen Gully fallen oder auf dem Weg zum Wasser von einem Auto überfahren werden können.  Die Ente kann nicht lernen, dass das Dach und der Boden, auf den die Küken letztendlich fallen würden, kein weicher Waldboden ist, sondern harter Gehweg. Für sie zählt nur, die Eier zum Schlüpfen zu bringen.

Warum war eigentlich der Entenvater nicht dabei?

Das bunte Prachtgefieder der Erpel würde Fressfeinde anlocken und damit die Küken und vorher schon die Eier gefährden. Darum hält er sich fern.

Und wo haben Sie die Enten nun ausgesetzt?

Wir haben die Entenfamilie an der südlichen Panke ausgesetzt. Dort kommt sie wahrscheinlich her – und dort hat sie ihren angestammten Platz. Die Küken konnten gleich ins Wasser, gerade in den ersten Tagen ist das wichtig. Genauso wichtig ist aber, dass sie noch unter der Entenmutter Ruhe finden und sich aufwärmen können. Enten haben feste Stammplätze. Es würde der Ente nichts bringen, wenn wir sie in Brandenburg an einem schönen Natursee aussetzen. Die dortige Entenpopulation würde sie und ihre Küken angreifen und zu vertreiben versuchen.

Wie viele Einsätze für Enten haben Sie jährlich im Stadtgebiet?

Einmal waren es 130 Einsätze in einem Jahr, 2016 waren es rund 50. Im Laufe der Jahre haben wir 1500 Enten umgesetzt – mit acht Küken im Schnitt. Wir fahren jährlich rund 20.000 Kilometer in Berlin, um die Enten umzusetzen. Stockenten sind zwar keine gefährdete, gelten aber als eine geschützte Art nach Naturschutzrecht.

Was kann man tun, wenn auf dem eigenen Balkon eine Ente brütet?

Eine Ente, die auf einem Balkon brütet, sollte man nicht versuchen von Hand aufzuziehen. Dann haben sie und die Küken später geringe Überlebenschancen in der Natur. Am besten ist es, uns frühzeitig anzurufen, dann kommen wir vorbei, schauen uns das Umfeld an, berechnen den Schlupftermin und besprechen, wie die Ente und ihre Küken einzufangen sind. Meist gelingt uns das von Hand, da Enten gelernt haben, dem Menschen zu vertrauen, manchmal aber benutzen wir ein Netz.

Wie können Bürger Ihnen helfen?

Nun, um ehrlich zu sein, am meisten über Spenden. Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind selbstverständlich auch willkommen, aber nur, wenn sie längerfristig im Einsatz sein können.