Forschung für den Tierschutz

BMBF stärkt die Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch / Wanka: "Deutschlands Vorreiterrolle ausbauen"

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) stärkt die Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch. Um viel versprechende Ansätze auf diesem Gebiet schneller in die Anwendung zu bringen, hat das BMBF seine Fördermaßnahme "Alternativmethoden zum Tierversuch" aktualisiert. So unterstützt das BMBF künftig verstärkt auch Strategien zur Einführung und Verbreitung von Alternativmethoden zum Beispiel durch Schulungen oder Trainingskurse. Neu ist auch, dass die Begleitung der Projekte durch erfahrene Mentoren gefördert werden kann, die die Forscher hinsichtlich der Praxistauglichkeit von Alternativmethoden beraten. Darüber hinaus können erfolgreiche Forschungsgruppen in Zukunft eine Anschlussförderung beantragen.

"Unser langjähriger Förderschwerpunkt ist in seinem Umfang international einzigartig und wegweisend. Mit den nun verbesserten Rahmenbedingungen wollen wir die Vorreiterrolle Deutschlands stärken und bei Alternativmethoden zum Tierversuch neue Maßstäbe setzen. Sie sollen schneller den Weg in die Praxis finden – und damit in Deutschland und weltweit zu einer Reduzierung von Tierversuchen beitragen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Das BMBF fördert die Suche nach Ersatzmethoden zum Tierversuch seit mehr als 30 Jahren – bislang mit insgesamt rund 160 Millionen Euro für mehr als 500 Projekte. Das Spektrum der alternativen Ansätze ist vielfältig: Mit Hilfe von Zellkulturen wird zum Beispiel im Labor künstliche menschliche Haut gezüchtet. Experten gehen davon aus, dass die Wirkung von Arzneimitteln oder Chemikalien darauf verlässlicher getestet werden kann als auf der Haut von Versuchstieren. Weitere Forscherteams entwickeln Computermodelle, die physiologische Prozesse in Organen wie der Leber simulieren. Diese Modelle können Tierversuche etwa bei Medikamenten-Studien überflüssig machen.

Derzeit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die verschiedenen Organe des menschlichen Körpers auf sogenannten Biochips nachzubilden und miteinander zu verbinden. Die Vision der Forscher ist ein "Human-on-a-Chip", der nicht viel größer ist als ein Smartphone, die Abläufe im menschlichen Organismus jedoch eins zu eins widerspiegelt. So könnte in Zukunft die Anzahl der Tierversuche für Wirkstofftests erheblich reduziert werden.

Weitere Informationen unter:
https://www.bmbf.de/de/alternativen-zum-tierversuch-412.html