Falling Walls Konferenz 2019

Rede von Staatssekretär Prof. Wolf-Dieter Lukas am 9.11.2019 in Berlin

Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während seiner Rede im Rahmen der Falling Walls Conference 2019 in Berlin.
Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während seiner Rede im Rahmen der Falling Walls Conference 2019 in Berlin. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Mlynek,
sehr geehrte Frau Bloch,
sehr geehrte Frau Professor Boetius,
sehr geehrter Herr Professor Courtine,
sehr geehrter Herr Doktor Chibanda,
sehr geehrter Herr Professor Guan,
meine sehr geehrten Damen und Herren.

Was wissen wir über die Zukunft?

Was können uns die Wissenschaften über die Zukunft sagen?

Können uns die Wissenschaften dabei helfen, einen Blick in die Zukunft zu wagen?

Oder bleiben wir immer die Überraschten im hier und jetzt?

Wissenschaft sucht zunächst  nach Gesetzmäßigkeiten. Gleiche Ausgangslage; gleiche Zukunft.

Wenn wir die Vergangenheit und Gegenwart kennen, dann kennen wir auch die Zukunft!

Sie alle wissen: Dieser Satz klingt in der Theorie valide, hält jedoch den Realitätstest nicht Stand.

Gut haben es die Physiker mit ihren Naturgesetzen. Aber auch ihnen begegnen nicht nur in der Quantenwelt Unvorhersagbares.

Noch viel schwerer haben es die Geistes- und Sozialwissenschaftler.

Das Futurium, das sich als ganz frisch eröffnetes Museum der Aufgabe stellt, mit Bürgern über die Zukunft ins Gespräch zu kommen, löst diese Zwickmühle dadurch auf, dass dort von Zukünften gesprochen wird! Plural!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Wie sehen also die Zukünfte für Deutschland aus?

Wie sehen die Zukünfte für Europa, wie für die Welt aus?

Wie schwer wir uns mit der Beantwortung tun, merken wir, wenn wir auf den Tag genau 30 Jahre zurückblicken.

Die Mauer fällt. Und die Welt schaut mit staunenden Augen zu.

  • Persönliche Erinnerung (Flughafen-Lounge)

Meine Damen und Herren,

die DDR brach damals nicht plötzlich zusammen. Der Zusammenbruch war die Folge einer langen Entwicklung, die mit dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 einen Anfang nahm.

  • Phasenübergang: Vom Wasser zum Eis.

  • Schabowski-Effekt: Wenn wir nicht schon einen Namen für diesen Effekt hätten, dann könnten wir es den Schabowski-Effekt nennen.

Wir stellten uns damals große Fragen, wie wohl die Zukünfte Deutschlands aussehen mögen:

  • Sollte Deutschland wiedervereinigt sein?
  • Was bedeutet das?
  • Wie viel wird es kosten?

Und 30 Jahre später? Da stellen wir uns wieder die Fragen nach den Zukünften – für Deutschland, für Europa, für die Welt.

Der polnische Nobelpreisträger für Literatur (1980) Czeslaw Milosz hat im Jahr 1953 folgenden Satz geschrieben:

„Der Mensch neigt allgemein dazu, die Ordnung, in der er lebt, für die natürliche zu halten.“

Wo stehen wir: Deutschland ging es noch nie so gut wie heute. 30 Jahre nach dem Mauerfall kommen wir hier in Berlin zusammen – einer der Welt zugewandten pulsierenden Hauptstadt in einem zutiefst europäischen Deutschland.

Nicht nur in Deutschland ist eine Mauer gefallen, sondern auch in Europa.

Als die Falling Walls Conference vor zehn Jahren das erste Mal stattfand, hätten wir uns die vielfältigen Krisen, die dieses Europa mittlerweile bewältigen konnte, nicht vorstellen können.

Das Ergebnis: Die Europäer sind enger zusammengerückt als je zuvor in der Geschichte dieses Kontinents.

Die kleinste ernstzunehmende Einheit ist die Union aus 500 Millionen europäischen Bürgern. Und deshalb sage ich Ihnen heute als deutscher Staatssekretär und überzeugter Europäer: Europa macht uns stark!

Doch wie geht es künftig weiter?

Und jetzt schaue ich noch einmal auf Sie, liebe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler!

Was können Sie beitragen? Was können Sie uns über unsere Zukünfte sagen?

Meine Damen und Herren,

aus meiner Sicht kommt der Wissenschaft eine Schlüsselrolle zu!

Sie bringen im Dialog mit der Gesellschaft neue Zukunftsbilder ein!

Sie zeigen Perspektiven auf. Sie öffnen uns Türen, die in unbekannte Wissensräume führen.

Seien Sie leidenschaftliche Mitstreiter für eine faktenbasierten, wissenschaftsgeleiteten Politik.

Denn es gibt sie, die hartnäckigen Kräfte in der Welt, die die Glaubwürdigkeit von drei wichtige Säulen unserer Demokratie in Frage stellen:

  • 1) staatliche Institutionen
  • 2) die Presse
  • 3) die Wissenschaft.

Meine Damen und Herren,

halten Sie dagegen!

Bleiben Sie streitbar!

Lassen Sie uns gemeinsam für eine faktenbasierte, wissensgeleitete demokratische Kultur kämpfen!

Sie können uns Vorbilder sein: Sie forschen mit Mut und Durchhaltevermögen an ihren Themen, sie verfolgen mit Hartnäckigkeit ihre Projekte. Sie sind überzeugt, mit ihrer Arbeit ein Stück weit unsere Welt auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten.

Wir brauchen Sie als Brückenbauer! Als Brückenbauer zwischen den Ländern der Welt. Als Brückenbauer zwischen den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die uns gleich ihre Ergebnisse präsentieren, stehen beispielgebend für die Zukünfte der Forschung.

Gehen wir gemeinsam an die Herausforderung heran! In einem Europa, das stark macht. Und heute hier auf der Falling Walls Conference, die es wieder einmal geschafft hat, eine enorme Anziehungskraft für kluge Menschen aus allen Fachbereichen und aus allen Winkeln der Welt zu entfalten.

Ich wünsche Ihnen spannende Vorträge über die großen Fragen unserer Zeit.

Lassen Sie sich inspirieren!

Denken Sie laut und gemeinsam über die Zukünfte dieser Welt nach.

Nutzen Sie die Zeit zum Austausch und genießen Sie heute Abend diese wunderschöne Stadt im Herzen Europas.

Meine Damen und Herren,

der französische Schriftsteller Victor Hugo hatte Recht als er sagte:

„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“

Seien Sie mutig! Vielen Dank.