FAQ zum Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin

Im Kampf gegen Covid-19 fördert das BMBF den Aufbau eines Forschungsnetzwerks deutscher Universitätskliniken. Das Netzwerk erforscht, wie Patientinnen und Patienten mit dieser Krankheit in Deutschland bestmöglich versorgt werden können.

Die Universitätskliniken in Deutschland vereinen an ihren Standorten hervorragende Forschungs- und Versorgungskompetenzen. © Adobe Stock / LuckyStep

Die durch das Corona-Virus verursachte Covid-19-Pandemie stellt Deutschland wie auch die Länder weltweit vor sehr große Herausforderungen. Für die Behandlung der erkrankten Patientinnen und Patienten werden die wirksamsten Ideen und Konzepte benötigt. Jedoch sind sowohl das Virus als auch die dadurch ausgelöste Erkrankung weitgehend unerforscht. Viele Fragen zum Krankheitsgeschehen und den Behandlungsmöglichkeiten sind daher noch offen.

Um hier zu schnellen und validen Lösungen zu kommen, ist eine enge Verbindung von Forschung und Versorgung vonnöten.

Die Universitätskliniken in Deutschland vereinen an ihren Standorten hervorragende Forschungs- und Versorgungskompetenzen. Sie sind bestens gerüstet, neue Erkenntnisse zu gewinnen und diese schnell in die Versorgung zu bringen. Das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 150 Millionen Euro geförderten Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin zu Covid-19 ist, den Beitrag der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der Pandemie zu bündeln und zu stärken. Voneinander und miteinander lernen, Wissen schnell teilen, Kräfte zusammenführen: Das kann in Gesundheitskrisen wie der aktuellen Corona-Virus-Pandemie Leben retten.

Was sind die Aufgaben des Forschungsnetzwerks?

Der inhaltliche Fokus des Forschungsnetzwerks liegt auf zwei Bereichen:

  • Alle Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien der Universitätskliniken und weiterer Akteure des Gesundheitswesens sollen systematisch zusammengeführt und ausgewertet werden. So werden die Universitätskliniken und andere Krankenhäuser künftig schnell, qualitätsgesichert und schlagkräftig bei der Organisation ihrer Aufgaben und der Versorgung der Patientinnen und Patienten agieren können.
  • Die Behandlungsdaten der Patientinnen und Patienten mit Covid-19 sollen an den universitätsmedizinischen Standorten standardisiert erhoben und zusammengeführt werden. Dem Patienten- und Datenschutz wird durch Einhaltung der geltenden gesetzlichen Vorschriften und medizinethischen Standards Rechnung getragen. Damit können große, standardisierte Datensets geschaffen werden, die gemeinsame Analysen möglich machen.

Best-Practice Vorgehensweisen und neue Erkenntnisse sollen schnell innerhalb des Netzwerkes und darüber hinaus ausgetauscht werden. Damit kann flächendeckend eine möglichst hohe Behandlungsqualität erreicht werden. Auch innovative Methoden können so nach erfolgreicher Erprobung schnell großflächig eingesetzt werden.

Wer sind die Partner des Forschungsnetzwerks und wer koordiniert es?

Das Forschungsnetzwerk soll den Beitrag der deutschen Universitätsmedizin in ihrer Gesamtheit bündeln und stärken, um die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Partner des Netzwerkes sollen daher möglichst alle deutschen Universitätskliniken sein. Koordiniert wird das Forschungsnetzwerk von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die hierzu eine Koordinierungsstelle aufbaut. Das Projekt wird von Herrn Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, dem Vorstandsvorsitzenden der Charité, geleitet.

Welche Aufgabe hat die Nationale Task Force?

Die „Nationale Task Force Covid-19“ dient als Steuerungsgremium des Forschungsnetzwerks der inhaltlichen Abstimmung zwischen Universitätsmedizin und Politik. Sie wird das Netzwerk dabei unterstützen, die Ausrichtung der Forschung an die sich weiterentwickelnde Situation der Pandemie anzupassen. Auch wird die Nationale Task Force sich mit der Einbeziehung verschiedener anderer wissenschaftlicher Netzwerke befassen.

Wer gehört der Nationalen Task Force an?

Das sind die Mitglieder der Nationalen Task Force:

  • Prof. Dr. Veronika von Messling, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Prof. Dr. D. Michael Albrecht, Dresden
  • Prof. Dr. Ingo B. Autenrieth, Heidelberg
  • Dr. Rainer Girgenrath, DLR Projektträger
  • Dr. Matthias Gruhl, Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg
  • Ralf Heyder (Koordinierungsstelle)
  • Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Charité
  • Dr. Gottfried Ludewig, Bundesministerium für Gesundheit
  • Dr. Michael Mihatsch, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Prof. Dr. Edgar Schömig, Köln.

Welcher Nutzen wird sich aus dem Netzwerk für Deutschland ergeben?

Das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 stellt die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt.

Zum einen wird das Netzwerk gesicherte Erkenntnisse dazu liefern, wie die Arbeit in den Krankenhäusern und die Versorgung in den Regionen optimiert werden kann. Dies betrifft Maßnahmenpläne sowie die Strategien für Diagnostik und Behandlung. Die Entscheidungsträger in und außerhalb der Krankenhäuser sind mit unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert: beispielsweise der Schutz von Ärztinnen und Ärzten und des Pflegepersonals vor einer Infektion, der bestmögliche Einsatz von Ressourcen wie beispielsweise Testkapazitäten und die Frage, wie die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Covid-19 und die der Patienten mit anderen Erkrankungen in guten Einklang gebracht werden können. Das Forschungsnetzwerk wird Best-Practice-Lösungen erarbeiten, welche die unterschiedlichen Aspekte abgewogen berücksichtigt. Zudem können Wege gefunden werden, wie innovative digitale Lösungen zur Unterstützung und Entlastung von Krankenhäusern beitragen oder wie die Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden optimal informiert und geschult werden.

Zum anderen wird der breite Datensatz, den das Forschungsnetzwerk aufbauen wird, konkrete Erkenntnisse für die Verbesserung der Patientenbehandlung generieren. So wird gegebenenfalls das Bild der Risikogruppen präzisiert oder möglicherweise auch erweitert werden, zum Beispiel in Bezug auf unterschiedliche Vorerkrankungen und die damit verbundene Medikamenteneinnahme. Oder es wird möglich sein, prognostische Marker – also bestimmte Kennzahlen und Merkmale – für die Vorhersage von Krankheitsverläufen zu finden. Wenn weitere Organschäden neben der bereits bekannten Schädigung der Lunge im Krankheitsverlauf auftreten, können diese erfasst, systematisch untersucht und bewertet werden. Der Datensatz kann darüber hinaus als Grundlage für weitere Forschungsarbeiten, insbesondere zur Therapieentwicklung dienen.

Zusätzlich kann das Forschungsnetzwerk Erkenntnisse dazu liefern, wie Deutschland sich für das Krisenmanagement auch bei künftigen Pandemiefällen noch besser aufstellen kann – welcher Strukturen, Prozesse oder auch Organisationsformen es bedarf, wie Politik und Wissenschaft bestmöglich zusammenarbeiten und was eine optimale Krisenkommunikation auszeichnet. Das Forschungsnetzwerk wird die deutsche Forschung im internationalen Raum weiter sichtbar machen und einen maßgeblichen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt in der Covid-19 Forschung leisten.