"Forschen mit, statt in Afrika"

Im westlichen und im südlichen Afrika entstehen zwei regionale Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement - gefördert vom Bundesforschungsministerium.

Doktoranden helfen bei der Wartung der Klimastationen und Erhebung von Klimadaten in Dano, Burkina Faso. © WASCAL / Jelena Vajen

Gabin Ananou war persönlich anwesend, als der zweite Jahrgang der Studenten in Togo dieses Jahr verabschiedet wurde. Mit der Übergabe der Diplome wurde ein wichtiger Teilerfolg sichtbar: „Wir wollen vor allem die Menschen vor Ort aus- und weiterbilden und schließlich zur Forschung befähigen“, sagt er. „Diesem Ziel sind wir ein ganzes Stück näher gekommen.“ Ananou ist der deutsche Ansprechpartner für die regionalen Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement im südlichen und westlichen Afrika. Diese sind eine einzigartige Initiative in der wissenschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit zwischen Afrika und Deutschland.

Strukturen in den Regionen aufbauen

Auch wenn die komplette Anschubfinanzierung vom Bundesforschungsministerium übernommen wurde – nicht Deutschland gibt die Forschungsvorhaben vor, sondern die afrikanischen Länder sollen die wichtigsten Themen identifizieren. Dahinter steht die Überzeugung, dass regionale Probleme nur mit Hilfe regionaler Forschung und mit Rückbesinnung auf tradiertes Wissen gelöst werden können. Dazu sollen wissenschaftliche Strukturen in den Regionen aufgebaut werden, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind. Mit Hilfe dieser Strukturen sollen künftig Experten und Politiker vor Ort selbst Entscheidungen über Anpassungsmaßnahmen treffen.

Projekt WASCAL in Westafrika

Bereits 2009 wurde pro Land ein Forschungsschwerpunkt erarbeitet, Togo nahm zum Beispiel das Thema „Klimawandel und zivile Sicherheit“ in den Blick, Ghana „Landnutzung“ und Mali „Landwirtschaft“. Jetzt, nach fünf Jahren, sind die Strukturen aufgebaut: Für WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use) entstand in Ouagadougou (Burkina Faso) ein neuer Campus mit Laboren und Hörsälen sowie eine Verwaltung in Accra (Ghana). Im Klimakompetenzzentrum Ouagadougou sollen die Forschungsergebnisse aller beteiligten Staaten zusammenlaufen. Außerdem entstanden im Westen Afrikas zehn Graduiertenprogramme, die von Universitäten in Westafrika in Zusammenarbeit mit deutschen Partneruniversitäten durchgeführt werden. Inzwischen befinden sich mehr als 160 Nachwuchswissenschaftler in der Ausbildung, von denen bislang bereits 60 erfolgreich die WASCAL-Graduiertenprogramme absolviert haben.

Projekt SASSCAL in Südafrika

Im südlichen Afrika entstand das zweite Kompetenzzentrum, SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Use), an dem sich neben Deutschland fünf Partnerländer beteiligen. Der Hauptsitz ist in Windhoek, Namibia, angesiedelt. In Angola, Botswana, Sambia und Südafrika baute SASSCAL regionale Forschungs-, Bildungs- und Servicestrukturen auf. Auch diese Institution reagiert auf die Herausforderungen des globalen Wandels und steht für Innovation und Austausch von Wissen. Damit soll die Implementierung einer anpassungsfähigen Landwirtschaft weiter vorangetrieben und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen ermöglicht werden.

Der Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Wissenschaft und Forschungsinfrastruktur soll überdies einen wichtigen Beitrag Afrikas zu internationalen klimapolitischen Prozessen, zum Beispiel beim Weltklimarat IPCC und den internationalen Klimaverhandlungen, leisten. Somit bestehen gute Chancen, dass die Stimme der afrikanischen Länder zum Klimawandel in Zukunft besser gehört wird.

Unterstützung durch das Bundesforschungsministerium

Das Bundesforschungsministerium hat für WASCAL und SASSCAL jeweils 50 Millionen Euro in einem Zeitraum von fünf Jahren bereitgestellt. Die Partner sollen von 2016 an mehr Verantwortung übernehmen, auch finanzielle. Die Mittel aus Deutschland werden langsam reduziert, die Kosten von den jeweiligen Ländern übernommen. Eine Möglichkeit wäre, dass sich die westafrikanische Wirtschaftsunion ECOWAS (Economic Community of West African States), das Pendant der EU in Westafrika, strukturell beteiligt. Bei der Suche nach Geldgebern hilft der deutsche DLR-Projektträger nur mittelbar: „Wir stellen zwar gerade den Kontakt zur EU her, aber letztlich sind die afrikanischen Partner für die Mittel verantwortlich“, so Gabin Ananou.

Vorab jedoch wird es erneut eine Konsultation geben: Sind die Länder mit den bisherigen Forschungsergebnissen zufrieden oder werden andere Schwerpunkte verlangt? „Diese Fragen müssen wir klären, um nicht am tatsächlichen Bedarf vorbei zu unterstützen.“ Das Beispiel Botswana zeigt, dass mitunter erhebliche Kursänderungen zu erwarten sein könnten. Experten sehen dort einen Forschungsbedarf beim Thema Gesundheit – nicht mehr, wie bislang, nur beim Thema Wald. „Das“, so Ananou, „müssen wir schlicht respektieren.“