Ernährungsforschung

Essen ist mehr als pure Energiezufuhr. Wie wirken verschiedene Nährstoffe auf den Organismus? Wie können wir uns gesund ernähren? Wie sieht das Lebensmittelangebot der Zukunft aus? Die Ernährungsforschung sucht nach Antworten auf diese Fragen.

Mediterrane Küche
Gut für Herz und Gefäße: Die mediterrane Küche ist reich an Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren. © Thinkstock

Noch nie war unser Nahrungsangebot so vielfältig und preisgünstig. Wir haben die besten Voraussetzungen, um uns gesund zu ernähren: Doch die Vielfalt verunsichert uns auch. Fast täglich erscheinen neue Ernährungsempfehlungen und Diätratgeber. Und trotzdem nehmen ernährungsbedingte Krankheiten in Deutschland zu: Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Rund zwei Millionen Kinder haben schon etliche Pfunde mehr als gut für sie ist. Doch es ist nicht nur Über- oder Untergewicht. Auch Lebensmittelallergien und Stoffwechselerkrankungen werden durch unsere Ernährung direkt beeinflusst. Hinzu kommt, dass mit uns auch unsere Gesellschaft älter wird und unsere Lebensumstände sich ändern. Diese Tatsachen stellen die Ernährungsforschung vor Herausforderungen.

Zusammenhänge verstehen

Gesucht werden sinnvolle Strategien, die dabei helfen, ernährungsbedingte Krankheiten und ihre Folgen zu verringern. Die moderne Ernährungsforschung will verstehen, wie Ernährung, individuelle Eigenschaften und äußere Umstände einander bedingen und welche Auswirkungen dieses Wechselspiel auf unsere Gesundheit hat. Es geht dabei beispielsweise um erbliche Anlagen oder bestimmte Lebensgewohnheiten. Aber auch das soziale Umfeld oder der kulturelle Hintergrund spielen eine Rolle und werden erfasst. Die Erkenntnisse können in sinnvolle individuelle Präventions- und Therapieansätze einfließen. Beispielsweise hat eine groß angelegte europäische Studie unter Federführung von Forscherinnen und Forschern am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München klar gezeigt, dass sich das Adipositas-Risiko für Schulkinder alleine durch eiweißarme Ernährung im ersten Lebensjahr um etwa das Dreifache senken lässt. Diese Ergebnisse haben 2014 zu einer Überarbeitung der Säuglingsnahrungsrichtlinie durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA geführt.

Forschungsexpertise bündeln

Das Bundesforschungsministerium fördert die Ernährungsforschung und gestaltet den Ausbau deutscher ernährungswissenschaftlicher Expertise. Ein Beispiel sind die "Kompetenzcluster der Ernährungsforschung". Hier werden in ausgewählten Regionen die Forschungskapazitäten aus Wissenschaft und Wirtschaft gebündelt, um aktuelle Fragen der Ernährungsforschung zu beantworten: Wie sollten wir uns in den unterschiedlichen Lebensphasen am besten ernähren, um unsere Gesundheit zu erhalten und zu fördern? Wie kann Ernährung dabei helfen, der Entstehung chronischer Krankheiten vorzubeugen? Damit neue wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst rasch in die Produktion gesundheitsförderlicher Lebensmittel einfließen können, müssen unterschiedliche Fachrichtungen eng zusammenarbeiten: Natur- und Ernährungswissenschaften, Lebensmitteltechnologie und Medizin,  aber auch Psychologie, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften gehören dazu. Denn die Herausforderung ist, dass die Lebensmittel sicher sein müssen und von den Verbraucherinnen und Verbrauchern auch akzeptiert werden sollen.

Das Bundesforschungsministerium beteiligt sich auch an der europäischen Aktivität "A Healthy Diet for a Healthy Life" (JPI HDHL). Im Zuge einer gemeinsamen Programmplanung sollen die Aktivitäten der europäischen und mit Europa verbundenen Förderorganisationen besser koordiniert werden. In den beteiligten Ländern werden Informationen über die Forschungsaktivitäten im Bereich Ernährung und Gesundheit zusammengetragen, strategisch abgestimmt und schließlich grenzüberschreitende internationale Forschungsprojekte sowie andere Aktivitäten gefördert.