FAQ: Was bedeutet der Brexit für Bildung und Forschung?

Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union zum 01.02.2020. An den Austritt schließt sich eine Übergangsphase bis (vorerst) Ende 2020 an, in der das EU-Recht grundsätzlich weiterhin gilt. Welche Folgen hat das? Ein Überblick.

Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union. Was das für Bildung und Forschung bedeutet, erfahren Sie hier. © copyright by Oliver Boehmer - bluedesign®

Übergangsphase

Was bedeutet die Übergangsphase und wie lange geht diese?

Im Austrittsabkommen ist eine Übergangsphase bis zum 31.12.2020 verankert, in der das EU-Recht für das Vereinigte Königreich grundsätzlich weiterhin gilt und das Vereinigte Königreich Teil des EU-Binnenmarktes und der EU-Zollunion bleibt. Auch die EU-Freizügigkeit, d.h. das Recht, in der EU und dem Vereinigten Königreich zu leben, zu arbeiten, zu studieren oder sozial abgesichert zu sein, gilt in diesem Zeitraum weiter vollumfänglich. Die Übergangsphase kann nach dem Austrittsvertrag einmalig um maximal weitere zwei Jahre verlängert werden; die Entscheidung hierüber muss bis zum 1.7.2020 getroffen werden.

Internationaler Austausch im Hochschulbereich

Kann ich mein Studium im Vereinigten Königreich fortführen?

Wer bereits im Vereinigten Königreich studiert, soll dies auch weiterhin tun können. Der aufenthaltsrechtliche Status soll sich durch den Brexit nicht ändern. Bis zum 30.06.2021 muss jedoch ein „Settled Status“ beantragt werden und es dürfen keine schweren Straftaten begangen worden sein. Das hat die britische Regierung in ihrem „Statement of Intent on the EU Settlement Scheme“ angekündigt. Weitere Informationen gibt es hier.

Werden meine Studienleistungen weiter anerkannt?

Ja, das Vereinigte Königreich bleibt auch im Falle eines Brexit Teil des Europäischen Hochschulraums.

Muss ich im Vereinigten Königreich Studiengebühren zahlen, wenn ich dort weiterstudieren möchte?

Die britische Regierung hat zugesagt, dass für europäische Studierende auf Bachelor-Niveau, die im Herbst 2019 ihr Studium an englischen Universitäten beginnen, wie bisher (gedeckelte) Gebühren in der Höhe anfallen, die auch britische Studienanfänger zahlen werden (max. GBP 9.250 pro Jahr). Gleiches hat Schottland bereits zugesichert: EU-Studierende werden ab 2019 weiterhin wie schottische Landeskinder behandelt. Sie zahlen daher keine Gebühren. Dieselbe Regelung gilt auch für EU-Studierende auf Masterniveau, die im Herbst 2019 das Studium aufnehmen. Die britische Regierung hat zwischenzeitlich verkündet, dass der sog. „Home-Fee Status“ mit den gedeckelten Studiengebühren für EU-Studierende auch für das akademische Jahr 2020/2021 gelten soll. Wie Studienanfänger aus EU-Mitgliedsstaaten ab dem akademischen Jahr 2021/22 hinsichtlich Gebühren eingestuft werden, ist noch ungewiss. Die britische Regierung hat angekündigt hierzu zeitnah Informationen zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen zu den Auswirkungen des Brexit auf Studiengebühren und Studienfinanzierung: UK Council for International Student Affairs

Muss ich als britischer Studierender in Deutschland Studiengebühren zahlen?

Studierende aus dem Vereinigten Königreich könnten nach einem Austritt von Studiengebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern betroffen sein. Diese Entscheidung treffen die Bundesländer nach dem jeweiligen Hochschulrecht.

In Baden-Württemberg werden beispielsweise seit dem Wintersemester 2017/18 solche Gebühren erhoben. Dort gilt folgende Ausnahme: „Tritt ein Staat aus der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum aus und würden dadurch Angehörige dieses Staates gebührenpflichtig nach § 3, so können Angehörige dieses Staates, sofern sie zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens des Austritts mindestens fünf Semester in einem Studiengang an einer baden-württembergischen Hochschule immatrikuliert waren, ihr Studium in diesem Studiengang gebührenfrei fortführen.“

Anerkennung von Berufsqualifikationen

Bleibt die Anerkennung von britischen Berufsqualifikationen weiterhin gültig?

Die vor dem Austritt erfolgte Anerkennung von britischen Berufsqualifikationen in Deutschland bleibt weiterhin gültig.

Ist die Anerkennung meiner britischen Berufsqualifikation nach dem 31. Januar 2020 weiterhin möglich?

Ja, auch nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU am 31.01.2020 können Berufsqualifikationen aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland anerkannt werden. Auf die Prüfung und Entscheidung von vor dem 31.12.2020 von Unionsbürgern oder britischen Staatsangehörigen gestellten Anträgen auf Anerkennung von Berufsqualifikationen finden weiterhin die einschlägigen EU- Regelungen zur Anerkennung Anwendung. Weitergehende Informationen, u.a. zum Verfahren, finden Sie auf dem Informationsportal der Bundesregierung für berufliche Anerkennung. Zur Anerkennung von deutschen Qualifikationen in Großbritannien informiert die Regierung des Vereinigten Königreichs auf dieser Regierungswebseite.

Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)

Kann ich als deutscher Auszubildender nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs weiterhin BAföG erhalten?

Das Brexit-Übergangsgesetz sieht eine Übergangsphase bis zum 31.12.2020 vor, während deren das Vereinigte Königreich grundsätzlich wie ein Mitgliedstaat der EU behandelt werden soll. Für den BAföG-Bezug heißt das, dass es bis Ende 2020 zu keinen Änderungen kommt. Nach Ende der Übergangsphase bleibt die Förderung ergänzender Auslandsaufenthalte im Vereinigten Königreich für die Dauer von grundsätzlich bis zu einem Jahr möglich. Über die Frage einer Übergangsvorschrift zur weitergehenden Förderung bis zum Abschluss von Ausbildungsabschnitten, die noch vor Ende der Übergangsphase begonnen werden, wird zu gegebener Zeit noch zu entscheiden sein.

Kann ich als britischer Auszubildender nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs weiterhin BAföG erhalten?

Auch für die BAföG-Berechtigung britischer Auszubildender gilt, dass sie bis zum noch bis zum 31.12.2020 wie Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU behandelt werden. Entsprechend können Sie bis zu diesem Zeitpunkt bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen nach dem BAföG Anspruch auf Förderung Ihrer Ausbildung haben. Auch für britische Staatsangehörige wird über die Frage einer Übergangsvorschrift zur Weiterförderung nach Ablauf der Übergangsphase bis zum Abschluss des bereits vorher begonnenen Ausbildungsabschnitts zu gegebener Zeit noch gesondert zu entscheiden sein.

Begabtenförderung

Kann ich weiterhin mit einem Stipendium eines Begabtenförderungswerks im Vereinigten Königreich gefördert werden?

Die Möglichkeit zur Förderung von Auslandsaufenthalten im Vereinigten Königreich ist nicht an die Voraussetzung einer EU-Mitgliedschaft gebunden und bleibt von einem Brexit unberührt. Etwas Anderes gilt für die Förderung von vollständig im Vereinigten Königreich durchgeführten Studien. Auch hier bleibt die Möglichkeit zur Förderung jedoch für die Zeit bis Ende 2020 bestehen. Denn das Brexit-Übergangsgesetz sieht eine Übergangsphase bis zum 31.12.2020 vor, während der das Vereinigte Königreich grundsätzlich wie ein Mitgliedstaat der EU behandelt werden soll. Über die Frage einer Übergangsvorschrift zur weitergehenden Förderung bis zum Abschluss von Ausbildungsabschnitten, die noch vor Ende der Übergangsphase begonnen werden, wird zu gegebener Zeit noch zu entscheiden sein.

Wie sieht die Förderung als britischer Staatsangehöriger in Deutschland aus?

Auch für die Fördermöglichkeiten britischer Staatsangehöriger gilt, dass sie bis zum 31.12.2020 wie Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der EU behandelt werden und sich an den Fördermöglichkeiten der Begabtenförderungswerke bis dahin keine Änderung ergibt. Auch für britische Staatsangehörige wird über die Frage einer Übergangsvorschrift zur Weiterförderung nach Ablauf der Übergangsphase bis zum Abschluss des bereits vorher begonnenen Ausbildungsabschnitts zu gegebener Zeit noch gesondert zu entscheiden sein.

Erasmus+

Nimmt das Vereinigte Königreich nach einem EU-Austritt weiterhin am Programm Erasmus+ teil?

Das Vereinigten Königreichs nimmt bis zum Ende der aktuellen Programmperiode (2020) an den EU- Programmen, so auch Erasmus+, teil. Aussagen über den Status des Vereinigten Königreichs im Erasmus+-Programm nach Ende der aktuellen Programmperiode (2020) können derzeit noch nicht getroffen werden. Dies hängt von den Bestimmungen zur Assoziierung von Drittstaaten in den Ausgabenprogrammen der EU für die Programgeneration (2021-2027) sowie den Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich zum künftigen Verhältnis ab.

An wen können sich betroffene Bildungseinrichtungen wenden?

Bildungseinrichtungen, die Projekte mit Partnern im vereinigten Königreich planen, können sich zur weiteren Beratung an die zuständigen Nationalen Agenturen für Erasmus+ wenden. Hinweise zum Brexit sind auf den Webseiten der Nationalen Agenturen zu finden. Informationen für Antragssteller von Erasmus+ Projekten in den Bereichen Berufsbildung und Erwachsenenbildung: Nationale Agentur Bildung für Europa beim BIBB, Artikel: Der Brexit und seine Auswirkungen auf Erasmus+. Informationen für Antragssteller von Erasmus+  Projekten im Hochschulbereich: Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD: Hinweise zum Brexit

Horizont 2020

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf das laufende Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020?

Unter Horizont 2020 gibt es zurzeit rund 6400 laufende Projekte mit britischer Beteiligung. In gut 2500 dieser Projekte sind auch deutsche Einrichtungen beteiligt. Mit der Ratifizierung tritt für Horizont 2020 eine Übergangsfrist in Kraft. Einrichtungen aus dem Vereinigten Königreich bleiben damit bis zum Ende von Horizont 2020 und bis zum Ende der Laufzeit der individuellen Projekte teilnahme- und förderfähig. Das gilt sowohl für die Verbund- als auch für die Einzelfördermaßnahmen.

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf das Folgeprogramm Horizont Europa?

Die Auswirkungen des Brexits auf das Folgeprogramm „Horizont Europa“ sind noch offen. Dies hängt von den Bestimmungen zur Assoziierung von Drittstaaten im Rahmenprogramm sowie den Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich zum künftigen Verhältnis ab.

Nützliche Links zu Horizont 2020/Europa

Funding & Tender Portal Horizon 2020 Online Manual (Europäische Kommission)