Eröffnung des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, in Chemnitz

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede

Auf den heutigen Tag haben sich viele gefreut. Sachsen hat zahlreiche archäologische Schätze. Es hat jedoch mehrere Jahre gedauert, um diese Schätze ab heute wunderbar in der Dauerausstellung und dann wahrscheinlich auch in Sonderausstellungen präsentieren zu können.

Wenn ein neues Museum eröffnet wird, ist das immer etwas Großartiges. Sachsen ist ein Land mit einer reichen Museumslandschaft. Als Kulturministerin von Brandenburg war ich immer etwas neidisch. Denn dieses Bundesland hatte in all den Jahren immer die höchsten Ausgaben für Kultur, das ist jetzt immer noch so. Normalerweise umfasst der Kulturbereich etwa ein Prozent des Landeshaushalts. In Sachsen sind es fast 3,9 Prozent. Und wenn man einmal die Kulturausgaben pro Kopf betrachtet, gibt Sachsen von allen Flächenländern in Deutschland das meiste Geld für Kultur aus.

Ebenso begeistert war und bin ich von dem Kulturraumgesetz – zunächst ein Modellversuch, weil viele daran gezweifelt haben, dass das in Deutschland aus verfassungsrechtlichen und anderen Gründen möglich sei. Dass es schließlich gelungen ist und dass wir jetzt die Möglichkeit haben, auch regional Kultur zu fördern – wie es in einem Flächenland wie Sachsen mit vielen herausragenden Orten und Sammlungen auch wichtig ist –, das ist schon ungewöhnlich. Es zeigt, dass die Sachsen gerne einmal etwas anders machen und in der Regel dabei erfolgreich sind.

Das zeigt auch dieses Haus. Wenn ich mich hier umschaue, kann ich sagen: Hier ist eine mit vielen modernen Gestaltungselementen versehene Ausstellung entstanden. Ich hatte vorher gefragt, ob es denn in diesem Landesmuseum, in dem die Archäologie Sachsens präsentiert wird, auch einen Fund aus meinem Heimatkreis, dem Altkreis Torgau, gibt. Und ich wurde überrascht: Nicht nur aus dem Kreis Torgau, sondern sogar aus der Nähe meines Heimatortes, zwei Kilometer von ihm entfernt, ist etwas ausgestellt. Es ist ein Fund aus einem Mädchengrab, den ich selber nicht kenne und den ich mir jetzt gleich genauer anschauen werde.

Geschichte hautnah zu erleben und etwas über die Menschen zu erfahren, die vor Hunderten oder vor Tausenden von Jahren dort gelebt haben, wo man selber zu Hause ist, ist etwas ganz besonders Schönes. Das ist für die Verbundenheit mit der Heimat sehr wichtig, es ist ein Stück Identität.

Heute kann Archäologie nicht nur ganz anders präsentiert werden, sondern über die archäologischen Funde kann man auch ganz andere Erfahrungen sammeln. Durch moderne Techniken, durch die Metallkunde, die Ingenieurwissenschaften und die Biologie werden die Informationen, die über Jahrtausende in den Exponaten versteckt waren, sichtbar. Damit erfahren wir sehr viel über die Erdgeschichte. Zum Beispiel kann man anhand von Knochenfunden Rückschlüsse auf die Umweltverschmutzung vor tausend Jahren ziehen.

Archäologie ist deshalb auch sehr wichtig für viele globale Fragen unserer Zeit.

Archäologie ist heute nicht ohne Forschung möglich. Seitens des Bundes fördern wir dauerhaft sogenannte Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Aber wir fördern auch temporäre Forschungsverbünde, in denen sich Museen mit anderen Forschungseinrichtungen zusammengetan haben. An den Ausschreibungen haben sich, wenn es um sammlungsbezogene Forschung geht, auch sächsische Einrichtungen beteiligt. Mit diesem Museum sowie den erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden aber vielleicht noch sehr viel mehr Möglichkeiten genutzt werden können, die der Bund bietet.

Was ich außerdem erstaunlich finde, ist das Gebäude, in dem sich dieses Museum jetzt befindet. Ich habe eine besondere Vorliebe für die Architektur von Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts, wie zum Beispiel den Einsteinturm in Potsdam oder die Hutfabrik in Luckenwalde von Erich Mendelsohn. Ich finde es sehr schön, dass in Chemnitz das Staatliche Museum für Archäologie in einem Erich Mendelsohn-Bau untergebracht ist, der restauriert und instand gesetzt wurde.

Mein besonderer Dank gilt der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst in Sachsen, Sabine von Schorlemer. Sie hat sich sehr dafür engagiert, dass in diesem Museum jüdische Geschichte und speziell die Familiengeschichte der Familie Schocken einen würdigen Platz findet. Das zeigt zum einen den Respekt gegenüber der Familie, zum anderen hat es eine große Bedeutung für alle, die wie ich in der ehemaligen DDR zu Hause waren.

Der Holocaust war auch ein Thema unseres Geschichtsunterrichts. Aber es gab keine Beziehungen zu Israel. Auch die jüdische Geschichte und der Alltag der Juden wurden nicht behandelt. So ist das Kaufhaus Schocken für alle in Chemnitz ein Begriff. Warum jedoch diese Familie zu einem bestimmten Zeitpunkt gegangen ist, darüber wissen die Chemnitzer sehr wenig. Deshalb finde ich es sehr gut, dass man das jetzt in diesem Haus auch angemessen präsentiert.

Dass Chemnitz ein Landesmuseum hat, ist ein Glücksfall. Es ist schön für eine Oberbürgermeisterin und auch eine Attraktion für alle Bürgerinnen und Bürger von Chemnitz und von Sachsen. Und dieser Dreiklang aus Archäologischem Museum, wunderbarem Denkmal und jüdischer Geschichte ist etwas Wunderbares. Ich bin sicher: Das Museum wird viele Besucherinnen und Besucher anziehen.

Vielen Dank.