Festakt zum 50-jährigen Gründungsjubiläum des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI)

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, in Braunschweig

Thomas Rachel während seines Grußwortes
Thomas Rachel während seines Grußwortes © PHIL DERA

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Ministerin Heinen-Kljajic,
sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Niedersächsischen Landtages,
sehr geehrter Herr Professor Wiestler,
sehr geehrter Herr Professor Heinz,
sehr geehrter Herr Professor Baum,
sehr geehrter Herr Markurth,
meine sehr verehrten Damen und Herren!
 

Ich freue mich sehr, dass ich zum 50jährigen Jubiläum die besten Wünsche des BMBF und natürlich auch die herzlichsten Grüße von Frau Bundesministerin Wanka überbringen kann.

Es freut mich sehr, dass mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nun ein Institut sein 50-jähriges Jubiläum feiert, das sich mit großem Engagement der Infektionsforschung widmet. Diese stand nicht von Anfang im Fokus des HZI. Das Zentrum hat mehrere Transformationen von der Molekularbiologie über die Biotechnologie durchlebt, bevor es seine heutige wissenschaftlich-strategische Ausrichtung erfuhr. Der Bund hat das Zentrum 1975 als Mehrheitsgesellschafter und Förderer übernommen. Und wenn ich mir das Zentrum in seiner heutigen Verfassung ansehe, so ist das Geld, das seitdem in diesen Campus geflossen ist, gut angelegtes Geld.

Multiresistente Keime breiten sich immer mehr aus. Infektionskrankheiten, wie Ebola, können sich rasch zu einer kaum noch kontrollierbaren Epidemie, wie in Westafrika, entwickeln. Für Epidemien gibt es keine Ländergrenzen. Sie können sehr schnell zu einer realen, globalen Bedrohung werden. Derartige Herausforderungen bedürfen nachhaltiger, internationaler Anstrengungen. Deutschland hat gemeinsam mit seinen europäischen Partnern die Verpflichtung, hier entscheidende Lösungsbeiträge zu leisten. Auf dem G7-Gipfel am 7. und 8. Juni 2015 in Elmau sind unter der Federführung Deutschlands wesentliche Beschlüsse gefasst worden:

  1. die Verpflichtung zur Bekämpfung des Ausbruchs zukünftiger Epidemien, wie z. B. Ebola,
  2. die uneingeschränkte Unterstützung des globalen Aktionsplans der WHO zu Antibiotikaresistenzen und
  3. die Verpflichtung zum Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten.

Im Nachgang zu dem G7-Gipfel treffen sich am 8. Oktober 2015 in Berlin die Gesundheits- und Forschungsminister der G7-Staaten, um diese Gipfelbeschlüsse mit Leben zu füllen und konkrete Aktionspläne zu vereinbaren. Politik kann und muss also wichtige Impulse setzen, die, wie im Falle des G7-Gipfels, zu einem abgestimmten  und zielorientierten Handeln der führenden Forschungs- und Industrienationen führen sollten. Politik allein genügt jedoch nicht. Sie braucht verlässliche Erkenntnisse exzellenter Wissenschaft und Forschung, um in der Lage zu sein die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ohne Wissenschaft und Forschung auf höchstem Niveau kann dies nicht gelingen. Und genau deshalb hat die Bundesregierung die Gesundheitsforschung in den zurückliegenden Jahren massiv gestärkt und zum zentralen Bestandteil der Hightech-Strategie 2020 gemacht.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) hat als Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft gerade in den letzten Jahren energische Schritte unternommen, um sich als eine der bedeutendsten außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Infektiologie in Deutschland zu etablieren. Ein wichtiger Schlüssel für das Gelingen dieses Prozesses war es, die disziplin- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit mit den wichtigen Partnern in Niedersachsen und deutschlandweit konsequent voranzutreiben. Lassen Sie mich an dieser Stelle die wichtigsten Kooperationen und Initiativen aus Sicht des BMBF nennen: Die Gründung des TWINCORE - Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover im Jahr 2008, die Etablierung des Helmholtz-Institutes für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) mit der Universität des Saarlandes, dessen Forschungsneubau am 2. Oktober 2015 eingeweiht worden ist, die Mitgliedschaft im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) seit 2012 und das Engagement beim Aufbau des Zentrums für strukturelle Systembiologie (CSSB) auf dem DESY-Campus in Hamburg, dessen Richtfest am 9. September 2015 gefeiert wurde.

Gesundheitsforschung hat eine große Bedeutung in der Forschungs- und Förderpolitik des BMBF. Dies wird u. a. dadurch deutlich, dass der Bund das HZI dauerhaft und verlässlich pro Jahr mit rund 48 Millionen Euro im Rahmen der Programmorientierten Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft zu 90 Prozent finanziert. Hinzukommen 10 Prozent institutioneller Förderung durch die Sitzländer Niedersachsen und Saarland. Die Programmorientierte Förderung macht allerdings nur rund die Hälfte des jährlichen Gesamtbudgets aus, was die große Breite der Aktivitäten des HZI spiegelt.

Ein weiterer Ausdruck der Prioritätensetzung des BMBF im Bereich der Infektiologie ist das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Seine Aufgabe ist es, innovative Forschungsergebnisse flächendeckend in die klinische Anwendung zu überführen. Der Bund stellt für das DZIF von diesem Jahr an 35 Millionen Euro jährlich als 90 prozentigen Finanzierungsanteil zur Verfügung. Die sieben Sitzländer, in denen die Partnereinrichtungen angesiedelt sind, tragen 10 Prozent des DZIF-Budgets. Es freut mich, dass die Geschäftsstelle des DZIF hier auf dem Campus in Braunschweig angesiedelt ist. Auf diese Weise können sich die Expertisen, Ressourcen und Netzwerke beider Einrichtungen optimal ergänzen, wie im Falle des in sehr kurzer Zeit durch zusätzliche BMBF-Projektfördermittel ins Leben gerufenen Ebola-Konsortiums EBOCON. Dessen Aufgabe ist es, bedeutende, wissenschaftliche Beiträge zu dringend benötigten Diagnose- und Behandlungsmethoden gegen Ebola zu leisten.

Am HZI wird im engen Verbund mit nationalen und internationalen Partnern exzellent geforscht. Beispielhaft sei hier die Unterzeichnung des MoU mit der Shandong Universität in China am 2. Oktober 2015 in Saarbrücken zum Aufbau eines gemeinsamen Zentrums für Wirkstoffforschung genannt. Diese Initiative greift sehr gut die neue Strategie des BMBF zur Zusammenarbeit mit China auf.

Wenn ich mir das Engagement der Forscherinnen und Forscher, die Aktivitäten des BMBF und der Sitzländer sowie der Helmholtz-Gemeinschaft vor Augen führe, bin ich fest davon überzeugt, dass sich das HZI auf einem sehr guten Weg befindet. Die vorzüglichen Rahmenbedingungen, insbesondere der hohe Standard der baulichen und technischen Forschungsinfrastrukturen sind hier auf dem Forschungscampus mit Händen zu greifen. In anderen Bereichen werden Sie gezielt geschaffen, wie z. B. mit dem Neubau des so wichtigen Wirkstoffzentrums. Der erste Spatenstich wird im November ebenfalls hier auf dem Gelände gefeiert werden.

Das HZI ist eine über Jahrzehnte gewachsene, traditionsreiche und mit vielen Facetten versehene Forschungseinrichtung und gleichzeitig, wenn man nur den infektiologischen Forschungsschwerpunkt betrachtet, noch relativ jung. Diese Kombination macht es einmalig und setzt in gewisser Weise eine Dynamik und Flexibilität frei, die erwarten lässt, dass wir zukünftig vom HZI im Verbund mit seinen strategischen Partnern im DZIF noch viele wichtige Impulse auf dem Weg zu neuen Anti-Infektiva und der Bekämpfung von Infektionskrankheiten erwarten dürfen. Gewissermaßen tragen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HZI dazu bei, die Geisel Infektionskrankheiten hier in Deutschland aber auch darüber hinaus wirksam einzudämmen. Dafür gebührt Ihnen allen mein herzlicher Dank! Ich wünsche dem HZI eine weiterhin so erfolgreiche Entwicklung und den Menschen, die in ihm wirken, alles Gute.

Vielen Dank!