Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen

"Wir können es uns nicht leisten, auf weibliche Talente im MINT-Bereich zu verzichten", sagt Staatssekretär Michael Meister bei der Transfertagung "Erfolg mit MINT". Das BMBF stärkt daher die MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette.

Sehr geehrte Frau Professorin Boetius,

sehr geehrter Herr Engels,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie zur Tagung „Erfolg mit MINT – Karrieren gestalten, Potenziale entfalten“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung begrüßen zu dürfen.

Die Digitalisierung geht mit enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen einher. Sie vollziehen sich mit rasanter Geschwindigkeit und berühren alle Lebensbereiche. Ob im privaten Bereich, in Schule oder Ausbildung oder im Beruf – überall gilt: Die Möglichkeiten und Vorzüge digitaler Endgeräte differenzieren sich aus, die Anwendungen werden komplexer, ihre volkswirtschaftliche Bedeutung nimmt zu.

An dieser Stelle möchte ich Sie, liebe Damen und Herren, auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Vermutlich jeder Informatiker hat schon einmal von ADA gehört: ADA ist die erste standardisierte Programmiersprache. Benannt wurde sie nach einer wissenschaftlichen Pionierin, die für viele junge Frauen in MINT-Berufen eine Vorbildfunktion hat, der Mathematikerin Ada Lovelace. Es war also eine Frau, die den ersten Computer-Algorithmus formulierte. Das war im Jahr 1843!

Heute, rund 175 Jahre später, sind junge Expertinnen für die High-Tech- oder IT-Branche wichtiger denn je. Außer Zweifel steht, dass die nachhaltige Bindung aller Talente essentiell ist, um Deutschland als wettbewerbsstarken Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort im Zeitalter der Digitalisierung weiter zu entwickeln.

Die Bundesregierung ist überzeugt, dass wir auf das Potenzial von Frauen in MINT-Bereichen nicht verzichten können. Wir stellen jedoch fest, dass dieses weibliche Potenzial bislang nicht umfassend ausgeschöpft wird.

Die technologischen und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen erfordern unbestritten eine stärkere Gewinnung von Frauen für zukunftsweisende MINT-Berufe.

Das BMBF hat aus diesem Grunde die Ausrichtung dieser Fachtagung von der ersten Idee an ermöglicht und positiv begleitet.

Unter der Überschrift „Karrieren gestalten, Potenziale entfalten“ beschäftigen Sie sich heute und morgen damit, wie wir künftig noch stärker die Kompetenzen von jungen Frauen im MINT-Bereich hervorbringen und diese für die digitale Wissensgesellschaft nutzen können.

Im Fokus steht dabei, wie sich die Erkenntnisse aus den Projekten der BMBF-Förderlinie „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ in die Lebens- und Arbeitswelt überführen lassen.

Für die angestrebte Teilhabe von Frauen im MINT-Berufsfeld müssen wir gemeinsam bisherige Befunde der Berufswahlentscheidung bewältigen: Zum einen zeigt sich bei Mädchen im Jugendalter eine stärkere Abkehr von naturwissenschaftlich-technischen Themen als bei den Jungen. Mädchen unterschätzen – im Gegensatz zu Jungen – oft ihre Fähigkeiten im MINT-Bereich.

Infolge von Rollenklischees und nicht selten aufgrund eines mangelnden Zutrauens in die eigenen Fähigkeiten, naturwissenschaftliche Probleme erfolgreich lösen zu können, werden MINT-Ausbildungen von Mädchen oft nicht gewählt und in der Folge MINT-Berufe nicht ergriffen.

Eine weitere Zugangshürde kann sich ergeben, wenn Schülerinnen über zu wenige oder unzureichende Informationen über die MINT-Ausbildung und -Berufe verfügen.

Oftmals mangelt es den grundsätzlich MINT-affinen Mädchen auch an konkreten Eindrücken zu Arbeitsfeldern und Karrieremöglichkeiten in den MINT-Berufen.

Genau hier setzt eine aktuelle Strategie der Bundesregierung an. Wir haben unsere Ziele im MINT-Aktionsplan noch einmal präzisiert und in die Öffentlichkeit getragen. Mit den neuen Maßnahmen wollen wir auch gezielt Mädchen und junge Frauen ansprechen. Sie für MINT-Themen zu begeistern, ist ein wichtiges Anliegen.

Die Förderung der besonderen Belange von Mädchen und Frauen ist Querschnittsaufgabe der Maßnahmen des MINT-Aktionsplans der Bundesregierung. Wir wollen, dass Geschlechterstereotype überwunden werden, wir engagieren uns für eine Berufs- und Studienorientierung nach individuellen Interessen und Talenten und unbeeinflusst von Geschlechterstereotypen und Rollenklischees.

Die Förderung der Chancengerechtigkeit in MINT-Berufen und MINT-Fächern ist ein wesentlicher Bestandteil zur Stärkung der MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette. Alle Stakeholder müssen den Prozess der beruflichen Entwicklung weiblicher MINT-Nachwuchskräfte ganzheitlich unterstützen, damit sich die MINT-Potenziale entfalten und weibliche MINT-Exzellenz nachhaltig in den Arbeitsmarkt eingebunden werden kann.

Wir nehmen dabei alle Bildungsbereiche in den Blick – beginnend bei der beruflichen Orientierung im Kindes- und Jugendalter über den Prozess der Studien- und Berufswahl bis hin zur Gestaltung beruflicher Karrierewege auf dem Weg an die Spitze.

Zentrales Element dabei ist der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen („Komm, mach MINT.“), den das BMBF 2008 ins Leben gerufen hat. Mit dem Zusammenschluss von Unternehmen und Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien ist eine Netzwerkinitiative von bundesweiter Strahlkraft mit gegenwärtig mehr als 300 Partnern gewachsen.

Durch ihr Engagement leisten die MINT-Pakt-Partner einen wesentlichen Beitrag, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und den Kulturwandel zur Überwindung von Geschlechterstereotypen in den Unternehmen und Institutionen nachhaltig voranzutreiben. Mit ihrem Beitritt zum MINT-Pakt-Netzwerk bekräftigen und stärken sie ihr spezifisches Engagement zur Umsetzung der Zielstellungen des MINT-Pakts.

Mit der Förderlinie „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ unterstützt die Bundesregierung selbst die Umsetzung der MINT-Pakt-Zielstellungen. Mit der finanziellen Unterstützung des BMBF setzen seit 2015 insgesamt 55 geförderte Vorhaben erfolgreiche Forschungsprojekte und Maßnahmen um.

Diese werden ihre Ergebnisse heute und morgen präsentieren. Ich bin mir sicher, dass ein anregender Austausch zwischen den Partnern der geförderten Vorhaben zu neuen Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten führen wird.

Darüber hinaus erhoffe ich mir, dass die Projektergebnisse deutschlandweit in die Breite getragen werden und Multiplikatoren ansprechen, selbst Mädchen für MINT zu begeistern und ihren individuellen MINT-Weg zu fördern und zu begleiten.

Hier soll übrigens in Zukunft die als Maßnahme des MINT-Aktionsplans geplante Vernetzungs- und Kompetenzstelle ansetzen: Best practice in die Fläche bringen und Forschungsergebnisse umsetzen. Die entsprechende Förderbekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird bald veröffentlicht werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie verifiziert die Bundesregierung die Wirksamkeit ihrer Fördermaßnahmen für Mädchen und Frauen im MINT-Bereich? Hier lohnt sich ein Blick in amtliche Statistiken. Die steigenden Zahlen von Studienanfängerinnen und Absolventinnen in den MINT-Fächern machen Erfolge und Tendenzen deutlich. Allerdings gibt es innerhalb des MINT-Bereichs Unterschiede. Erfreulicherweise hat im Studienbereich Informatik der Anteil an Studienanfängerinnen und Absolventinnen in den vergangenen Jahren besonders zugelegt.

Dennoch zeigt sich in den Statistiken noch eine ungleiche Teilhabe von Frauen und Männern in MINT-Fächern. Frauen sind nach wie vor in MINT-Studiengängen und -Berufen unterrepräsentiert. Dies muss sich ändern!

Wir können es uns nicht leisten, auf weibliche Talente im MINT-Bereich zu verzichten. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur den Prozess der individuellen beruflichen Entwicklung von jungen Frauen zu unterstützen.

Als Gesellschaft sind wir auch gefordert, Rahmenbedingungen zu fördern, die den begeisterten MINT-Frauen chancengerechte Berufskarrieren ermöglichen.

Hier richtet sich mein Appell insbesondere an Wirtschaft und Wissenschaft sowie an die Sozialpartner, mit geeigneten Strukturen und modernen Konzepten dafür zu sorgen, dass sich ein gendersensibler Kulturwandel in der Arbeitswelt vollziehen kann.

Es müssen langfristige, spezifische Angebote zur akademischen Berufs- und Studienorientierung etabliert und Angebote zum Auf- und Ausbau von Netzwerken geschaffen werden.

Und es müssen Weiterbildungsangebote initialisiert und Personalentwicklungsmaßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen eingesetzt werden.

Notwendig sind ebenfalls flexible Arbeitszeitmodelle, die zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen – und zwar für Frauen wie für Männer!

Expertinnen und Experten für Personalentwicklung können diesen Kulturwandel fachlich unterstützen.

Unternehmen und Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen ambitionierte, selbstverpflichtende Ziele auf oberster Leitungsebene formulieren und verfolgen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Digitalgipfel der Bundesregierung hat Ende Oktober sehr deutlich die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass wir bereits gegenwärtig und auch zukünftig einen hohen Bedarf an kreativen Köpfen mit innovativen Ideen in der IT-Branche haben.

Deshalb ist die Unterrepräsentanz von Frauen im Studienbereich Informatik als auch in den hochqualifizierten IT-Berufen, wie z. B. in der Softwareentwicklung, besonders kritisch zu sehen.

Hochtalentierte Nachwuchskräfte sollen vermehrt ihre Berufsfelder in der zukunftsweisenden Hightech-Branche suchen. Wir müssen deshalb weiter dafür arbeiten, dass Frauen mit MINT- und IT-Qualifikationen die Chance haben, den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten.

Hierzu hat das BMBF heute eine neue Förderbekanntmachung veröffentlicht: MINT-Cluster für Jugendliche. Wir wollen Strukturen für MINT-Angebote im Nachmittagsbereich fördern, die einen breiten Zugang zur MINT-Thematik unterstützen.

In einer Region sollen sich dazu die relevanten Akteure zusammenfinden, um z.B. Mädchen für MINT zu begeistern. Die besten Bewerbungen werden für eine Förderung ausgewählt. Vielleicht können Sie sich mit Ihrer Expertise und gelungenen Ideen einbringen.

Ein Fokus der Förderlinie „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ lag auf der Gewinnung von jungen Frauen für Berufe der Informatik. Hierzu werden Ihnen im Verlauf dieser Tagung Projektergebnisse mit spezifischen Maßnahmen vorgestellt. Nutzen Sie die angebotenen Sessions und den Markt der Möglichkeiten mit dem Motto „(M)INTeraktiv. ‚Erfolg mit MINT‘-Projekte zum Anfassen“.

Lassen Sie mich an dieser Stelle exemplarisch auf zwei erfolgreiche Projekte unserer Förderung näher eingehen.

  • Das standortübergreifende Verbundprojekt „SMILE“ zielt darauf, ein positives Bild der Informatik aufzubauen und junge Frauen über ein spannendes Kursangebot für die Informatik zu begeistern.

Hierzu wurden für Schülerinnen der 5. bis 13. Klassenstufe praxisorientierte Workshops angeboten, in der sie smarte Gebrauchsartikel – wie z. B. leuchtende Rucksäcke, die auf die Umgebung regieren – entwickeln konnten.

Mit diesem aktivierenden Konzept leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag, um Mädchen einen lebendigen und erfahrbaren Zugang zur Welt der Informatik zu vermitteln, in der sie sich selbst als aktiv gestaltend und kreativ wahrnehmen.

  • Das Verbundvorhaben „GeWInN“ zielt darauf ab, weibliche Young Professionals in der Informatik auf ihrem Weg in Spitzenpositionen zu unterstützen.

Im Zentrum stand der Forschungstransfer: wissenschaftliches Geschlechterwissen wurde in einem Dialog zwischen Unternehmen und Wissenschaft in Reallaboren weiterentwickelt, aufbereitet und für die praktische Umsetzung handhabbar gemacht.

Damit stärkt das Projekt die Chancengerechtigkeit im Allgemeinen und trägt konkret und effektiv zur diversitätssensiblen Mitgestaltung des digitalen Wandels bei.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

um langfristig mehr Frauen zu gewinnen, müssen wir mit Rekurs auf das Motto dieser Veranstaltung junge Frauen stärker ermutigen, ihre Potenziale in MINT zu entfalten und sie bei der Gestaltung ihrer MINT-Karriere unterstützen.

Mädchen und junge Frauen sollen sich angemessen über MINT-Berufe und MINT-Studiengänge informieren können, weibliche Rollenvorbilder sollen ihr Selbstkonzept stärken und sind durchaus geeignet, den beruflichen Orientierungsprozess frühzeitig zu prägen.

Ein Role Model kann eine historische Persönlichkeit sein. Es kann aber auch eine der hier anwesenden Personen sein, wie die Meeresbiologin Frau Professorin Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven.

Oder auch die Programmiererin und Unternehmerin Aya Jaff, die Sie morgen bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Chancen für Frauen auf dem MINT-Arbeitsmarkt“ kennenlernen werden.

Ob MINT-Frauen aus der Wissenschaft oder der Wirtschaft: Sie alle sind Vorbilder, die Mädchen und junge Frauen dazu anregen, einen MINT-Karriereweg einzuschlagen.

Bei der Repräsentation und Verbreitung von weiblichen Rollenvorbildern nehmen digitale Anwendungen wie Apps inzwischen eine entscheidende Rolle ein.

Apps werden also auch zur zielgerichteten Ansprache von jungen Frauen im Zeitalter der Digitalisierung immer wichtiger.

In unserer Förderung unterstützen wir daher spezifische Maßnahmen, die durch adäquate digitale Angebote darauf zielen, mehr Frauen für ein MINT-Studium zu begeistern.

Trotz unserer neuen Anstrengungen durch den MINT-Aktionsplan kann die Sensibilisierung für MINT aber nicht allein oder vorrangig vom Bund geleistet werden.

MINT-Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, zu der die unterschiedlichsten Akteure mit ihren spezifischen Kompetenzen beitragen. Dabei ist eine gender- und diversitätssensible Kultur grundlegende Voraussetzung zur innovativen Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse und zur erfolgreichen Bewältigung von Herausforderungen der Digitalisierung.

Wegweisend für das heutige Know-how in Hightech- und IT-Berufen waren die Erkenntnisse der Programmiererin Ada Lovelace.

Lassen Sie uns gemeinsam weiter daran arbeiten, Frauen aktiv in die MINT-Berufe einzubinden und ihre Potenziale zu nutzen, um den digitalen Wandel chancengerecht voranzutreiben!

Damit wünsche ich Ihnen allen eine erfolgreiche Tagung, einen transferorientierten Austausch und anregende Impulse zur Gewinnung von weiblichem Nachwuchs und zukünftigen Führungskräften im MINT-Bereich.
Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!