Erfolgreiche Forschung zur Magersucht

Neue Behandlungsansätze in klinischen Studien untersucht / Wanka: „Leiden der Patientinnen und Patienten werden wirkungsvoller gemildert“

Die Magersucht zählt zu den gefährlichsten und folgenschwersten psychischen Erkrankungen: Nahezu jeder fünfte erkrankte Mensch stirbt an den Folgen der Unterernährung. Magersucht ist, nach Asthma und Fettleibigkeit, die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen. Neue Ansätze zur Behandlung von Essstörungen sind daher dringend erforderlich. Zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte klinische Studien zur Magersucht, die zu den weltweit größten Untersuchungen auf diesem Gebiet zählen, sind nun zu erfolgversprechenden Ergebnissen gekommen. „Diese herausragenden Forschungsarbeiten werden dazu führen, dass Patientinnen und Patienten besser versorgt und ihre Leiden gemildert werden können“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Erstmals konnte wissenschaftlich belegt werden, dass bestimmte Behandlungen auch langfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit von magersüchtigen Mädchen und Frauen führen. Die Arbeitsgruppen um Professor Dr. Stephan Zipfel in Tübingen und Professor Dr. Wolfgang Herzog in Heidelberg haben hierzu drei Psychotherapieverfahren miteinander verglichen. Darunter befand sich auch die noch relativ junge „fokale psychodynamische Therapie“. Bei dieser Therapie steht die Verarbeitung von Emotionen im Mittelpunkt. Betroffene werden gezielt auf den Alltag nach Therapieende vorbereitet. Die fokale psychodynamische Therapie lieferte insgesamt deutlich bessere Ergebnisse als die bisherige Standardbehandlung.

Gleichzeitig entwickelten und erprobten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch völlig neue Therapiekonzepte. Das Studienteam um Professorin Dr. Beate Herpertz-Dahlmann aus Aachen hat Alternativen zur heute üblichen, klinischen Behandlung der Betroffenen untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass von Magersucht betroffene Personen nicht mehr notwendigerweise vollstationär behandelt werden müssen. Ein modifizierter Ansatz, bei dem die Betroffenen nur tagsüber in der Klinik sind und am Behandlungsprogramm teilnehmen, erzielt gleichwertige Effekte. Dies ist insgesamt deutlich weniger belastend für die Betroffenen und gleichzeitig kostengünstiger.

Die Ergebnisse beider Studien wurden in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht – ein Beleg für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Spitzenforschung aus Deutschland. Die neuen Therapien stehen jetzt Medizinerinnen und Medizinern weltweit zur Verfügung. Zur Durchführung der beiden klinischen Studien arbeitete ein Netzwerk aus Kliniken in ganz Deutschland fast acht Jahre lang zur Erforschung von Essstörungen zusammen. Dieses Netzwerk (EDNET – Eating Disorders Diagnostic and Treatment Network) untersuchte auch andere Krankheiten, so die Bulimie und die Binge-Essstörung. Es ist Teil der vom BMBF geförderten „Forschungsverbünde zur Psychotherapie“, die von 2006 bis 2014 mit insgesamt 30 Millionen Euro gefördert wurden.

Weitere Informationen zum Thema und zum EDNET-Netzwerk:
http://www.ednet-essstoerungen.de/
http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/5209.php und
http://www.bmbf.de/de/gesundheitsforschung.php