Fachgespräch „Kooperation mit Subsahara-Afrika in Wissenschaft und Forschung“

Impulsvortrag von Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, zum Panel 2: "Stärkung der Nachhaltigkeit, des Transfers und der Kohärenz in der Kooperation: Was kann und soll Politik weiter tun?" im Bundestag

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Lücking-Michel, liebe Panel-Teilnehmer,

erst kürzlich bei meinem Besuch des Next Einstein Forums in Dakar im Senegal spürte ich die Begeisterung und den Willen unserer afrikanischen Partner, Bildung und Forschung als Treiber für Innovationen in Afrika stärker zu nutzen. Mit unseren Forschungskooperationen mit Afrika investieren wir in die Zukunft der Menschen und des Kontinents! Den Dank für das deutsche Engagement für Wissenschaft und Forschung in Afrika höre ich häufig und möchte ihn daher auch weitergeben, denn er ist Wirkung unseres gemeinsamen Handels!

Heute wollen wir darüber reden, was wir dabei noch besser machen können. Die Themen unseres Panels, Nachhaltigkeit, Transfer und Kohärenz, sind dabei von zentraler Bedeutung. Sie sind zugleich die wesentlichen Herausforderungen und die entscheidenden Erfolgskriterien für Kooperationsmaßnahmen! Damit sind die Übergänge zu den heute bereits besprochenen Themen fließend.

Wenn es bei einer Forschungskooperation gelingt, diese vor Ort – unabhängig von deutscher Finanzierung, eingebunden in lokale Strukturen und orientiert am lokalen Bedarf – zu installieren und dauerhaft zu nutzen, dann ist die Maßnahme erfolgreich und nachhaltig! Nur – wie schaffen wir das?

Den wissenschaftlichen Erfolg einer Maßnahme garantieren unsere exzellenten deutschen und afrikanischen Forschungspartner! Für die Sicherstellung der Nachhaltigkeit ist bereits zu Beginn einer Maßnahme die Einbindung der politischen Ebenen des Partnerlandes eine wichtige Voraussetzung! Denn, wie bei allen Partnerschaften spielt auch bei der Forschungskooperation die Schaffung einer vertrauensvollen Basis eine entscheidende Rolle.

Gehen wir in medias res unserer Forschungskooperationen und schauen auf die bereits erwähnten wissenschaftlichen Servicezentren zu Klimawandel und angepasstem Landmanagement, SASSCAL und WASCAL. Hier machten wir die Erfahrung, dass es für nachhaltige wissenschaftliche Kooperationsstrukturen in Afrika von immenser Bedeutung ist, neben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch die relevanten Stakeholder – Partner aus Politik, lokaler Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft – von Beginn an einzubinden.

Aus den Erfahrungen mit den Klimakompetenzzentren haben wir auch für andere Maßnahmen gelernt. So haben wir bei der Konzipierung der Netzwerke für Gesundheitsinnovation in Afrika bereits in der Vorbereitungsphase die afrikanischen Stakeholder einbezogen.

Neben der frühzeitigen Einbindung aller relevanten afrikanischen Partner und politischen Vertreter ist der Eigenbeitrag der Kooperationspartner ein weiteres wesentliches Element zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit. Zudem stärkt der gleichberechtigte Umgang mit Fördermitteln ohne (finanzielle) Abhängigkeiten die afrikanische Eignerschaft, die „Ownership“, enorm. Es ist uns natürlich bewusst, dass die Möglichkeiten einer finanziellen Beteiligung der einzelnen Länder sehr unterschiedlich sind. Doch das Einbringen von Finanzmitteln lohnt sich gerade für die afrikanischen Partnerländer, und es gibt dafür gute Beispiele:

Etwa bei der Maßnahme „Deutsche Forschungslehrstühle“. Die senegalesische Regierung hat mittlerweile die langfristige Integration des sehr erfolgreichen AIMS-Lehrstuhls an der Universität in Dakar zugesichert – inklusive Finanzierung. AIMS selbst wird sich ebenfalls an der Finanzierung des zuvor ausschließlich aus Mitteln des BMBF geförderten Lehrstuhls beteiligen. Dies bestätigt den Erfolg der Maßnahme!

Auch bei den Klimakompetenzzentren SASSCAL und WASCAL gilt das erklärte Ziel, dass diese zunehmend von den afrikanischen Partnern mitfinanziert werden. Schon heute leisten die Länder im Rahmen ihrer Möglichkeiten substantielle eigene Beiträge.

Sehr geehrte Damen und Herren, dies sind zwei vielversprechende Beispiele, wie die afrikanischen Partner auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Maßnahmen Verantwortung und Ownership übernehmen. Wie Frau Ministerin Wanka hervorgehoben hat, liegt es naturgemäß im Eigeninteresse der afrikanischen Staaten, mit zunehmendem Wirtschaftswachstum verstärkt auch in Wissenschaft und Forschung zu investieren – denn dies wiederum ermöglicht wirtschaftliche Initiative, schafft Arbeitsplätze und stärkt die gesellschaftliche Kohäsion! Das ist Forschung für Entwicklung!

Ein weiteres wesentliches Element der Nachhaltigkeit von Forschungskooperationen ist daher der Transfer ihrer Ergebnisse – zum Wohl der Gesellschaft. Wir generieren Wissen für Neues, für Produkte und Dienstleistungen. Ergebnisse dürfen nicht in der Schublade verstauben. Die Wertschöpfung muss zuallererst vor Ort in Afrika erfolgen, gesteuert durch den lokalen Bedarf.

Lieber Herr Prof. Hacker, die Leopoldina arbeitet intensiv mit der afrikanischen Akademien-Netzwerk NASAC zusammen und leistet damit bereits einen deutlichen Beitrag zum Transfer von Wissenschaft in die afrikanische Gesellschaft. Und dies ist wichtig: eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um den Wissenstransfer sicherzustellen! Wir planen jetzt, gemeinsam mit der Leopoldina, noch einen Schritt weiter zu gehen und bringen die Wissenschaft und die regionalen Wirtschaftsgemeinschaften in Afrika zusammen, denn wir müssen zukünftig eine noch stärkere Verwertung von Forschungsergebnissen in den Fokus nehmen.

Abgefragt wird der Aspekt Verwertung bei jeder BMBF-Antragstellung, aber insbesondere bei marktnahen Maßnahmen muss die Verwertung unbedingt bereits bei der Konzipierung von Fördermaßnahmen mitgedacht werden. Märkte auf dem afrikanischen Kontinent sind vielfältig, und wir müssen sie mit differenziertem Blick betrachten. Frei nach dem Motto „Andere Länder, andere Sitten“ gibt es auf einem Kontinent mit 54 Staaten und 2000 Sprachen Möglichkeiten und Ideen, die wir vielleicht gar nicht erwarten. Schauen Sie sich an, wie leicht sich ein Bezahlsystem per Mobiltelefon im Bankensystem Kenias durchsetzt. Wir müssen flexibel sein und die Regionen Afrikas genau verfolgen, um unsere Forschung mit den Verwertungsoptionen abzugleichen. Lieber Herr Kannengießer, das BMBF wird daher in diesem Jahr einen Runden Tisch Wirtschaft durchführen, um in einen stärkeren Austausch mit Vertretern der Wirtschaft zu treten und Ideen zur Verbesserung des Transfers zu entwickeln.

Die Herausforderungen, mit denen wir uns in den Kooperationen mit Afrika beschäftigen, sind global! Die relevanten Themen, wie z.B. Ernährungssicherheit, Klimaforschung und Gesundheit, betreffen auch andere Ressorts, insbesondere das BMZ, lieber Herr Silberhorn, aber auch BMEL, BMG, BMU, BMWI, … Hier gibt es klare Aufgabenabgrenzungen entlang der jeweiligen Zuständigkeiten. Aber es gibt auch sinnvolle, notwendige und naheliegende Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die wir bereits nutzen.

Ich halte fest:

Die Politik tut bereits viel für die Nachhaltigkeit von Forschungskooperationen mit afrikanischen Partnern, aber wir sind noch nicht am Ziel. Um eine neue Qualität in der internationalen Zusammenarbeit zu erreichen müssen wir:

  • Bei unseren Maßnahmen immer die Kohärenz mit anderen Ressorts im Blick haben
  • Die Politik als Wegbereiter für nachhaltige Forschungskooperationen nutzen und die Abstimmungen mit den politischen Partnern in Afrika verbessern
  • Von Beginn an afrikanische Interessen stärker berücksichtigen

Sehr geehrte Damen und Herren, die eingangs erwähnte Veranstaltung Next Einstein Forum hatte als Slogan The next Einstein will be an African… Wir freuen uns schon jetzt auf die Zusammenarbeit mit ihr oder ihm!

Ich danke Ihnen und bin gespannt auf die folgende Diskussion und die Ideen der Panelmitglieder.