Faszination Gehirn – das Human Brain Project

"Trotz intensiver Forschung sind noch längst nicht alle Funktionswege des Gehirns bekannt", sagt Staatssekretär Rachel bei der Eröffnung der Ausstellung "Faszination Gehirn". "Das Gehirn zu verstehen – das ist der Anspruch des Human Brain Project."

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB) anlässlich der Eröffnung zur Ausstellung „Faszination Gehirn – das Human Brain Project“ im Deutschen Bundestag. 

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrter Herr Vorsitzender, Dr. Rossmann,

sehr geehrter Herr Prof. Marquardt,

sehr geehrte Frau Prof. Dr. Amunts,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Das menschliche Gehirn übt durch seine Komplexität seit jeher eine Faszination aus. Trotz intensiver Forschung sind noch längst nicht alle Funktionswege des Gehirns bekannt. Hier setzt das Human Brain Project an der Schnittstelle von Neurowissenschaft und Technologie an. Denn - Im Normalzustand funktioniert das Gehirn wesentlich schneller und zuverlässiger als jeder Computer der Welt.

Das Gehirn zu verstehen – das ist der Anspruch des Human Brain Project das federführend vom FZJ gemanagt wird. Dieser Herausforderung stellen sich gemeinsam über 100 Partner aus 19 Ländern in Europa, um im Rahmen des 2013 gestarteten EU-FET Flagship-Vorhabens „Human Brain Project“ dem menschlichen Gehirn auf den Grund zu gehen. Die EU fördert dieses Projekt mit 500 Mio. EUR von 2013 bis 2023.

„Ein Mikrophon ist kein Ohr, eine Kamera ist kein Auge und ein Computer ist kein Gehirn.“ schrieb der irische Ingenieur Mike Cooley 1984.

Und doch lassen humanoide Roboter Computer menschlich wirken. Methoden der Künstlichen Intelligenz können uns das Gefühl geben, dass Computer denken können. Aber können sie das wirklich?

Tiefe neuronale Netze bestehen aus vielen Schichten miteinander verbundener Verarbeitungsknoten – künstlicher Neuronen. Aber – Menschliches Denken ist viel komplizierter. Unser Gehirn ist viel stärker vernetzt, unsere Nervenzellen machen Umwege und Informationen werden rückgekoppelt.

„Das Gehirn ist ein Computer" sagte Norbert Wiener in den 40er Jahren, der als Begründer der Kybernetik gilt – also der Wissenschaft der Steuerung und Regelung dynamischer Systeme.

Demgegenüber formulierte bereits 1950 der Informatik-Pionier Alan Turing einen Test, um Künstliche Intelligenz und menschliche Intelligenz zu unterscheiden.

Mit dem Gedankenexperiment vom „Chinesischen Zimmer“ ging der Philosoph John Searle 1980 noch einen Schritt weiter. Er versuchte nachzuweisen, dass das korrekte Ausführen von Anweisungen noch kein Verständnis oder Bewusstsein voraussetzen muss.

Das Human Brain Project verfolgt den Ansatz Hirnforschung und Computertechnologien miteinander zu verknüpfen. Ziel ist, das Gehirn besser zu verstehen, zu simulieren und dadurch Krankheiten künftig früher diagnostizieren und gezielter therapieren zu können.

Um zu verstehen, wie wir Menschen denken, müssen technische, neurowissenschaftliche sowie philosophische Fragen adressiert und ethische und gesellschaftliche Maßstäbe betrachtet werden.

Ein vertieftes Verständnis des menschlichen Gehirns und dessen Funktionsweise verspricht die Chance auf bessere Therapiemöglichkeiten für Gehirn-Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. Oder für frühe Diagnosen.  –Je mehr man über das Gehirn und seine Prozesse versteht, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich eben auch, diese Prozesse zu beeinflussen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch bei Künstlicher Intelligenz oder dem Human Brain Project, oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen: Wir müssen grundsätzlich die Gesellschaft mit einbeziehen. Daher freue ich mich, dass das Human Brain Project mit dieser Ausstellung die Faszination des Gehirns zugänglich macht.

Vielen Dank.