Festveranstaltung „90 Jahre DAAD“

Grußwort der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung Cornelia Quennet-Thielen am 17. Juni 2015 in Berlin  

Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort.

[ Anrede ]

I Einleitung

„Mein Feld ist die Welt!“ diesen Leitspruch hanseatischer Kaufleute machte sich die Reederei Hapag-Lloyd und ihr Gründer Albert Ballin vor mehr als 100 Jahren zu Eigen. Es könnte auch der Leitspruch des DAAD sein.

In 90 Jahren hat der DAAD ein weitgespanntes Netz persönlicher und institutioneller Kontakte über alle fünf Kontinente gelegt – das ist gelebte Internationalität.

Der DAAD ist überall zuhause. Er hat in fast jedem Land der Welt Partner, oft Freunde. Wer Wissenschaftlerinnen, Forscher oder ganz allgemein interessante Persönlichkeiten in anderen Ländern treffen möchte, ist beim DAAD richtig: Wo immer man hinkommt, vermittelt er kundige Leute mit besten Kontakten. Das Erfolgsgeheimnis des DAAD beruht auf seinem starken Netzwerk. Der DAAD hält die Gesprächskanäle offen und baut Brücken auch in schwieriger Zeit. Und das seit Jahrzehnten. Dafür, auch im Namen der Bundesministerin Prof. Johanna Wanka:

Herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch!

Der DAAD kann sich auf das starke Engagement der Bundesregierung verlassen. Gleich drei Ministerien stehen ‚Seit an Seit‘, um ihn zu fördern. Das können nicht viele Institutionen von sich sagen!

Das BMBF fördert die internationale Mobilität des deutschen Nachwuchses und die Internationalisierung der deutschen Hochschulen. Das Auswärtige Amt engagiert sich für die Auswärtige Bildungs-und Kulturpolitik. Das BMZ ist für die Hochschulentwicklung in Transformations- und Entwicklungsländern zuständig.

Sehen Sie es als besondere Wertschätzung, dass alle drei heute hier sind!

II Exemplarische Themen im historischen Kontext:

Zusammenarbeit mit Osteuropa und Hochschulmarketing

„DAAD“, das kann man auch lesen als „Deutsche ins Ausland, Ausländer nach Deutschland“. So hat der DAAD vor 90 Jahren angefangen: Mit der Förderung der individuellen Mobilität. Seit seiner Gründung hat der DAAD mehr als 1,9 Millionen Akademikerinnen und Akademiker im In- und Ausland unterstützt.

Das war nicht immer leicht. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist auch eine Geschichte gewaltsam unterbrochener und unterdrückter Austauschbeziehungen. Im Nationalsozialismus wurde der DAAD gleichgeschaltet. Mit dem II. Weltkrieg kam der Stipendia­­tenaustausch zum Erliegen. Nach dem Krieg lebte er vor allem mit den westlichen Ländern wieder auf, während Ost und West auch akademisch weitgehend getrennt blieben. Der Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs änderte das schlagartig: Der Weg war frei für neue akademische Beziehungen und den Austausch mit der anderen Hälfte Europas. Diese Chancen hat der DAAD grandios genutzt. Wie nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg wurde er nach dem Ende des Kalten Kriegs seinem Motto: „Wandel durch Austausch“ voll gerecht.

Professor Berchem und Sie, lieber Herr Dr. Bode, haben den DAAD in dieser spannenden Zeit 20 Jahre lang erfolgreich geführt und geprägt.

Osteuropa steht für uns weiterhin ganz oben auf der Agenda. Die außenpolitischen Gründe sind offensichtlich – da muss ich nur Russland und Ukraine, Weißrussland oder Georgien nennen. Zugleich gibt es handfeste hochschulpolitische Gründe: Die deutschen Hochschulen sind ein ganz wichtiger Partner für die osteuropäischen Hochschulen. Wir arbeiten im Bologna-Prozess zusammen, ein hochschulpolitischer Prozess für ganz Europa. Gerade in Zeiten von Spannungen in anderen Politikfeldern hilft er, Brücken zu bauen.

Überall in der Welt wird honoriert, dass wir meinen, was wir sagen: Wir wollen Brücken bauen, nicht einseitig Bildung exportieren. Wir suchen den Gewinn für beide Seiten. Wenn deutsche Professoren in Osteuropa lehren, wenn junge Menschen aus Osteuropa in Deutschland studieren und viele auch wieder zurückkehren, wenn Hochschulen voneinander lernen und ihre Mitarbeiter aus Ost und West zusammenarbeiten: Dann entsteht auf beiden Seiten Vertrauen; Erfahrungen und Erkenntnisse wachsen; fruchtbare Kooperationen in Forschung und Lehre und tragfähige persönliche Netzwerke auch in die Wirtschaft entwickeln sich. Wir müssen alles dafür tun, Menschen und Institutionen noch enger miteinander zu verbinden. Austausch bewirkt Wandel auf beiden Seiten. Die Geschichte des DAAD steht damit exemplarisch für die Überwindung von Grenzen.

Dabei ist der DAAD immer wieder neue Wege gegangen. Seit Mitte der 90er Jahre wurde individuelle Mobilität durch die Struktur- und Kooperationsprogramme ergänzt. Ich denke z.B. an das Doppelabschlussprogramm oder an das neue Programm „Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke“. Diese Aktivitäten tragen wesentlich zur Internationalisierung unserer Hochschulen bei. Der DAAD ist damit zur größten Internationalisierungsagentur der Hochschulen in Deutschland geworden. Die größte Mittler-Organisation für akademischen Austausch weltweit ist er ohnehin.

Mit seinem vielfältigen Engagement für Internationalisierung trägt er dazu bei, Reformprozesse in den Hochschulen in Gang zu setzen. Das ist ganz im Sinn von Bund und Ländern. In unserer gemeinsamen Strategie für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland von 2013 bekennen wir uns unter auch zu guten rechtlichen Rahmenbedingungen, dem Aufbau einer Willkommenskultur und der Steigerung der internationalen Attraktivität des Hochschulstandorts Deutschland.

Dazu gehören nicht nur gute Studienangebote, sondern auch ein modernes Hochschulmarketing. Vor allem dem Marketing sind viele Hochschulen anfangs mit Skepsis begegnet. ‚Werbung‘ schien vielen mit der hehren Lehre und Forschung nicht zusammenzupassen. Sie, lieber Professor Huber haben sich in Ihrer Amtszeit hartnäckig und erfolgreich dafür eingesetzt.

Werben müssen wir ja nicht nur um clevere Ausländer, sondern auch um Deutsche im Ausland. Der DAAD hat bereits 1968 ein Referat für die „Rückgewinnung“ deutscher Wissenschaftler im Ausland eingerichtet. Das ist beim DAAD noch immer Programm. Ich freue mich, in diesem Jahr einmal mehr bei der GAIN-Konferenz, diesmal in San Francisco, dabei sein zu können. Damit wollen wir vor allem Deutsche im nordamerikanischen Raum zurückgewinnen. Gute Ideen, spannende Deutungen, neues Wissen müssen weltweit zirkulieren: „Brain Circulation“ ist das Motto. Das verkennt, wer einseitig einen „Brain Drain“ beklagt.

So können wir stolz darauf sein, dass heute viermal mal mehr deutsche Studierende als vor 25 Jahren konkret planen, im Ausland ihren Abschluss zu machen.
(1991: 34.000, 2012: 138.500)

III BMBF und DAAD: Gemeinsam für mehr Mobilität und neue Wege der Kooperation

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben.“

hat Alexander von Humboldt gesagt. In einer Zeit gewalttätiger Engstirnigkeit bestätigt sich das leider Tag für Tag. „Die Welt anschauen“ – das heißt, offen in die Welt zu gehen, dem Unbekannten, anderen Kulturen gegenüber neugierig begegnen. Die Mission des DAAD ist damit so wichtig wie eh und je. Der DAAD fördert aktuell rund 120.000 deutsche und ausländische Akademiker mit Stipendien[1]. Das ist eine beeindruckende Zahl. Es sind 120.000 Geschichten von Austausch und Begegnung – Geschichten, die fürs Leben prägen.

Die Bundesregierung möchte noch mehr Menschen diese Erfahrung ermöglichen. Wir wollen, dass bis zum Ende des Jahrzehnts die Zahl ausländischer Studierender um rund ein Drittel auf 350.000 steigt. Wir wollen, dass jeder zweite Absolvent und jede zweite Absolventin unserer Hochschulen Studienerfahrungen im Ausland sammelt.

Gemeinsam mit dem DAAD werden wir weiterhin neue Wege gehen. Sie mögen es gewagt gefunden haben, eine deutsche Universität in Kairo oder eine Hochschule in Jordanien zu gründen. Aber trotz aller Herausforderungen sind beide ein großer Erfolg. Die deutsch-jorda­nische Hochschule ist in der ganzen Region ein Modell für praxisnahe Hochschulbildung. Und die deutsche Hochschule in Kairo hat allen Aufruhr in Ägypten überstanden. Sie arbeitet mit deutscher Qualitätssicherung und hat sogar eine Dependance in Berlin-Tegel gegründet. Die Deutsch-Türkische Universität bleibt ein ehrgeiziges, aber lohnendes Projekt. Ich bin sicher: Mit langem Atem und der Expertise des DAAD werden wir auch sie zum Erfolg führen.

In den letzten Jahren ist der DAAD zu einem Global Player des Austauschs und der Internationalisierung geworden. Das erfordert neue Strukturen. Sie, liebe Frau Prof. Wintermantel, liebe Frau Dr. Rüland – haben sich nicht gescheut, diese neuen, schlagkräftigen Strukturen zu schaffen. Dafür herzlichen Dank! Damit geht DAAD gut gerüstet in die Zukunft.

Gemeinsam mit Ihnen wollen wir die deutschen Hochschulen und ihre Studierenden international noch weiter vernetzen, über Europa und unsere Nachbarregionen hinaus, weltweit – mit Australien, Asien und Afrika. Nur welterfahrene Menschen und eine wahrhaft internationale Wissenschaft sind den Herausforderungen einer globalisierten Welt gewachsen. Dafür brauchen wir den DAAD mehr denn je.

Vielen Dank.

[1] Rd. 50.000 Ausländer und rd. 70.000 Deutsche, 52% Frauen; Jahresbericht 2014, Zahlen 2013