Eröffnung der Forschungsfabrik des Forschungscampus ARENA2036

Grußwort von Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in Stuttgart

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist eher unüblich, ein Grußwort mit einem Dank zu beginnen, aber angesichts des beeindruckenden Engagements der hier Anwesenden möchte ich eins gleich vorweg nehmen:

Der Forschungscampus ARENA2036 ist deutschlandweit einer der innovativsten Standorte für die Entwicklung des nachhaltigen Automobilbaus der nächsten Fahrzeuggeneration – mit fester Verankerung in der Region und internationaler Sichtbarkeit.

Hier werden nach dem Prinzip „industry on campus“ Grundlagenforschung und Anwendung zusammengedacht. Hier arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft in einer zielorientierten und kreativen Partnerschaft auf Augenhöhe.

Ich möchte den beteiligten Partnern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und dem Land Baden-Württemberg dafür meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen.

Was ist aus Sicht des Bundesforschungsministeriums das Besondere an dem hier Entstandenen?

ARENA2036 ist einer von neun Forschungscampi in Deutschland, die wir seit 2013 mit jährlich 2 Millionen Euro pro Forschungscampus unterstützen. Jeder Forschungscampus hat die Perspektive, über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren Förderung zu erhalten.

Ein klares und faires Commitment zueinander (auch finanziell), eine gemeinsame Forschungs- und Innovationsagenda und die Zusammenarbeit „unter einem Dach“ unterscheiden den Forschungscampus von der klassischen Verbundprojektförderung.

Kurzum: Wir erproben mit dem Forschungscampus-Ansatz einen neuen Typ strategischer Forschungsstruktur in Deutschland. Daher beobachten wir die Entwicklung der Forschungscampi auch sehr intensiv. Es fällt uns besonders auf, welche Schubkraft ein eigenes Forschungscampus-Gebäude entfaltet.

Hier in Stuttgart wurde ein besonders großes „Dach“ gebaut. In diesen Hallen wird die gesamte Wertschöpfungskette des volldigitalisierten Fahrzeugs neu gedacht und umgesetzt. Wir halten das hier praktizierte Arbeitsmodell von Wissenschaft und Wirtschaft für das Modell der Zukunft.

Damit wird auch denen eine Antwort gegeben, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft kritisch hinterfragen. Wir brauchen eine neue Kooperationskultur von Wissenschaft und Wirtschaft, um eine gemeinsame Vision von der Mobilität der Zukunft umzusetzen. Dies bringt nicht nur Wissenschaft und Wirtschaft voran, sondern dient vor allem unserer Gesellschaft.

Die Menschen spüren, dass unser Arbeitsalltag in einem fundamentalen Wandel begriffen ist. Eine repräsentative Befragung im Auftrag des BMBF ergab kürzlich, dass 75 Prozent der Befragten mit einer spürbaren Veränderung der Arbeitswelt bis zum Jahr 2030 rechnen.

Der Gestaltung neuer Arbeitswelten widmen wir deshalb in diesem Jahr unser neues BMBF-Wissenschaftsjahr „Arbeitswelten der Zukunft“.

Auch um Beispiele wie das der Forschungsfabrik und deren Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbarer, transparenter und damit zugänglicher machen.

Es ist daher kein Zufall, dass die heutige Eröffnung der Forschungsfabrik eine Station der Eröffnungswoche unseres neuen BMBF-Wissenschaftsjahres „Arbeitswelten der Zukunft“ ist.

Neben der Erforschung des intelligenten Leichtbaus werden hier in der ARENA2036 mit dem Projekt Khoch3 die Arbeitsmethoden selbst zum Forschungs- und Analysegegenstand:

Im Mittelpunkt steht dabei die einfache Frage: Wie muss ein Arbeitsprozess gestaltet sein, um die „assets“ der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft optimal nutzen zu können. Gemeinsam wurden zum Beispiel flexible Raumkonzepte für kreatives und konzentriertes Arbeiten entwickelt. Daher gibt es in der Forschungsfabrik für verschiedene Arbeitsschritte in der Produktentstehungsphase optimierte Arbeitsbereiche.

Ich kann Sie nur ermutigen, die arbeitswissenschaftliche Analyse Ihres Schaffens weiterhin als integralen Bestandteil Ihrer Innovationsstrategie zu begreifen.

Meine Damen und Herren, die strategische Bedeutung der Ressource „Wissen“ wächst proportional zum Digitalisierungs- und Vernetzungsgrad.

Wettbewerbsstark bleibt, wer ungenutzte Potentiale aus vorhandenem Wissen nutzbar macht, Innovationsprozesse zielgerichtet für neue Partner öffnet und Freiräume für Experimentierfreude und Kreativität schafft.

So entsteht Potential für Disruption und Erneuerung, so entstehen unsere Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft.

Die Förderung des wechselseitigen Erkenntnistransfers zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wird auch weiterhin von hoher politischer Priorität sein.

An  den neun Forschungscampi kooperieren bereits insgesamt rund 220 Akteure miteinander. Ein Viertel der Partner kommt dabei aus der Wissenschaft und drei Viertel aus der Wirtschaft. Die Hälfte der beteiligten Unternehmen sind KMU!

Wir sind der Meinung, dass die Messlatte hier noch nicht erreicht ist und es mehr Forschungscampi in Deutschland geben sollte, in denen die Arbeitswelten der Zukunft gestaltet werden.

Deshalb planen wir im BMBF, die Forschungscampus-Förderung auszubauen und qualitativ weiterzuentwickeln.

Liebe Vertreterinnen und Vertreter der ARENA2036, ich möchte Sie ermuntern, die hier entstandenen vertrauensvollen, festen Beziehungen zwischen den beteiligten Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und anderen Organisationen weiter wachsen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen für die im Mai dieses Jahres anstehende Bewährungsprobe vor der Forschungscampus-Jury viel Erfolg!