Festakt zur Gründung der ersten JARA Institute

Ansprache des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, im Super C der RWTH Aachen

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung
Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Begrüßung
 

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Grünewald, sehr geehrter Herr Professor Schmachtenberg, sehr geehrter Herr Professor Marquardt, sehr geehrter Herr Professor Schmidt, sehr geehrte Frau Abgeordnete Schmitz, sehr geehrte Professorinnen und Professoren,

verehrte Gäste,

über die Einladung zum heutigen Fest hier in Aachen habe ich mich sehr gefreut. Wie Sie wissen, kenne ich JARA schon seit seiner Gründung im Jahr 2007.

Historie von JARA

Johann Wolfgang von Goethe war davon überzeugt, dass es kein größeres und wirksameres Mittel zu wechselseitiger Bildung gibt als das Zusammenarbeiten.

Wenn ich mir die Entwicklung von JARA anschaue, würde ich diesen Gedanken gerne modifizieren: Hier müsste es heißen: Es gibt kein wirksameres Mittel für exzellente Forschung als das Zusammenarbeiten.

Das gilt insbesondere dann, wenn die Zusammenarbeit auf einer solch langen und bewährten Tradition beruht, wie sie sich zwischen der RWTH Aachen und dem FZJ entwickelt hat.

Denn es wäre nicht richtig, zu sagen, dass mit der Gründung von JARA vor rund 10 Jahren erst alles angefangen habe. Die Zusammenarbeit reicht ja viel weiter zurück. Die ersten Zusammenschlüsse waren jedoch eher durch Einzelaktivitäten geprägt. Mit JARA sollte die Zusammenarbeit auf eine breitere Basis gestellt und dauerhaft angelegt werden. Sie haben Ihr gemeinsames Wirken, wenn Sie so wollen, mit JARA wie durch eine „Hochzeit“ institutionalisiert, (strategisch) gebündelt und nach außen sichtbar gemacht.

So wurden z.B. ein gemeinsamer Berufungsleitfaden, eine gemeinsame Publikationsrichtlinie und eine Patentverwertungsstrategie erarbeitet. Die gemeinsame Pressearbeit auf der JARA-Homepage und im JARA-Newsletter dient ebenso wie die Veranstaltungsreihe „JARA FORUM Zukunftsperspektiven“ der Information der Öffentlichkeit und der Vernetzung der gemeinsamen wissenschaftlichen Aktivitäten.

Thematisch ist die gemeinsame Forschung bei JARA in sechs JARA-Sektionen untergliedert und „bottom-up“ getrieben. Sie haben es geschafft, das bisherige „Nebeneinander“ zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung hinter sich zu lassen und zu einem „Miteinander“ auf Augenhöhe zu etablieren.

Mehr noch: Unter dem Dach von JARA konnte wissenschaftliche Exzellenz vereint werden: Seien es Alfried Krupp-Förderpreis, Alexander von Humboldt-Professur oder Leibniz-Preisträger. Seien es mittlerweile 11 erfolgreich eingeworbenen ERC Starting Grants. Dies sind eindrucksvolle Belege für die exzellente wissenschaftliche Leistung im Rahmen von JARA. Und heute werden Sie neue JARA-Professoren ernennen. Dazu möchte ich Ihnen ganz herzlich gratulieren.

Wissenschaftliche Allianzen bilden darüber hinaus den Nährboden für breit angelegte Synergien, die vor allem dem wissenschaftlichen Nachwuchs den Zugang zu den besten Forschungsinfrastrukturen gewähren. Und auch hier tragen die Bemühungen von JARA Früchte: Die heutige Vergabe von JARA-Nachwuchspreisen ist ein klarer Beleg dafür, dass JARA auch zunehmend den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Blick nimmt und ihn exzellent ausbildet. So können bereits in den frühen Phasen der wissenschaftlichen Karriere, entscheidende Impulse gegeben werden.

Auch im Wettbewerb um Projektfördermittel des Bundesminsiteriums für Bildung und Forschung können sich JARA-Wissenschaftler  sehr gut behaupten. Ein Beispiel ist etwa das Vorhaben „APIC“, das bei Schizophrenie-Erkrankten die Hirnveränderungen mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren bei verschiedenen Medikamenten untersucht. Das in Höhe von 4 Mio. € aufgelegte Forschungsvorhaben wird von JARA-BRAIN Direktor Prof. Dr. Frank Schneider von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik RWTH Aachen koordiniert. Vielleicht können Sie, sehr geehrter Herr Prof. Schneider, uns hierüber später etwas berichten.

Wissenschaftliche Relevanz der vier zu gründenden JARA Institute in den Bereichen

Wenn wir die Gründung von JARA als Hochzeit zwei vertrauter Partner sehen wollen, dann feiern wir heute die Taufe Ihrer ersten Kinder: der JARA Institute. Mit der heutigen Gründung der JARA-Institute heben Sie das Wirken des FZJ und der RWTH Aachen auf eine neue Stufe und schaffen eine neuartige Kooperationsstruktur.

Die JARA-Institute bilden die Grundlage für

  • eine nachhaltige Festigung der etablierten JARA-Kooperation,
  • die Verstärkung der Struktur und Entwicklung programmatischer Forschungsstrategien,
  • die Bildung einer kritischen Masse und synergetischen Nutzung von Ressourcen.

Wichtig erscheint mir die Festlegung von langfristigen Forschungsprogrammatiken, in der die gemeinsame Strategieentwicklung sowie institutsspezifische Vereinbarungen über die Einbringung, Einwerbung und Bewirtschaftung von Ressourcen wichtige Aspekte darstellen.

Bei der Schaffung neuer Kooperationsformen wie JARA ist immer ganz entscheidend, dass nie die Kooperationsform an sich im Vordergrund stehen sollte. Vielmehr geht es darum, in effizienter Form wissenschaftlich exzellentes Arbeiten zu ermöglichen, und darum, mit dieser Exzellenz große gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen und Lösungen anzubieten. Hier setzen die neuen JARA-Institute an:

  • Im Bereich von JARA Brain widmen Sie sich u.a. mit den Instituten „Brain structure function relation-ships“ und „Molecular neuroscience and neuroimaging“ der Erforschung psychischer und neurologischer Erkrankungen. Diese Erkrankungen können in der gesamten Lebensspanne des Menschen auftreten und entsprechend hoch ist die Zahl der Betroffenen. Vor allem für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Demenz benötigen wir neue Erkenntnisse zur Verbesserung der Diagnose, Prädiktion und Therapieverfahren.
  • Die JARA-Institute „Quantum Information“ und „Energy – efficient information technology“ in der Sektion JARA FIT erforschen die physikalischen Grenzen der aktuellen Halbleitertechnologie und deren Weiterentwicklung über die bisher bekannten Grenzen hinaus. Ein Ziel ist hierbei vor allem, die Leistung von nanoelektronischen Bauelementen zu steigern und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich zu senken.

Unterstützung des BMBF von JARA bzw. der JARA-Institute

Sehr geehrte Damen und Herren, JARA ist ein eindrucksvoller Beleg, dass strategische Bündnisse zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Hochschulen in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein werden. Aus forschungspolitischer Sicht kommt ihnen große Bedeutung zu. Vor allem im internationalen Wettbewerb um die besten Forscherinnen und Forscher helfen sie, hervorragende und attraktive Forschungsbedingungen schaffen.

Eine wesentliche Grundlage für die enge, strukturierte und strategische Partnerschaft zwischen der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich im Rahmen von JARA ist die Exzellenzinitiative der Bundesregierung. Als Maßnahme des Zukunftskonzeptes der RWTH Aachen „Meeting Global Challenges“ wurden für JARA in der zweiten und dritten Linie der Exzellenzinitiative Bundesmittel in Höhe von rund 20 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Mit der Exzellenzinitiative konnte der Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig gestärkt und seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden.

Eine internationale Expertenkommission hat die Exzellenzinitiative evaluiert und Ende Januar 2016 ihr Ergebnis vorgelegt. Die Evaluation zeigt uns: Die Exzellenzinitiative hat der deutschen Wissenschaft neue Energie und Dynamik verliehen. Die Forschungsleistungen konnten gesteigert werden. Dass die Exzellenzinitiative an den deutschen Universitäten eine hohe Dynamik und eine große struktur- und profilbildende Wirkung entfaltet, wird selbst von ihren Kritikern bestätigt. Daher werden auch künftig für die Förderung exzellenter Spitzenforschung an Hochschulen für die Exzellenzinitiative entsprechende Mittel bereitgestellt werden.

Zukunft von JARA

Bei allen Antworten, die JARA auf die drängenden gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit bereits gefunden hat, bleibt eine wichtige Frage für mich offen:

Quo vadis JARA?

Mit der Gründung der heutigen Institute ist Ihnen ein weiterer wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit zwischen außeruniversitärer Forschungseinrichtung und Universität, zwischen dem Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen geglückt.

Lieber Herr Prof. Marquardt, Sie haben am Forschungszentrum Jülich einen für das Zentrum wichtigen Strategieprozess angestoßen. Meine Mitarbeiter berichten mir regelmäßig über den aktuellen Stand. Ich weiß daher, dass noch weitere Gespräche notwendig sind und dass die Ausrichtung auf neue Themenschwerpunkte bereits viel Zustimmung erfahren hat.

Es ist sicher kein Geheimnis, dass JARA auch in der Neuausrichtung eine wichtige Rolle spielen wird. Daher möchte ich Sie ausdrücklich dazu ermuntern, dem Erfolgsmodell JARA auch in Zukunft einen festen Platz in der Jülicher Strategie zu geben.

Vielen Dank!