Flüchtlinge durch Bildung integrieren

Vom Deutschlernen bis zu Hilfen bei der Berufsausbildung: Das Bundesbildungsministerium unterstützt die Integration von Flüchtlingen mit einem großen Maßnahmenpaket. "Wenn Integration gelingt, profitieren alle davon", sagte Bundesministerin Wanka.

Sprachkompetenz wird hier besonders gefördert: Johanna Wanka mit Schülern des Ernst-Abbe-Gymnasiums in Berlin Neukölln. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bildung macht stark – das gilt besonders für die Flüchtlinge, die gegenwärtig nach Deutschland kommen. Denn sicher ist: Integration kann ohne Bildung nicht funktionieren. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind jünger als 25 Jahre, also in einem Alter, in dem sie eine Ausbildung benötigen.

Rund 130 Millionen zusätzlich

Integration durch Bildung muss darum in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt werden. Neben dem Finanzpaket, mit dem der Bund die Länder und die Kommunen unterstützen wird, wird das Bundesbildungsministerium mit gezielten Maßnahmen Integration durch Bildung voranbringen. In den nächsten Jahren investiert das Ministerium rund 130 Millionen Euro zusätzlich für den Erwerb der deutschen Sprache, das Erkennen von Kompetenzen und Potenzialen von Flüchtlingen und für die Integration in Ausbildung und Beruf.

Deutsch lernen

Schließlich ist das Erlernen der deutschen Sprache die wichtigste Voraussetzung für die gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge. Zusätzlich zu den etablierten und notwendigen Instrumenten wie Integrations- und Sprachkursen wird das Ministerium beispielsweise Lern-Apps anbieten, die die Flüchtlinge schnell und unkompliziert nutzen können. Für Flüchtlingskinder wird ein Sonderprogramm „Lesestart“ in die Tat umgesetzt; zudem werden ehrenamtliche Vorlesepaten unterstützt. Außerdem werden ehrenamtliche Lernbegleiter qualifiziert, damit sie neben den hauptamtlichen Lehrkräften den Einstieg in die deutsche Sprache unterstützen können. Mit der Stiftung Lesen und dem Deutschen Volkshochschulverband gibt es dafür starke und erfahrene Partner.

Berufsqualifikationen anerkennen

Viele Flüchtlinge bringen Berufsqualifikationen mit. Mit dem sogenannten Anerkennungsgesetz gibt es eine solide Basis dafür, sie anzuerkennen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Zahlen weiter gestiegen: Im Jahr 2014 gab es insgesamt rund 20.000 Verfahren auf Anerkennung, das sind 20 Prozent mehr als in 2013. Von den beschiedenen Verfahren endeten rund 78 Prozent mit einer vollen Gleichwertigkeit, lediglich 3,6 Prozent wurden abgelehnt.

Johanna Wanka erläutert auf einer Pressekonferenz die Maßnahmen des BMBF für Flüchtlinge. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Servicestellen verdoppelt

Was für deutsche Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund gilt, gilt auch für die neu hinzukommenden Flüchtlinge: Eine frühe Berufsorientierung und eine Begleitung hin zu einem Ausbildungsplatz sind entscheidend für einen erfolgreichen Einstieg in Ausbildung. Deshalb stärkt das Bundesbildungsministerium erfolgreiche Instrumente, besonders in den Regionen, die viele Flüchtlinge aufnehmen. So werden die KAUSA-Servicestellen ausgebaut und ihre Zahl verdoppelt. Die Servicestellen werden Selbstständige, Jugendliche und Eltern mit Migrationshintergrund bei Fragen zur dualen Ausbildung unterstützen.

Unterstützung für die Kommunen

Die Integration läuft vor Ort – und ob sie gelingt, entscheidet sich in den Kommunen. Zur Organisation und Koordinierung von Bildungsangeboten für Flüchtlinge wird das Bundesbildungsministerium allen rund 400 Kreisen oder kreisfreien Städten mit Beginn 2016 ermöglichen, einen Koordinator zu finanzieren. Auch die Bündnisse für Bildung im Programm „Kultur macht stark“ werden gestärkt. Sie erreichen derzeit 300.000 Kinder und Jugendliche. Der Deutsche Volkshochschulverband hat sein Angebot bereits erweitert. So werden Jugendlichen Sprach- und Kulturtechniken vermittelt, die bei der Integration helfen und einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung einer Willkommenskultur leisten.

Sicher ist: Wenn Integration in Ausbildung, Arbeitsmarkt und Gesellschaft gelingt, profitieren alle davon.