"Erzählung und Wissenschaft – das ist kein Gegensatz"

Der "Klar-Text-Preis" zeigt: "Es gibt sie, die hervorragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Kommunikation mitdenken, die schreiben können und denen es gelingt, Wissenschaft anschaulich zu machen", sagt Staatssekretär Lukas.

Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei der Verleihung des Klar-Text-Preises für Wissenschaftskommunikation am 10. Oktober 2019 in Heidelberg.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Familie Tschira,

sehr geehrter Harald Tschira,

sehr geehrter Udo Tschira,

sehr geehrte Frau Spiegel,

sehr geehrter Herr Stollorz,

sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Stellen Sie sich einen klassischen Weinabend mit Ihren Freunden und Bekannten vor: Da gibt es Themengebiete, da fällt es Wissenschaftlern besonders leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen: Sportwissenschaftlern können mit einer treffsicheren Analyse über den Zustand des deutschen Fußballs punkten, Rechtswissenschaftlern finden bei Gesprächspartnern mit alltags-praktischen Hinweisen sicheren Zulauf und Politikwissenschaftler diskutieren über die großen Fragen des aktuellen Weltgesche-hens. Die Aufmerksamkeit ist bei allen drei Fällen sicher.

Doch nun führen Sie sich eines vor Augen: Ich bin Physiker. Und als Physiker kann es schon recht schweißtreibend sein, die Flamme der Begeisterung für die eigenen Themen, auch beim Tischnachbarn zu entflammen. Nun sage ich Ihnen als Physiker: Es kommt stets auf den Versuch an! Er lohnt sich. Und es kommt darauf an, dass es möglichst viele Physiker gibt, die ähnlich den-ken und ähnlich handeln.

Als Physiker war es dem SAP-Gründer Klaus Tschira ein großes Anliegen, junge Naturwissenschaftler zu fördern. Dabei richtete sich sein Augenmerk auf zwei Schwerpunkte: Einerseits der Förderung von naturwissenschaftlich-technischer Bildung; anderseits die Förderung von Forscherpersönlichkeiten, die Methoden und Ergebnisse ihrer Forschung verständlich beschreiben konnten.

Für beide Aspekte stehen beispielhaft die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger. Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, haben nicht nur eine herausragende Doktorarbeit geschrieben. Sie haben auch in ihren eingereichten Texten die Übersetzung komplexer Sachverhalte in klar verständliche Sprache perfektioniert.

Sie zeigen damit erneut: Es gibt sie, die hervorragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Kommunikation mitdenken, die schreiben können und denen es gelingt, Wissenschaft anschaulich zu machen.

Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträger des heutigen KlarText-Preises aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu dieser herausragenden Leistung. Sie stehen als Wissenschaftler in der besten Tradition eines aufgeklärten Forschergeistes.

Meine Damen und Herren,

jeder einzelne Text wäre es wert, vorgestellt zu werden. Pars pro toto nenne ich den Forschungsbericht eines Geologen aus Chemnitz, der Ihnen im Verlaufe der Preisverleihung noch näher vorgestellt wird. Die Grundlage seiner Forschung liegt nicht in, sondern unter der heutigen Stadt Chemnitz. Dort ist ein fossiler Wald aus dem Erdzeitalter des Perms unter meterhoher Vulkanasche begraben. Die versteinerten Baumstämme mit ihren Jahresringen bieten einen faszinierenden Blick in das tropische Leben der Region vor 291 Millionen Jahren. Teilweise sind sie so gut erhalten, dass anhand der Baumringe sogar der Zyklus der Sonnenaktivität nachvollzogen werden konnte. Resultat ist eine dichte, faktenbasierte Erzählung unserer Urgeschichte.

Meine Damen und Herren,

Erzählung und Wissenschaft – das ist kein Gegensatz. Es ist sogar dringend nötig, sich Zeit zu nehmen, um Wissenschaft verständlich zu erzählen. Es ist nötig, dass sich Wissenschaft – auch auf diese Weise! – positioniert und ihren politischen Standort definiert. Wir erleben erfreulicherweise eine junge Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die dies tut. Auf vielen Wegen, auf vielen medialen Kanälen, international und diskursorientiert. Was sie leitet? Das Bewusstsein, dass Wissenschaft immer und immer wieder den Dialog mit der Gesellschaft suchen sollte.

Dieses Bewusstsein verbindet uns mit Ihnen, liebe Preisträger, und natürlich mit Ihnen allen hier im Publikum, meine Damen und Herren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung enga-giert sich seit langem dafür, Wissenschaftskommunikation weiter voranzubringen und zu unterstützen. Durch unterschiedlichste Förderungen und in vielfältigen Formaten setzen wir uns für mehr Anreize zur Stärkung der Kommunikation im Forschungsalltag ebenso ein wie für mehr Akzeptanz und Anerkennung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Dialog mit der Gesellschaft auf verschiedensten Wegen suchen.

Klaus Tschira hatte schon vor über 20 Jahre die Weitsicht, die Bedeutung der Kommunikation in der Forschung zu erkennen und zu fördern.

Die Klaus Tschira Stiftung leistet als Förderer und Advokat der Wissenschaftskommunikation seit Jahren wertvolle Arbeit. Dazu zählen auch zwei Leuchttürme der Kommunikation und des Journalismus, die bundesweit strahlen: das Nationale Institut Wissenschaftskommunikation, das sogenannte NaWik, und das Science Media Center Germany. Durch die guten Angebote des NaWik werden Forschende geschult, wie sie verständlich mit verschiedenen Zielgruppen kommunizieren können. Das Science Media Center bietet Journalistinnen und Journalisten Expertenwissen, wenn Wissenschaft Schlagzeilen macht. Ich bedanke mich im Namen des BMBF bei der Klaus Tschira Stiftung für ihr Engage-ment. Insbesondere danke ich der Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung, Beate Spiegel.

Wir werden auch künftig gemeinsam daran arbeiten, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau die Rahmenbedingungen erhalten, die sie – neben ihrer Forschertätigkeit – für den Austausch mit der Öffentlichkeit auch brauchen.

Vielen Dank!