Europa: Gemeinsam forschen – gemeinsam wachsen

Kabinett beschließt Strategie zum Europäischen Forschungsraum / Wanka: „Europa ist ein Kontinent der Ideen und Innovationen“

Das Kabinett hat heute die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum (EFR) beschlossen. Damit legt Deutschland als erstes EU-Mitgliedsland eine eigene Strategie zur weiteren Gestaltung der europäischen Forschungspolitik vor. Analog zu den Grundfreiheiten des Binnenmarktes ermöglicht der europäische Forschungsraum Freizügigkeit für Forscherinnen und Forscher und den freien Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien.
Die Europäische Union produziert nahezu 30 Prozent des weltweiten Wissens – mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von ca. 7 Prozent. Damit ist Europa gut aufgestellt, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. Der globale Wissens- und Innovationswettbewerb verschärft sich jedoch zunehmend: Insbesondere in Asien werden Innovationskapazitäten und bedeutende wissenschaftliche und technologische Zentren mit großer Dynamik ausgebaut.
Ein gemeinsamer Forschungsraum bündelt die Forschungskapazitäten in Europa und schafft damit ein Gegengewicht zur Konkurrenz aus Asien und den USA – eröffnet aber auch neue Kooperationschancen. „Europa ist ein Kontinent der Ideen und Innovationen. Wir brauchen einen offenen gemeinsamen Forschungsraum, der für die besten Talente der Welt attraktiv ist. Nur so kann Europa seine wissenschaftliche Leistungskraft und seine globale Wettbewerbsfähigkeit ausbauen“ sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Als größte Wirtschafts- und Forschungsnation Europas kommt Deutschland eine besondere Rolle als Motor und Impulsgeber zu.“
Die nun vorliegende Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum umfasst neben politischen Leitlinien und Zielen auch eine nationale Roadmap mit konkreten Maßnahmen.
Beispielsweise sollen große europäische und internationale Themen wie die Alterung der Bevölkerung, neurodegenerative Erkrankungen (bspw. Alzheimer), Klimawandel oder Fragen der gesunden Ernährung in Zukunft noch stärker in gemeinsamen Forschungsprogrammen untersucht werden – den ‚Joint Programming Initiatives‘.
Zur Strategie gehört auch, große Forschungsinfrastrukturen pan-europäisch aufzubauen. Beispiel dafür ist die European Spallation Source (ESS) im schwedischen Lund oder der X-Ray Free-Electron Laser (XFEL) in Hamburg. Mit der ESS haben Deutschland und 15 weitere europäische Staaten den Aufbau der weltweit modernsten Forschungseinrichtung mit einer neuartigen Neutronenquelle vereinbart, in Hamburg geht mit XFEL ab 2017 ein 3,4 Kilometer langer Röntgenlaser in Betrieb, an dessen Aufbau 12 europäische Staaten beteiligt sind.
Auch der freie Austausch von Wissen ist ein Kernelement des Europäischen Forschungsraums. Internet und Digitalisierung haben den grenzüberschreitenden Austausch von Wissen revolutioniert. Es bedarf daher eines europäischen Online-Raums für den freien Verkehr von Wissen und Technologie, den digitalen EFR. Dabei geht es insbesondere darum, Wege des offenen Zugangs  - Open Access -  zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, Daten und Publikationen auszubauen, die aus öffentlich finanzierten Vorhaben entstanden sind. Eine weitere Zielsetzung der Bundesregierung sind Verbesserungen im Urheberrecht, um den Belangen von Wissenschaft, Forschung und Bildung im digitalen Zeitalter besser Rechnung zu tragen und die Potenziale der Digitalisierung für diese Bereiche auszuschöpfen.
Die Strategie sowie weiterführende Informationen zum Europäischen Forschungsraum finden Sie unter: http://www.bmbf.de/de/956.php