Forschung für mehr Lebensqualität und Sicherheit in der Stadt

Wie schafft man ein sicheres Wohnumfeld in der Stadt? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach, zumal sich Städte im stetigen Wandel befinden. Das vom BMBF geförderte Projekt „Sicherheit und Vielfalt im Quartier“ stellt sich dieser Aufgabe.

Leben in der Stadt © thinkstock

Die großen Städte in Deutschland wachsen seit Jahren. Immer mehr Menschen zieht es in urbane Lebensräume, weil sie dort Arbeit, ein breites kulturelles Angebot und berufliche Perspektiven finden. Das Leben in städtischen Räumen ist mehr denn je von vielfältigem Wandel geprägt – sei es durch Zuwanderung und den demografischen Wandel, neue Arbeits-, Familien- und Lebensmodelle oder die Digitalisierung . Diese Entwicklungen beeinflussen auch die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner und stellen neue Anforderungen an die Stadtquartiere, um Kriminalität vorzubeugen und das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken.

Kommunen, Wohnungsbauunternehmen und Polizeien stehen dabei oft vor gemeinsamen Herausforderungen. Für das Anfang 2018 gestartete Forschungsprojekt „Sicherheit und Vielfalt im Quartier - DiverCity“ war es deshalb folgerichtig, in einem Team an Lösungen zu forschen. Dazu untersucht das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt, welche Konzepte und Maßnahmen geeignet sind, um die empfundene und tatsächliche Sicherheit in Stadtquartieren zu erhöhen. In zwei Beispielquartieren in Braunschweig und Bremen bringen die Projektpartner ihre unterschiedlichen Sichtweisen und Forschungsansätze ein und beteiligen auch die lokalen Akteure, beispielsweise Polizeien vor Ort, an dem Prozess.

Gemeinsam auf mehreren Ebenen forschen

In dem Forschungsprojekt kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz, um Antworten auf unterschiedliche Fragestellungen zu erhalten. Beispielsweise sollen alle deutschen Kommunen über 50.000 Einwohner nach gelungenen Integrationskonzepten und Aktivitäten zur Vorbeugung von Kriminalität im Städtebau befragt werden. Es wird ermittelt, aus welchen Gründen die Maßnahmen erfolgreich waren und ob sich diese auf andere Kommunen übertragen lassen. Ein anderer Schwerpunkt im DiverCity-Projekt ist die Untersuchung der Beispielgebiete in Braunschweig und Bremen. In diesen sollen neue Maßnahmen getestet werden, die die Sicherheit verbessern und somit die Lebensqualität der Menschen erhöhen. Dafür werden unter anderem Orte identifiziert, an denen sich Anwohnerinnen und Anwohner unsicher fühlen. Ob die Bewohnerinnen und Bewohner sich in ihrem Quartier wohl und sicher fühlen, hängt maßgeblich von unterschiedlichen Aspekten wie gut gestalteten Freibereichen, ausreichender Beleuchtung, leicht aufzufindenden Hausnummern und einem sauberen Umfeld ab.

Ein ganz wesentlicher Punkt im Forschungsprojekt ist die Frage, wie die Ergebnisse in die Planung von Neubaugebieten oder die Umgestaltung bestehender Stadtquartiere einbezogen werden können. Zusätzlich wird bereits während der Projektlaufzeit eine Onlineplattform - ein sogenannter Sicherheitspool - bereitgestellt, in die die Ergebnisse aus dem Projekt für die Anwender wie Polizei, Wohnungsbauunternehmen und Kommunen zeitnah eingestellt werden. Sie sollen damit neue Ansatzpunkte erhalten, die lokale Sicherheitssituation in den Stadtquartieren verlässlich einzuschätzen, Probleme zu erkennen und Risiken zu beseitigen.

Sicherheit und Vielfalt im Quartier (DiverCity)

Das Projekt „Sicherheit und Vielfalt im Quartier“ ist Anfang 2018 gestartet und wird nach dreijähriger Laufzeit im Dezember 2020 abgeschlossen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt innerhalb des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ im Rahmen der Förderrichtlinie „Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen“ mit über 1,4 Millionen Euro. Projektpartner sind das Landeskriminalamt Niedersachsen (Projektkoordination) in Hannover, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin und der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) in Hannover. Zudem sind unter anderem Bau- und Wohngenossenschaften, Verbände, eine Landespolizei und Städte als assoziierte Partner in das Projekt eingebunden.

Für die Erfassung und Analyse von sogenannten „Angsträumen und Gefahrenorten“ in den zwei Beispielgebieten in Braunschweig und Bremen hat das Landeskriminalamt Niedersachsen ein spezielles Instrument entwickelt, das auch auf andere Gebiete angewendet werden kann. Dieses ist als deutscher Beitrag für den Crime Prevention Award nominiert, der Anfang Dezember 2018 in Wien verliehen wird.