Förderung für Geflüchtete: Auf dem Weg zum Mediziner

Den Wunsch Arzt zu werden, hat sich Joseph Yateem bewahrt – trotz seiner Flucht aus Aleppo, trotz des Neuanfangs in Deutschland. Dank des vom Bundesbildungsministerium geförderten INTEGRA-Programms kann sich der junge Syrer seinen Wunsch erfüllen.

Mit dem Medizinstudium erfüllt sich Joseph Yateem einen Kindheitstraum. Schon als Kind prüfte er bei seinem Vater den Blutdruck. © Lukas Eiler

Als Joseph Yateem seine syrische Heimatstadt Aleppo 2015 verlassen musste, ließ er viel zurück: die Straßen seiner Kindheit, seine Freunde, Verwandte. Geblieben ist nach seiner Flucht ein inniger Wunsch: Arzt zu werden. „Ich wollte schon immer anderen Menschen helfen“, erzählt er. Schon als Kind prüfte er bei seinem Vater Blutdruck und Puls und versicherte mit kindlicher Vorfreude: „Ich werde Arzt, dann heile ich dich.“

Seinen Berufswunsch verfolgte er auch beharrlich nach seiner Flucht von Syrien nach Deutschland. Zunächst brachte er sich in jeder freien Minute ein wenig Deutsch per Selbststudium bei. Schnell ging er auch auf Menschen in seiner neuen Heimat im baden-württembergischen Sigmaringen zu und lernte die Sprache so immer besser. „Ich kann auch ein bisschen Schwäbisch schwätze“, sagt der 21-Jährige und lacht.

Refugee Programm bereitet Geflüchtete auf das Studium vor

Den Weg zum Medizinstudium ebnete ihm letztlich das „Refugee Programm“ der Universität Tübingen, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Das neunmonatige Programm bereitet Geflüchtete auf das Studium vor. Dabei lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst vor allem intensiv Deutsch. Auch Kurse zur deutschen Geschichte und Politik besuchen sie und sprechen dabei zum Beispiel über das deutsche Wahlsystem oder das Grundgesetz. Später nehmen sie an Fachkursen teil, wo sie das wissenschaftliche Arbeiten fürs Studium lernen und je nach Studienziel auch noch weitere Fähigkeiten. Joseph Yateem hat hier zum Beispiel Arzt-Patienten-Gespräche geführt, die Abläufe in deutschen Krankenhäusern kennengelernt und medizinische Fachwörter gepaukt. „So kannte ich später im Studium viele Begriffe schon.“

Deutsche Studierende helfen den Geflüchteten, sich an der Uni zurechtzufinden

Als besonders wertvoll hat er auch das Buddy-Programm empfunden. Dabei helfen deutsche Studierende den angehenden Studienanfängern, sich an der Uni zurechtzufinden. Auch dieses Programm wird vom BMBF finanziert (Welcome-Programm des DAAD). Joseph Yateem hat nicht nur Wanderungen mit seinem Buddy unternommen und durch ihn viele weitere Studierende kennengelernt. Er hat auch Antworten auf seine Fragen gefunden: Wie sollte man sich auf die Prüfungen vorbereiten? Wie schreibt man ein Motivationsschreiben für einen Studienplatz? „Durch meinen Buddy habe ich viele wichtige Informationen bekommen.“

Von ihm erfuhr Yateem auch von dem Pflegepraktikum im Krankenhaus, das ein Pflichtteil des Medizinstudiums ist. Um mehr Zeit zum Lernen zu haben, absolvierte er das Praktikum bereits vor seinem ersten Semester. Auch dabei war das Wissen aus dem „Refugee Programm“ eine Hilfe. „Viele Begriffe waren zwar immer noch neu für mich, aber durch den Fachkurs kannte ich bereits vieles.“

Kindheitstraum wird Wirklichkeit

Seit diesem Sommersemester studiert der 21-Jährige nun an der Universität Tübingen sein Wunschfach. „Es ist sehr lernintensiv, aber ich bin einfach glücklich, dass ich hier studieren kann.“ Joseph Yateem ist damit auf dem Weg, sein großes Ziel zu erreichen. Er möchte nicht nur einen Kindheitstraum Wirklichkeit werden lassen. „Ich möchte auch etwas von dem zurückgeben, was ich an Unterstützung in Deutschland bekommen habe.“

Förderung für Geflüchtete

Bildung ist ein zentraler Bestandteil der Integration von Flüchtlingen. Denn mehr als die Hälfte der Geflüchteten, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, ist unter 25 Jahre alt – also in einem Alter, in dem sie eine Ausbildung benötigen. Über ein Drittel der erwachsenen Flüchtlinge bringen sogar eine Studienberechtigung des Herkunftslandes mit und hatten teilweise bereits studiert. Um denjenigen unter ihnen die studieren möchten und hierfür ausreichende Qualifikationen mitbringen den Zugang zum Studium zu ermöglichen, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Hochschulen mit gezielten Maßnahmen, um Geflüchteten den Weg an eine deutsche Hochschule zu ebnen.

Dafür stehen für den Zeitraum 2016 bis 2020 rund 100 Millionen Euro bereit. Aus diesen Mitteln hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ein umfangreiches und langfristig angelegtes Maßnahmenpaket entwickelt, welches aus drei Bausteinen besteht, die die Basis für einen erfolgreichen Zugang zu einem Studium bilden:

• Kompetenzen und Qualifikationen studieninteressierter Flüchtlinge erkennen,
• mit Sprach- und Fachkursen studierfähige Flüchtlinge an Hochschulen und Studienkollegs auf ein Studium vorbereiten (Integra-Programm),
• studentische Freiwilligeninitiativen bei der sozialen Integration an den Hochschulen unterstützen (Welcome-Programm).

Darüber hinaus können seit Januar 2016 Geduldete und Inhaber bestimmter humanitärer Aufenthaltstitel bereits nach 15 Monaten BAföG beantragen. Flüchtlinge mit einem hohen Schutzstatus, wie beispielsweise Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention oder subsidiär Schutzberechtigte, können auch weiterhin ohne eine Wartefrist BAföG-Leistungen beantragen.